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«Übergwändli» aus dem Auto-Lädeli: On Tour mit Peter Pfluger

Das Auto randvoll bepackt mit Kleidern und allerlei Nützlichem für Haus und Hof, fährt Peter Pfluger jeden Tag Bauernhöfe in der Ostschweiz an. Derzeit ist er am Untersee unterwegs. Wir reisen einen Tag mit.
Dinah Hauser
Peter Pfluger (rechts) im Verkaufsgespäch: Soeben hat er eine Scheuerbürste und Handschuhe an Peter Hutterli verkauft. (Bild: Reto Martin)

Peter Pfluger (rechts) im Verkaufsgespäch: Soeben hat er eine Scheuerbürste und Handschuhe an Peter Hutterli verkauft. (Bild: Reto Martin)

Es ist 8 Uhr. Die Sonne blendet im Rückspiegel und über dem Bodensee schwebt die Nebelsuppe. Peter Pfluger ist mit seinen Waren unterwegs von seinem Wohnort Schönenbaumgarten in der Gemeinde Langrickenbach in Richtung Ermatingen. Von dort geht es den Hügel hinauf nach Fruthwilen. Der erste Kunde, ein Obstbauer, ist schon ausgezogen, seine Bäume zu schneiden. «Dann komme ich am Montag wieder», verabschiedet sich Pfluger von der Bauersfrau. Die zweite Kundin braucht gerade nichts. Pfluger will im Herbst wieder vorbeischauen.

Beim dritten Hof hat er Glück: Peter Hutterli braucht eine neue Scheuerbürste. Pfluger hat auch zwei neue Modelle im Angebot: «Mit denen kommst du besser in die Ecken rein.» Einige Kunden hätten solche Bürsten gewünscht, also hat Pfluger sie in sein Angebot aufgenommen. Hutterli entscheidet sich dann doch für ein traditionelles Modell.

Da fällt ihm ein, dass er noch Arbeitshandschuhe braucht. Von den grauen hätte er gerne ein Paar. Pfluger klappt in seinem Auto ein Brett nach aussen; es bildet eine Art Tisch, auf den er die Kisten mit den Handschuhen stellt. Was er denn für eine Grösse brauche, fragt Pfluger. Hutterli schaut auf seine Hände: «Zimli gross.» Auch diese Grösse hat Pfluger im Angebot.

Alles mit dabei: von «Übergwändli» bis zu Bürsten. (Bild: Reto Martin)

Alles mit dabei: von «Übergwändli» bis zu Bürsten. (Bild: Reto Martin)

Alle Grössen sind im Auto dabei

Seit 18 Jahren tourt Peter Pfluger mit seinem Nissan-Kastenwagen unter dem Namen «Handel und Vertrieb» durch den Thurgau. Mit Freizeit- und Berufsbekleidung sowie anderen Dingen, die auf einem Hof nützlich sind, besucht er jeden Tag Bauernhöfe. Pfluger sagt:

«Manchmal gibt es gute Tage, wo man viel verkauft, und manchmal auch schlechte.»

An diesem Freitag ist die Hälfte der besuchten Kunden nicht zu Hause. Die andere Hälfte braucht nichts oder wenn nur Kleinigkeiten. «Es gibt aber auch Kunden, die kaufen gleich ein ganzes Set an Kleidern oder rüsten gar die ganze Familie aus», sagt Pfluger. Für diesen Fall hat er alle Grössen im Auto parat.

«Aber ich weiss am Morgen nie, ob ich am Abend Geld im Sack habe.»

Vom Handel könne er leben, «aber reich werde ich davon nicht». Konkurrenz durch das Internet verspürt er nicht so. «Bei mir sehen die Kunden das Produkt und wissen um die Qualität und ob es passt», sagt Pfluger. Was er jedoch in den letzten Jahren bemerkt hat, ist der Rückgang der Bauern. 70 Prozent seiner Kunden gehören zu dieser Berufsgruppe.

Die Textilien kann man bei Pfluger auch besticken lassen. Dafür hat er im Lager in Schönenbaumgarten eigens eine Stickmaschine. Entweder nimmt er die bestellte Ware mit, wenn er auf Tour ist, oder er verschickt sie, wenn der Hof zu weit von der Route abweicht.

Tour quer durch den Thurgau

Zielsicher steuert der 51-Jährige den nächsten Hof oberhalb von Salenstein an. Ein GPS braucht er nicht.

«Alles ist in meinem Kopf gespeichert.»

Kaum auf dem Gelände angekommen, steht auch schon ein Hofhund vor dem Auto. Bellen tut der nicht, aber er wedelt neugierig mit dem Schwanz. Frau Stähli ist da. Sie benötigt Gummistiefel. «Die gleiche Marke wie immer.» – «Welche Grösse?», fragt Pfluger. Stähli zieht einen ihrer Stiefel aus und sagt: «40.»

Im Lager: Peter Pfluger schaut, was noch mit in den Bus muss. (Bild: Reto Martin)

Im Lager: Peter Pfluger schaut, was noch mit in den Bus muss. (Bild: Reto Martin)

Die Kunden kennen Pfluger und sein Sortiment. Zweimal jährlich kommt er vorbei. Einmal im Frühling und einmal im Herbst. Erst geht es den See hinab bis nach Mammern, dann quer durch den Thurgau bis ins st.-gallische Mörschwil und nach Altenrhein. Für eine ganze Tour braucht er etwa fünf Monate. «Wenn ich im Zeitplan liege, dann reicht es im Sommer sogar noch für Ferien», sagt Pfluger. Danach geht die Tour wieder von vorne los.

Keine kalten Füsse in den Stiefeln

«Die Qualität stimmt», sagt Frau Stähli. Ihr Mann pflichtet dem bei: «Mit diesen Gummistiefeln habe ich im Winter nie kalte Füsse und im Sommer schwitze ich darin nicht.» Der Hofhund beschnuppert immer noch neugierig das Auto von allen Seiten. Derweil weht eine Brise Kuhduft hinüber. Hier riecht es zwar auch nach Tierhaltung, aber der Geruch ist ein anderer als beim Hutterli-Hof im Dorf unten. «Jeder Hof hat seinen eigenen Duft», sagt Pfluger. Je nachdem, welche Tiere gehalten werden und was sie fressen. «Bei Silofutter ist der Geruch intensiver.»

Bei einem anderen Hof ist nur der Mann zu Hause. Er habe im Moment alles. «Hier wäre es besser gewesen, mit der Frau sprechen zu können», sagt Pfluger. Bei den einen Höfen hat der Mann den Überblick, bei anderen die Frau. «Einige sagen mir dann auch, wann die Ansprechperson wieder da ist. Dann schaue ich einige Tage später noch einmal vorbei.»

Heute geht die Tour bis nach Steckborn. Mittlerweile hat sich der Nebel über dem Bodensee verzogen und gibt eine traumhafte Sicht auf das Städtli und denn See frei. Nun geht es heimwärts zu. Pfluger muss noch zur Post gehen und am Nachmittag will er Büroarbeit erledigen.

«Auch muss ich die Bestände im Bus wieder auffüllen, um für den nächsten Tag gerüstet zu sein.»

Hinweis
Mehr Informationen unter: www.handelundvertrieb.ch

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