Ukraine-Krieg
Schutzräume und Spenden: Um die 1000 Anfragen von besorgten Bürgern erhielten die Thurgauer Behörden in den letzten Tagen

Der Kanton hat mittlerweile eine Hotline für die Hilfsangebote im Thurgau eingerichtet. Gleichzeitig wollen sich viele Thurgauerinnen und Thurgauer über Schutzräume und Jodtabletten informieren.

Judith Schönenberger
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Blick in die Zivilschutzanlage Schollenholz in Frauenfeld.

Blick in die Zivilschutzanlage Schollenholz in Frauenfeld.

Bild: Donato Caspari (Aufnahme vom 21.06.2016)

Der Krieg in der Ukraine beschäftigt die Thurgauerinnen und Thurgauer. Viele wollen der ukrainischen Bevölkerung helfen und wenden sich deshalb an die Behörden. Dafür hat der Kanton nun die «Anlaufstelle Ukraine-Hilfe» eingerichtet, wie er am Freitag mitteilte. Sie ist unter der Nummer 058 345 91 91 jeden Tag von 8 bis 17.30 Uhr oder per Mail unter ukraine-hilfe@tg.ch erreichbar.

«Die Gemeinden und verschiedene kantonale Ämter haben per Telefon oder Mail Hilfsangebote für die Ukraine erhalten, zudem gab es Anfragen via soziale Medien», sagt Markus Zahnd, Leiter des kantonalen Informationsdienstes. Solche Angebote soll nun die Anlaufstelle bündeln und koordinieren. Die Hilfsbereitschaft ist laut Zahnd gross: «Viele Menschen wollen Sachen spenden, einige wären aber auch bereit, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen.»

Bevölkerung fragt nach Schutzräumen

Nicht nur um ihre Hilfe anzubieten, sondern auch, weil sie um ihre eigene Sicherheit besorgt sind, melden sich Personen bei den Behörden. Daniel Engeli vom kantonalen Amt für Bevölkerungsschutz schätzt, dass in den letzten drei Tagen rund 1000 Anfragen zu Schutzräumen, Jodtabletten und Notvorrat bei Kanton und Gemeinden eingegangen sind. Er betont gleichzeitig, dass momentan keine erhöhte Gefahr für die Bevölkerung bestehe.

Im Kanton Thurgau gibt es rund 9000 Schutzräume. In diese müsste sich die Bevölkerung zurückziehen, wenn der Bundesrat aufgrund eines bewaffneten Konflikts die Verstärkung des Bevölkerungsschutzes anordnen würde. In welchen Schutzraum sie gehen muss, erfährt jede Person zuvor per Brief von ihrer Wohngemeinde, erklärt Thomas Ribi. Er ist beim kantonalen Amt für Bevölkerungsschutz und Armee zuständig für Schutzbauten.

Dank Überbelegung genug Platz

Thomas Ribi vom Amt für Bevölkerungsschutz und Armee Thurgau.

Thomas Ribi vom Amt für Bevölkerungsschutz und Armee Thurgau.

Bild: PD

Die Gemeinden sind dafür verantwortlich, genügend Schutzräume für ihre Einwohnerinnen und Einwohner bereitzustellen. 28 der 80 Thurgauer Gemeinden haben in ihren Schutzräumen Platz für alle ihre Gemeindeeinwohnerinnen und -einwohner oder mehr. Diese sogenannte Schutzplatzabdeckung beträgt im Thurgau insgesamt 98 Prozent. «Eine kleine Überbelegung der Schutzräume ist möglich, deshalb sind trotzdem Plätze für alle da», sagt Ribi.

Meist sind es Gemeinden mit wenig Bauland, die keine hundertprozentige Schutzplatzabdeckung erreichen. Pro Jahr entstehen im Thurgau rund 30 bis 40 neue Schutzräume. Einerseits, weil im Kanton viel gebaut wird, andererseits, weil die Bevölkerung stark wächst. Ein Fünftel aller Schutzräume sind sogenannte «öffentliche Schutzräume» und gehören den Gemeinden, der Rest sind Schutzräume in privaten Bauten. Wo genau sich im Thurgau Schutzräume befinden, ist auf der Website map.geo.tg.ch einsehbar.