Glosse

Überall grassiert eine animalische Krankheit

Murgspritzer über ausbrechende Menschen in Frauenfeld, eingesperrte Menschen nach einer Party im Herzen des Thurgaus und den Zusammenhang mit gefährlichen Viren.

Samuel Koch
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Norovirus.

Norovirus.

Bild: Fotolia

Wir leben in einer furchtbaren Zeit, nicht wahr? Anhaltende Flüchtlingskrise, in aller Welt Trends zum Nationalismus, allgegenwärtiges Corona. Und als wäre das nicht schon Pein genug, müssen wir jetzt noch schmerzlichst erfahren, bis zur Eröffnung des Glühweinstandes am Frauenfelder Schlossberg durchzuhalten. Vom stockdichten Nebel der vergangenen vierzehn Tage mal abgesehen!

Samuel Koch.

Samuel Koch.

Bild: Reto Martin

Ob der vielen Hiobsbotschaften also kein Wunder, dass sich in Frauenfeld am vergangenen Wochenende Dutzende freiwillig in zwei Escape-Räume einsperren liessen. In diesen Zeiten darf man ja sonst nirgends mehr so richtig ausbrechen. Die schnellsten der Teilnehmer konnten die beiden Räume innert 112 Minuten verlassen. Da haben es Coronainfizierte um einiges minder. Denen hilft selbst Cleverness nichts, «Chlööpf dii wäg»-Party in Friltschen hin oder her.

Nächsten Sommer nach dem Open Air – falls es nach der diesjährigen Absage dann tatsächlich über die Bühne gehen sollte – dürfen womöglich 50'000 Personen auf einen Schlag nicht mehr aus dem Haus. Im Vergleich dazu wäre der Ausbruch des Norovirus am Open Air 2017 ein Scheiss gewesen.

Ähnliche vulgäre Sprüche klopften wohl die Frauenfelder Beizer, die ihre Toiletten bei «WC4all» der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Gäbe es da bloss keine WC-Papier-Diebe. Möglicherweise fürchteten sie die Ansteckung eines Virus. Corona kann es ja nicht sein, Dünnpfiff gehört nicht zu dessen klassischen Symptomen. Es muss noch viel gröberer sein, gefährlich und animalisch obendrein: Hamsterei.

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