Glosse

Um Himmels Willen bitte keinen Zaun in Islikon

Murgspritzer zum nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag, den neuen Grenzhag aus Kreuzlingen-Konstanz zum Kanton Zürich hin zu zügeln

Stefan Hilzinger
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Der Corona-Grenzzaun in Kreuzlingen am Bodensee.

Der Corona-Grenzzaun in Kreuzlingen am Bodensee.

(Bild: Michel Canonica)

Vor kurzem erst hiess es noch «Willkommen, Familie Zürcher», und jetzt schlägt jemand in dieser Zeitung vor, in Islikon einen Zaun zu errichten, einen veritablen Grenzhag gegen unsere westlichen Nachbarn. Man solle doch gleich den Doppelzaun aus Konstanz-Kreuzlingen nach Islikon zügeln, so wäre dort die Grenze für Einkaufstouristen wieder offen, und der Hag würde uns Thurgauer davor bewahren, von Zürcher Strebern überschwemmt zu werden. Zugegeben, der Vorschlag war nicht ganz ernst gemeint, aber er war ja auch nicht zu Ende gedacht.

Stefan Hilzinger, Redaktor.

Stefan Hilzinger, Redaktor.

(Bild: Reto Martin)

Schliesslich wirkt so ein Hag ja nicht nur in eine Richtung, sondern immer in zwei. Heisst: Wo nix mehr rein darf, darf auch nix mehr raus. Also auch keine Pendler mehr nach Winti und Züri, auch keine Kollegen mehr an Spiele ihrer Lieblingsclubs nach Winti, Kloten oder Züri, wenn sie dann wieder in die Stadien dürfen.

Und der Kollege aus Winti mit dem Auto mit dem Stern vorne darauf – wenn er (der Stern) nicht schon wieder geklaut wurde – darf auch nicht mehr rein. Und wer fährt einen dann, wenn es wieder mal spät geworden ist, in die Bannhalde hoch, weil man zu faul ist, zu Fuss oder mit dem Velo heimzukehren? Eben.

Ja, wenn der Wind der Veränderung bläst, bauen die einen Mauern (oder Zäune, was den Wind aber nicht wirklich abhält) und die andern Windräder, das sagen wenigstens die Chinesen. Punkto Windräder ist der Thurgau vergangene Woche ja einen kleinen Schritt weiter gekommen. Wie auch immer: Einen Hag in Islikon gibt’s nie und nimmer. Die Grenze nach Westen muss offen bleiben.

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