Trotz WC-Papier-Diebstahl stehen die Frauenfelder Beizer auf «WC4all»

Öffentliche Nutzung von Restauranttoiletten: Sowohl die Stadt als auch die sieben beteiligten Gastronomen sind nach dem ersten Pilotjahr zufrieden. Mit eben so vielen Betreibern geht es nun in den Regelbetrieb.

Mathias Frei
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Das blau-weisse Logo.

Das blau-weisse Logo.

(Bild: Andrea Stalder)

Das blau-weisse Logo mit der WC-Papierrolle bleibt. Passanten können weiterhin bei sieben Gastronomiebetrieben in der Innenstadt ohne Konsumationszwang das stille Örtchen benutzen. Das nennt sich in Frauenfeld «WC4all» und bedeutet, dass Beizer ihre Toiletten für die öffentliche Nutzung freigeben. Dafür erhalten sie von der Stadt eine Entschädigung.

Und das hat sich offenbar bewährt, wie Sabina Ruff, Bereichsleiterin Sozialraum beim Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung (AKW), feststellt.

«Das Angebot stellt eine Win-win-win-Situation dar: für die WC-Nutzer, die Gastronomen und nicht zuletzt auch für die Stadt.»

So interpretiert sie die Evaluation mit den aktuell sieben beteiligten Restaurationsbetrieben.

Vom einjährigen Pilot- in den Regelbetrieb

Sabina Ruff, Bereichsleiterin Sozialraum, Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung.

Sabina Ruff, Bereichsleiterin Sozialraum, Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung.

(Bild: PD)

Im Juli vor einem Jahr hatten der Werkhof und das damalige Amt für Stadtentwicklung und Standortförderung (heute AKW) WC4all als Pilotbetrieb angestossen. Teilnehmende Betriebe waren damals die Café-Confiserie Hirt, das Bistro zur Alten Kaplanei, das Bistro La Trouvaille, der Gasthof zum Falken, das Brauhaus Sternen, das «redOx» und das «Cittadella». Letzterer Betrieb ist seit diesem Frühling geschlossen. Dafür ist das Be-You-Café am Lindenpark dazugekommen. Die WC-Nutzung schätzen die Gastronomen zwischen mittelmässig bis wenig ein. Im Schnitt waren es pro Monat 19 WC-Besucher ohne Konsumation. Die dadurch gewonnenen Gäste liegen bei sieben pro Monat. Drei Betriebe sind der Meinung, dass sich durch das Projekt neue Gäste gewinnen lassen.

Fünf Gastronomen finden den Unkostenbeitrag der Stadt von 500 Franken jährlich gerade richtig. Ein Betrieb wäre mit weniger zufrieden, ein anderer fände aufgrund der starken Beanspruchung einen höheren Betrag gerechtfertigt. Aber am wichtigsten ist für Ruff:

«Alle sieben Betriebe wollen am Regelbetrieb teilnehmen.»

Zudem halte man an den 500 Franken pro Jahr fest. Weitere Rückmeldungen, die Ruff erhalten hat, betreffen das Bedürfnis nach einem rollstuhlgängigen WC in der Innenstadt oder den Umstand, dass in der Altstadt vor allem während Veranstaltungen auch mal WC-Papier oder Handtücher gestohlen würden. Falls sich in der Innenstadt noch ein oder zwei Betriebe mehr meldeten, nehme man diese gerne auch in den WC4all-Regelbetrieb auf, sagt Ruff.

Am Anfang des Projekts stand der Bedarf nach öffentlichen Toiletten in der Innenstadt. WC4all hat für die Stadt denn auch grosse finanzielle Vorteile, kostet doch eine öffentliche WC-Anlage in einem Metallcontainer schnell einmal 100'000 Franken in der Anschaffung.