Glosse

Trump kurbelt Frauenfelder Tourismus an

Murgspritzer über einen einzigartigen Kreisel, der mittlerweile gar kein Unikat mehr ist. Trotzdem nehmen sich noch viele ein Beispiel an der Frauenfelder Verkehrsführung. Nicht aber US-Präsident Donald Trump. Schade eigentlich. 

Samuel Koch
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Die mittlerweile mit Infrarot-Signalen ausgestattete Deppenfalle in Frauenfeld. Bei der Unterführung am Bahnhof bleibt wegen der nicht berücksichtigten Mindesthöhe immer mal wieder ein Fahrzeug stecken.

Die mittlerweile mit Infrarot-Signalen ausgestattete Deppenfalle in Frauenfeld. Bei der Unterführung am Bahnhof bleibt wegen der nicht berücksichtigten Mindesthöhe immer mal wieder ein Fahrzeug stecken.

(Bild: Andrea Stalder)

Von wo aus sind sie nicht schon überall nach Frauenfeld gereist? Vielerorts haben studierte Ingenieure minutiös Pläne aus Frauenfeld studiert und sich ein Beispiel am hiesigen Modell genommen. Lange Zeit galt er gar als der einzige in Europa – der 1999 eröffnete Kreisel unterm Bahnhofsplatz.

Samuel Koch, Redaktor Thurgauer Zeitung.

Samuel Koch, Redaktor Thurgauer Zeitung.

(Bild: Reto Martin)

Unvorstellbar das Chaos und der Aufschrei mit wüsten Beschimpfungen über Soziale Medien, die sich ohne die verkehrstechnische Errungenschaft täglich abspielen würde. Man denke nur an die leidige Blackfacing-Causa nach der Bechtelisnacht. Den motorisierten Individualverkehr vom öffentlichen und vom Langsamverkehr zu entflechten und unter dem Boden abzuwickeln, lautet also Frauenfelds Geheimnis. Damit beschäftigt sich derzeit laut Medienberichten auch der Grosse Rat der Stadt Basel wegen des Aeschenplatzes. Und Bern hat mit seinem noch grösseren, unterirdischen Kreisel beim Wankdorf das Frauenfelder Kreiseli längst abgetrocknet.

In den USA hingegen haben sie vom Frauenfelder Modell bisher nichts mitbekommen. Sonst hätte sich US-Präsident Donald Trump bei seiner Rückkehr vom WEF via Ausfahrt Matzingen, Lüdem, St.Gallerstrasse, Rathausplatz und Rheinstrasse gewiss noch durch den unterirdischen Kreisel chauffieren lassen. Mit den SUVs wäre der Konvoi sicher an der Deppenfalle gescheitert. Der vife Baulichtreporter Beat Kälin hätte mit seiner Kamera voll draufgehalten, der US-Sender CNN berichtet. Die Welt hätte sich amüsiert. Und im Nu stünde Frauenfeld als Ausflugsziel auf mancher Wunschliste, nicht nur bei Ingenieuren.