Glosse

Aadorf will nicht Oberwil-Lieli sein

Südsicht auf Schweizer, Eidgenossen und trümmlige Einbürgerungen. 

Olaf Kühne
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Olaf Kühne

Olaf Kühne

(Bild: Peter Pfistner)

Gegen bizarre Befriedigungen ist per se nichts einzuwenden. Wer von euch ohne Sünde ist, sagt man da am gescheitesten und drückt beide Augen zu. Manchmal wird’s aber auch dem Abgebrühtesten zu grusig.

Dass wir überhaupt eine bizarre Befriedigung daraus beziehen, in einer Turnhalle über fremde Menschen zu urteilen und ihnen bestenfalls das Prädikat «Schweizer», aber ums Verrecken nicht den Titel «Eidgenosse» zu verleihen, ist eigentlich schon trümmlig genug.

Wie man aber darüber diskutieren kann, ob jemand, der hier geboren ist, auch inte­griert (in was eigentlich?) ist, entzieht sich jeglicher Logik – und leider auch jeglichen Anstandes. Der Aadorfer Gemeinderat hat’s trotzdem getan.

Bevor wir uns nun aber kollektiv über die Behörde der grössten Hinterthurgauer Gemeinde empören: Das Gremium hatte wenigstens den Anstand – oder war’s das schlechte Gewissen? –, die nicht genehme Einbürgerungskandidatin trotzdem an die Gemeindeversammlung einzuladen und die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger darüber entscheiden zu lassen.

Irgendwas zwischen gelebter Basisdemokratie und absurdem Chasperlitheater war die Folge. Immerhin aber mit Happy End. Schliesslich haben sich die Aadorfer «Am Puls der Schweiz» auf die Fahne geschrieben. Und das tönt definitiv besser als «Das Oberwil-Lieli der Ostschweiz».