Umbenennung
«X-beliebiger Name» – «Ein Schritt vorwärts»: Die CVP Thurgau heisst neu «Die Mitte Thurgau»

Eine ausserordentliche Delegiertenversammlung der CVP Thurgau ist in der Namensfrage der Mutterpartei gefolgt. Ein Gegenvorschlag von Kantonsrat Peter Bühler blieb chancenlos.

Roman Scherrer
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Die ausserordentliche Delegiertenversammlung der CVP Thurgau befindet in der Diessenhofer Rhy-Halle über ihren neuen Namen.

Die ausserordentliche Delegiertenversammlung der CVP Thurgau befindet in der Diessenhofer Rhy-Halle über ihren neuen Namen.

Bild: Donato Caspari

Paul Rutishauser ist erleichtert. Nicht etwa, weil der Ettenhauser einstimmig als Parteipräsident wiedergewählt ist. Sondern, weil seine Partei die Namensfrage geklärt hat. Und weil der Beschluss deutlich zugunsten des Vorschlags aus der Parteileitung ausgefallen ist: 82 der 91 Stimmberechtigten an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung der CVP Thurgau entscheiden sich am Freitagabend in geheimer Abstimmung dafür, dass ihre Partei künftig «Die Mitte Thurgau» heissen soll. Sie folgen damit sowohl ihrer nationalen Mutterpartei wie auch der eigenen Jungpartei, die sich seit März «Die Junge Mitte Thurgau» nennt.

Drei Optionen stehen in der Diessenhofer Rhy-Halle zur Debatte. Variante zwei: Den Namen beibehalten. Die dritte stammt von Kantonsrat Peter Bühler aus Ettenhausen. Er empfiehlt die Bezeichnung «CVP Thurgau – Die Mitte».

Bühler sieht Umbenennung als «Hochrisikostrategie»

In gewohnt eloquenter Manier erläutert er seinen Antrag. «Wenn Sie heute das C wegwerfen, kommt es nicht wieder zurück», sagt Bühler. Die Umbenennung in «Die Mitte» erachtet er als «Hochrisikostrategie».

«Wir haben Stammwählerinnen und
-wähler. Ich bezweifle, ob sie uns noch wählen, wenn wir unter einem
x-beliebigen Namen auftreten.»
Peter Bühler beantragt den Namen «CVP Thurgau - Die Mitte».

Peter Bühler beantragt den Namen «CVP Thurgau - Die Mitte».

Bild: Donato Caspari

Unterstützung erhält Bühler von Astrid Ziegler, Ortsparteipräsidentin Berg-Birwinken, und seinem Hinterthurgauer Kantonsratskollegen Josef Gemperle (Fischingen). Letzterer bezeichnet Bühlers Vorschlag als «strategisch klugen Kompromiss», mit dem man die «treuen C-Wähler» halten könne.

Bühler und Gemperle betonen, dass die CVP im Hinterthurgau bei den Grossratswahlen 2020 gegenüber den Wahlen vier Jahren zuvor an Wählerstimmen zugelegt hat – trotz C im Namen. Schlussendlich bleibt die Variante Bühler mit acht Stimmen chancenlos. Ein Mitglied stimmt dafür, den Namen CVP Thurgau beizubehalten.

Die Umbenennung in «Die Mitte Thurgau» vereinfache die Werbung der Kantonalpartei, begründet Paul Rutishauser den Vorschlag der Parteileitung, für den sich der Grossteil der 15 Votanten einsetzt.

Paul RutishauserParteipräsident CVP Thurgau

Paul RutishauserParteipräsident CVP Thurgau

Bild: Donato Caspari

Der Tenor: Obwohl das C aus dem Namen fällt, will man die christlichen Werte, für die es steht, in der Partei weiterleben lassen. Trennen will man sich vom Katholischen, sagt etwa Bruno Schlauri, Präsident der CVP Tägerwilen. Denn damit würde das C in der Bevölkerung oft verbunden oder gar gleichgestellt. Das habe den Grossratswahlkampf erschwert, berichtet die Präsidentin der «Jungen Mitte Thurgau», Flavia Scheiwiller (Sirnach).

Auch Ständerätin Brigitte Häberli setzt sich für den Antrag der Parteileitung ein:

«Machen wir einen Schritt vorwärts. ‹Die Mitte Thurgau›, das muss es sein.»

Im Kanton zeichne man sich damit aus, dass man Politik mit Kompromissen mache, sagt der Frauenfelder Kantonsrat Christoph Regli. «‹Die Mitte› ist dafür vielleicht nicht der beste Name. Aber immerhin der beste, den wir gefunden haben.»

An der nächsten Delegiertenversammlung, am 17. August, will die bisherige CVP Thurgau ihren neuen Namen «Die Mitte Thurgau» in ihren Statuten festhalten.

«Müssen pointierter auftreten»: Drei Fragen an Kantonsrat Peter Bühler

Sie haben den Namen «CVP Thurgau - Die Mitte» vorgeschlagen. Was ist schlecht an «Die Mitte Thurgau»?

Peter Bühler: Dass man das C rauswirft und entsorgt. Man hat sich somit im Thurgau der Mitte Schweiz angepasst. Der Name alleine wird aber nichts bewirken. Wir müssen lernen, pointierter aufzutreten.

Kantonsrat Peter Bühler wirbt für den Namen «CVP Thurgau - Die Mitte».

Kantonsrat Peter Bühler wirbt für den Namen «CVP Thurgau - Die Mitte».

Bild: Donato Caspari

Weshalb konnten Sie ihre Partei nicht überzeugen?

Wir wären mit meinem Vorschlag anders als die nationale Partei unterwegs gewesen, quasi ein Gallierdorf in der Ostschweiz. Das passt weder zu uns Thurgauern noch zur CVP. Zu einem früheren Zeitpunkt wären die Chancen für einen Doppelnamen sicher besser gewesen.

Kehren Sie der Partei jetzt den Rücken?

Nein, warum auch? Die Menschen sind immer noch die gleichen. Das würde ich nur dann tun, wenn eine politische Tendenz Einzug halten würde, hinter der ich mit meinen christlichen Werten nicht mehr stehen kann.