Interview

Trump im Thurgau: 3,8 Millionen Klicks, 11'000 Likes und Anfragen von US-Medien – wie der Thurgauer Blaulicht-Reporter Beat Kälin den Hype um sein Video erlebte

Millionen Menschen haben Beat Kälins Video des vorbeifahrenden Konvoi mit dem US-Präsidenten Donald Trump gesehen. Der Blaulicht-Reporter im Interview.

Samuel Koch
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Gut gesichert mit Hilfe von Ostschweizer Polizisten: der amerikanische Präsidentenkonvoi auf dem Weg nach Zürich.

Gut gesichert mit Hilfe von Ostschweizer Polizisten: der amerikanische Präsidentenkonvoi auf dem Weg nach Zürich.

(Bild: BRK News)

Beat Kälin, haben Sie vergangene Woche das Video Ihres Lebens gedreht?

Beat Kälin: Allem Anschein nach, ja.

Über 3,8 Millionen Menschen weltweit haben das Video vom Konvoi des US-Präsidenten Donald Trump bisher gesehen.

Beat Kälin, Blaulichtreporter aus Pfyn.

Beat Kälin, Blaulichtreporter aus Pfyn.

(Bild: Samuel Koch)

Unglaublich. Ich war selber überrascht, wie das Video in den sozialen Medien eingeschlagen hat. Die Reichweite stellt alles Bisherige in den Schatten.

Der Rekord dürfte nur eine Frage der Zeit sein.

Mein Film vom Talbachkreisel von 2016, als wegen Glatteises Dutzende Autos verunfallt sind, hat bis heute 4,1 Millionen Menschen erreicht. Das Trump-Video hingegen haben Millionen Menschen weltweit innert einer Woche angesehen. Dank über 11'000 Likes, fast 9000 Kommentaren und durch knapp 6000 geteilte Posts ist das Video viral durch die Decke gegangen.

Warum? Sieht man doch auf dem Video bloss einen Konvoi vorbeifahrender, schwarzer Limousinen...

Klar. Aber die Mischung macht es aus. Ein frecher Präsident, der in einer Zeit des Klimawandels eine Autobahn sperren lässt und sich mit SUVs ohne Autobahnvignetten zum Flughafen eskortieren lässt, birgt viel explosiven Zündstoff.

Wie kam es dazu, dass Sie den Konvoi aus dieser Position filmen konnten? Die Brücken waren doch alle von der Polizei abgeriegelt.

Als ich von meinen Quellen erfahren habe, dass Trump nicht wie Bill Clinton damals über die A3 via Walen- und Zürichsee zum Flughafen fährt, habe ich bei der Polizei angerufen.

Die Kantonspolizei Thurgau zeigte sich überrascht, dass ich schon vor der Abfahrt Trumps in Davos über die Route Bescheid wusste und bestellte mich ins Kommando nach Frauenfeld.

Zusammen sind wir dann nach Wängi gefahren, um den Konvoi auf beiden Seiten zu filmen.

Wie war Ihre Gefühlslage, als sich der Konvoi näherte?

Überhaupt nicht erwähnenswert. Im Gegenteil: Ich war enttäuscht und habe viel mehr erwartet, mit mehr Action, mit mehr Blaulicht oder einem Helikopter.

Trotzdem erhielten Sie Medienanfragen, sogar aus den USA.

Ja, Fox News und CNN haben mein Video ausgestrahlt. Viele Schweizer Medien haben das Video dank eines Pauschalvertrages ebenso publiziert.

Das heisst, dass Sie jetzt reich sind?

Nein. Die amerikanischen Sender haben marktübliche Honorare bezahlt.

Und was ist mit den Klicks auf Facebook und Youtube?

Dort verdient jemand nur Geld, wenn er ein Video monetarisiert, also Werbung dazu schaltet.

Mich ärgert es aber gewaltig, wenn ich vor einem Video Werbung wegklicken muss. Deshalb habe ich darauf verzichtet.

Ich bleibe bei dieser Strategie, obwohl ich es beim Trump-Video zwischenzeitlich bereut habe.

Haben Sie sonst Rückmeldungen erhalten?

Ja, ungeheuer viele. Teilweise folgten jede Minute Tausende Likes, sodass der Akku meines Smartphones kurzerhand zum Erliegen gekommen ist.

Hand aufs Herz. Gibt es ein Video mit mehr Zündstoff als jenes von Trump?

Schwierig zu sagen. Ich habe schon noch einige Ideen im Kopf. Wichtig sind Videos, die bei allen Emotionen auslösen. Spontan denke ich da an Feuerwehrleute, welche bei Bränden den Verkehr regeln müssen. Zu hören und zu sehen, was sich diese Kollegen alles anhören müssen, könnte ähnlich explosiven Zündstoff bergen.

Sauglattismus am Talbachkreisel

FRAUENFELD. Wasser hat die Eigenschaft, dass es gelegentlich zu Eis gefriert. So geschehen in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag. Ja, es ist Winter in der Stadt. In Zeiten mit bald ganzjährigem T-Shirt-Wetter ein Ereignis, ein Medienereignis.
Stefan Hilzinger