TZ-Ständeratspodium: Der Countdown ist eingeläutet +++ Wie sich die einzelnen Kandidierenden geschlagen haben +++ Der Ticker zum Nachlesen

Im Theaterhaus Thurgau traten am Dienstagabend fünf Ständeratskandidaten zum Podium an. Der Abend im Rückblick und eine Analyse der Formkurve.

Christian Kamm, Larissa Flammer
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Brigitte Häberli-Koller, Kurt Egger, Ueli Fisch, Nina Schläfli und Jakob Stark mit Moderator David Angst, Chefredaktor der «Thurgauer Zeitung». (Bilder: Donato Caspari)

Brigitte Häberli-Koller, Kurt Egger, Ueli Fisch, Nina Schläfli und Jakob Stark mit Moderator David Angst, Chefredaktor der «Thurgauer Zeitung». (Bilder: Donato Caspari)

Fünf Thurgauer Ständeratskandidatinnen und Kandidaten diskutierten im Theaterhaus Thurgau über verschiedene aktuelle Punkte. Die Bisherige Brigitte Häberli (CVP), Kurt Egger (Grüne), Ueli Fisch (GLP), Nina Schläfli (SP) und Jakob Stark (SVP). Thematisierten wurden die AHV, das Rahmenabkommen, die Bodensee-Thurtal-Strasse, die Gleichstellung und das Klima. 

So präsentierten sich die Bewerber:

Brigitte Häberli: Souverän

Brigitte Häberli ist eine routinierte Wahlkämpferin. Entsprechend souverän tritt sie auf. Manchmal etwas zu souverän − mit leichtem Hang zum Gönnerhaften. Die Mitbewerber machen es ihr aber auch leicht. Niemand wagt die Ständerätin, die bei jeder Gelegenheit ihren Wissensvorsprung spielen lässt, in Frage zu stellen. Obwohl sie bisweilen formelhaft argumentiert.

Kurt Egger: Zaghaft

Kurt Eggers grösster Gegner heisst Kurt Egger. Der Grüne kommt als Ständeratskandidat nicht richtig in die Gänge. Vielleicht liegt’s am Altersunterschied, dass der 64-Jährige beim Thema Greta Thunberg so wenig Leidenschaft zeigt. Solche Steilvorlagen müssen versenkt werden. So gibt’s am 20. Oktober, nicht einmal einen Blumenstrauss zu gewinnen.

Ueli Fisch: Unentschieden

Ueli Fisch hat seinen Ruf als aussichtsreichster Aussenseiter gefestigt. Eloquent zwischen den Welten argumentierend, versucht der Unternehmer, Wirtschaft und Umwelt miteinander zu versöhnen. Allerdings ist das verbal um einiges einfacher als in der Realität. Mit konkreten Fragen konfrontiert, wird aus Fisch schnell einmal ein Meister des Unentschiedens.

Nina Schläfli: Linientreu

Nina Schläfli ist die mit Abstand Jüngste im Kandidatenfeld. Das könnte viele Chancen bieten. Tut es aber nicht, wenn man sich meist auf Parteipfaden bewegt. Die Ständeratswahl ist eine Persönlichkeitswahl. Da liesse sich mit eigenständigen Positionen punkten, die sich zwangsläufig nicht immer mit der Parteiräson decken müssen. Vielleicht doch eine Frage des Alters?

Jakob Stark: Sachkundig

Jakob Stark ist auf vielen Politikfeldern zu Hause. So viel Sachkunde muss auch die Mitbewerber beeindrucken − obwohl sie zuweilen in Detailverliebtheit endet. Starks Problem ist die SVP Schweiz. Die hat ihm mit ihrer Kündigungsinitiative ein Dilemma beschert. Ob er sein Lavieren, weil er es mit niemanden verderben will, noch drei Wochen durchhält? (Texte: Christian Kamm)

Und hier gibt es den Ticker zum Nachlesen:

20:37 Uhr

Damit beenden die Moderatoren nach den geplanten eineinhalb Stunden das Podium. Wir verabschieden uns von Ihnen. Vielen Dank für Ihr Interesse! Alles Wissenswerte zu den Wahlen finden Sie weiterhin auf www.thurgauerzeitung.ch oder in der gedruckten Ausgabe.

20:26 Uhr

Eine Frage kommt noch aus dem Publikum: Jakob Stark hatte gesagt, dass der Staat nicht zu viel Geld ausgeben soll. Jetzt erhalte er nach seiner Zeit als Regierungsrat weiter 50 Prozent des Lohns. Ein Besucher will wissen, ob er das gerecht finde. «Wenn ihr den Leuten in den öffentlichen Ämtern das Geld nicht gönnt, ist das am falschen Ort», sagt Jakob Stark. Wie solle man sonst junge Leute für diese Ämter gewinnen. Für diese Aussage gibt es Applaus. 

20:22 Uhr

Nina Schläfli und Ueli Fisch sprechen sich dafür aus, dass der Kanton Thurgau die Lohn-Charta unterschreibt. Jakob Stark hatte sich zuvor gegen die sogenannte «Symbol-Politik» ausgesprochen. 

20:20 Uhr

Auch Kurt Egger ist Unternehmer. Firmen müssten deutliche Schritte in Richtung Gleichstellung machen. Sonst müsste man politisch Gast geben. 

20:19 Uhr

Ueli Fisch ist für eine Elternzeit. Er erzählt aber auch von seiner Erfahrung in seinem Unternehmen. Es sei schon nicht einfach, Mitarbeiterinnen während ihres Mutterschaftsurlaubs zu ersetzen. Er will sich in Bern deshalb für Gleichstellung einsetzen, aber auch die Sicht aus der Wirtschaft mitbringen. 

20:17 Uhr

Nina Schläfli spricht die Care-Arbeit an, die vor allem von Frauen geleistet werde. Dafür müsse es unbedingt Lösungen geben, genauso für die immer noch bestehende Lohnungleichheit. 

20:13 Uhr

Brigitte Häberli spricht sich in Zusammenhang mit der Gleichstellung für bezahlbare Krippenplätze aus, damit mehr Frauen arbeiten können. Das sei aber auch Sache der Kantone und der Gemeinden, dies bereitzustellen. 

20:11 Uhr

Kurt Egger und Nina Schläfli sind für eine Frauenquote in Verwaltungsräten. Diese beiden Kandidaten und auch Ueli Fisch sind zudem dafür, dass es mehr als zwei Wochen Vaterschaftsurlaub braucht. 

20:04 Uhr

Nina Schläfli fände es besser, wenn der Thurgau im Kanton selber gute Lösungen für den Verkehr finden würde. Seit der Volksabstimmung habe sich vieles verändert. Neben den Kosten auch die Streckenführung. 

20:03 Uhr

Ab dem neuen Jahr sei es Sache des Astra, die Strasse zu realisieren, sagt Brigitte Häberli. Die Zeichen seien positiv, dass sie in den nächsten Ausbauschritt aufgenommen wird. Die CVP-Ständerätin spricht zur Notwendigkeit die Sicherheit in den Dörfern an. Auch für die Wirtschaftlichkeit sei es wichtig, dass man zügig durch den Kanton fahren könne. Für ihr Votum erhält sie spontanen Applaus. 

20:00 Uhr

Brigitte Häberli, Ueli Fisch und Jakob Stark sind dafür, dass die Schweiz neue Kampfflugzeuge beschafft. Nina Schläfli und Kurt Egger sind dagegen. 

Das gleiche Ja/Nein-Verhältnis ergibt sich bei der Frage, ob die Bodensee-Thurtal-Strasse gebaut werden soll. Ueli Fisch hebt seine Hand allerdings nur halbhoch. Er hatte schon früher gesagt, dass er gegen die Strasse ist, aber den Volkswillen durchsetzen will. 

19:57 Uhr

Noch eine klimaverwandte Ja/Nein-Frage: Nur Kurt Egger ist dafür, dass man versucht die Leute dazu zu bringen, ihren Fleischkonsum deutlich zu senken.

19:54 Uhr

1,9 Prozent umweltbewusst habe Brigitte Häberli im Ständerat abgestimmt, sagt Ueli Fisch. Da sei viel Potenzial vorhanden. Roland Eberle habe sogar 0 Prozent umweltbewusst abgestimmt. 

19:52 Uhr

«Ich finde Greta schon gut, aber wir dürfen sie nicht als Messias einsetzen», sagt Jakob Stark. Es könne aber nicht alles sofort umgesetzt werden. Man müsse die Leute ins Boot holen. Die Schweiz könne schon voran gehen, das Ausland müsse aber auch mitziehen.  

19:49 Uhr

Jeder Sozialdemokrat und jede Sozialdemokratin ist auch grün, betont Nina Schläfli. 

19:48 Uhr

«Ökonomie und Ökologie ist kein Widerspruch», sagt Ueli Fisch. Ökologie sei sogar eine riesige Chance für die Ökonomie. 

19:44 Uhr

Mario Testa bringt Bewegung in die Runde: Bei Ja/Nein-Fragen müssen die Kandidaten die Hände heben. 

Nina Schläfli und zögerlich auch Kurt Egger wollen, dass die Schweiz irgendwann mal zur EU gehört. Die Rede von Greta Thunberg am UN-Gipfel hat nur Kurt Egger zumindest zum Teil gehört. 

19:41 Uhr

«Wir haben in der Schweiz doch auch anderes zu tun, als nur über die EU zu reden.» Jakob Stark ist der Meinung, dass ein Rahmenabkommen abgeschlossen werden muss, das nicht in zwei Jahren schon wieder nachverhandelt werden muss.

19:38 Uhr

«Der Bundesrat muss der EU erklären, dass in der Schweiz gewisse Besonderheiten gelten», sagt Brigitte Häberli. Nämlich dass das Schweizer Volk in der direkten Demokratie selber entscheiden kann. Unter anderen deshalb müsse das Rahmenabkommen noch in mehreren Punkten nachverhandelt werden. 

19:34 Uhr

Nina Schläfli ist für das Rahmenabkommen mit der EU. Für die SP ist aber das Problem mit dem Lohnschutz zentral. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort sei wichtig. Gerade für den Thurgau als Grenzkanton, wo Lohn-Dumping doch ein Problem sei. 

19:33 Uhr

Wenn die Schweiz die Einwanderung selber steuern können, dann wäre das super, sagt Jakob Stark. Zur Initiative sagt er: «Das Herz sagt Ja, der Verstand sagt Nein.»

19:30 Uhr

Die Initiative kommt im Mai vors Volk, weiss Brigitte Häberli. Sie ist eine Gegnerin des Vorhabens. Sie will, dass die Schweiz weiter Handel treiben kann mit der EU, dass die Studenten im Ausland studieren können, dass Wissenschafter an internationalen Projekten mitforschen können. 

19:28 Uhr

«En fertige Seich», nennt Kurt Egger die SVP-Initiative. Man spiele mit dem Feuer, nicht zuletzt werde der Wohlstand der Schweiz aufs Spiel gesetzt. Nina Schläfli nennt das Vorhaben «brandgefährlich». Die Schweiz sei keine Insel. Viele würden sich für eine konstruktive Politik bemühen, und dann komme die SVP mit einer solchen Initiative. Ueli Fisch spricht den Export an, der mit der Begrenzungsinitiative sehr gefährdet sei. 

19:25 Uhr

David Angst bringt die Sprache auf die Europapolitik. Dabei geht es um das Rahmenabkommen und um die Begrenzungsinitiative der SVP.

19:22 Uhr

Die Diskussion dreht sich noch immer um die Altersvorsorge. Der Thurgauer Finanzdirektor Jakob Stark kann da seine Erfahrung ausspielen. Auch Ueli Fisch kann aus seiner Sicht als Unternehmer sprechen. 

19:18 Uhr

Beim Thema Rentenalter muss sich für Jakob Stark möglichst sofort etwas tun. «Sonst können wir es nicht mehr bezahlen.»

Seine links-grünen Mitkandidaten beharren dagegen darauf, dass zuerst die Lohngleichheit erreicht sein muss, bevor die Rentenalter von Männern und Frauen angeglichen werden. 

19:09 Uhr

Nina Schläfli (SP) wird aufgefordert zu erklären, warum sie Chancen auf eine Wahl hat. Politische Erfahrung habe sie gleich viel wie einige Mitkandidaten. Ausserdem müsse der Ständerat im Durchschnitt jünger und weiblicher werden.

Kurt Egger will den ökologischen und sozialen Thurgau in Bern vertreten.

Ueli Fisch sieht auf eine andere Art auf die Politik wie andere Unternehmer. «Keine Wahl ohne Auswahl» ist sein Motto. Für sein Unternehmen müsste er eine Lösung finden, würde er in den Ständerat gewählt. Sein Gehalt aus Bern müsste er in sein Unternehmen investieren, um seine Abwesenheit auszugleichen. 

Jakob Stark will mit seiner langjährigen Erfahrung als Regierungsrat punkten. «Die Thurgauer Bevölkerung weiss, wofür ich stehe.»

Brigitte Häberli spricht die Herausforderungen an, die in der nächsten Legislatur warten: die Sozialwerke, das CO2-Gesetz, die Bildungsbotschaft, bei der es um Millionen für Bildungsinstitutionen geht. 

19:02 Uhr

Brigitte Häberli kommt direkt aus der Ständeratssitzung in Bern. Für uns hat sie die Fraktions-Sitzung abgesagt. Ihren Mitkandidatinnen und Mitkandidaten bringt sie einen Vorgeschmack auf Bern in Form eines Geschenkes mit: Berner Lebkuchen. 

19:00 Uhr

Es geht los, die Kandidaten sind bereit. TZ-Redaktor Mario Testa stellt die Anwesenden vor. 

18:51 Uhr

Sie wissen schon, wen Sie wählen? Dann sagen Sie es uns und machen Sie mit bei unserer Umfrage zu den Wahlen:

18:41 Uhr

Die Kandidierenden auf dem Podium:

Diese Kandidatinnen und Kandidaten stellen sich heute den Fragen von David Angst (Chefredaktor Thurgauer Zeitung) und Mario Testa (Redaktor Thurgauer Zeitung):

Brigitte Häberli wurde 2003 in den Nationalrat gewählt, 2011 gelang ihr der Sprung in den Ständerat. Die CVP-Politikerin aus Bichelsee ist 61-jährig. Als Mitglied mehrere einflussreicher Kommissionen (Finanzen, Bildung, Gesundheit) sitzt sie an den entscheidenden Hebeln in Bern.  

Auch Jakob Stark ist 61-jährig. Der SVP-Politiker aus Buhwil war von 1988 bis 1995 Ortsvorsteher von Buhwil, von 1996 bis 2006 Gemeindeammann in Kradolf-Schönenberg und Kantonsrat, seither sitzt er im Regierungsrat, wo er zurzeit das Finanzdepartement führt. 

Unternehmer Ueli Fisch wohnt in Ottoberg. Der 56-Jährige ist seit 2012 für die GLP im Grossen Rat und präsidiert derzeit die Fraktion der GLP/BDP. 2016 kandidierte Fisch als Regierungsrat und erreichte das absolute Mehr. Als Überzähliger schied er jedoch aus. 

Mit Abstand die jüngste Kandidatin ist Nina Schläfli. Trotzdem ist die 29-Jährige bereits Präsidentin der SP Thurgau. Seit 2016 politisiert die Kreuzlingerin im Grossen Rat, davor gehörte sie sechs Jahr dem Stadtparlament von Kreuzlingen an. Die Historikerin schreibt neben ihrer Arbeit als wissenschaftliche Assistentin an der Universität Bern an ihrer Dissertation. 

Auch Kurt Egger präsidiert eine Partei. Seit 2015 hat er den Vorsitz der Grünen Thurgau inne, seit 2012 sitzt er für die Partei im Grossen Rat. Der 63-Jährige aus Eschlikon ist Ingenieur, Energiefachmann und Unternehmer. 

18:38 Uhr

Zur Ausgangslage im Thurgau

Neben den fünf Kandidatinnen und Kandidaten, die von ihren Parteien ins Rennen geschickt werden, kandidiert auch Gabi Coray. Die 54-jährige Parteilose aus Mauren bezeichnet sich selber als Unternehmerin, «politische Künstlerin» und Bäuerin. Schon mehrfach kandidierte sie für politische Ämter – und scheiterte jedes Mal deutlich. 

18:32 Uhr

Den zweiten Thurgauer Ständeratssitz besetzt Brigitte Häberli. Die CVP-Politikerin will diesen auch verteidigen, was ihr wohl niemand streitig machen kann. Häberli ist die einzige Frau im Ständerat, die bei den nationalen Wahlen vom 20.Oktober erneut kandidiert. 

18:31 Uhr

Ganz so einfach dürfte es Jakob Stark nicht fallen, den SVP-Ständeratssitz zu halten. Ueli Fisch (GLP), Nina Schläfli (SP) und Kurt Egger (Grüne) wollen ihn zu einem zweiten Wahlgang zwingen. 

18:26 Uhr
SVP-Ständerat Roland Eberle. (Anthony Anex/KEY)

SVP-Ständerat Roland Eberle. (Anthony Anex/KEY)

Als SVP-Ständerat Roland Eberle vor einem Jahr seinen Rücktritt bekannt gab, richteten sich alle Augen auf Peter Spuhler. Dem alt Nationalrat und erfolgreichen Unternehmer wären im Thurgau wohl alle Türen offen gestanden – aber er wollte nicht. Zwei andere bekannte Persönlichkeiten sprangen in die Lücke. Neben Regierungsrat Jakob Stark wollte auch Nationalrat Markus Hausammann zur Wahl antreten. Die Delegierten der SVP Thurgau entschieden sich gegen den Präsidenten des Verbands Thurgauer Landwirtschaft und nominierten Stark als Kandidaten.

18:22 Uhr

Noch hat es einige Gratis-Bratwürste. Ein Grund mehr für einen Besuch. 

18:12 Uhr

Guten Abend und herzlich willkommen zum Live-Ticker über das TZ-Ständeratspodium. Türöffnung im Theaterhaus Thurgau war vor wenigen Minuten, die Diskussion beginnt um 19 Uhr. Larissa Flammer hält Sie hier auf dem Laufenden, auch wenn Sie nicht nach Weinfelden kommen können.