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Trotz Überwachung Kinderpornos heruntergeladen: Thurgauer Obergericht bestätigt Urteil gegen rückfälligen Sexualstraftäter

Ein 75-Jähriger Pädophiler wird in Frauenfeld wegen harter Pornografie mit 80 Tagessätzen bestraft. Wichtiger ist, was ein Aargauer Bezirksgericht entscheiden wird: Es geht um die erneute Verwahrung des rückfällig gewordenen langjährigen Häftlings.
Thomas Wunderlin
Der rückfällige Sexualstraftäter sitzt zur Zeit in der Strafanstalt Lenzburg ein. (Keystone/Walter Bieri)

Der rückfällige Sexualstraftäter sitzt zur Zeit in der Strafanstalt Lenzburg ein. (Keystone/Walter Bieri)

In einem kürzlich veröffentlichten Urteil bestrafte das Thurgauer Obergericht einen 75-jährigen langjährig verwahrten Sexualstraftäter mit 80 Tagessätzen à 30 Franken. Mit einem Laptop seines Zimmernachbars hatte der gross gewachsene weisshaarige Mann in einem Wohnheim im Bezirk Frauenfeld ab Silvester 2015 mindestens 37 pornografische Bilder offensichtlich unter 16 Jahre alter Kinder aus dem Internet heruntergeladen. Später lieh er sich ein anderes, leistungsfähigeres Gerät. Gegen Ende Februar 2018 hörte er damit auf. Als ein Mitarbeiter des Wohnheims wegen der beiden Laptops im Juni 2016 misstrauisch wurde, kam die Polizei dem Konsumenten harter Pornografie auf die Spur. Er wurde umgehend in die Strafanstalt Lenzburg verfrachtet. Am 30. November 2017 verurteilte ihn das Bezirksgericht Frauenfeld in erster Instanz.

Eine AHV-Rente bessert seinen Häftlingslohn auf

Der Pflichtverteidiger hatte eine Reduktion des Tagessatzes auf 10 Franken verlangt mit der Begründung, sein Mandant verdiene in Lenzburg nur 18.90 Franken und der Tagessatz dürfe nicht höher als der Tagesverdienst sein. Laut Obergericht verdient der Häftling 51.65 Franken pro Tag, wenn man seine AHV-Rente von 996 Franken pro Monat einrechnet. Wichtiger als der Tagessatz ist jedoch der bestätigte Schuldspruch.

Das Bezirksgericht Brugg wird ihn voraussichtlich berücksichtigen, wenn es auf Antrag des Aargauer Amts für Justizvollzug über seine Rückversetzung in die Verwahrung entscheidet. Das Bezirksgericht vertagte Anfang September eine Verhandlung zu dieser Frage, um ein ergänzendes psychiatrisches Gutachten einzuholen, wie die «Schweiz am Wochenende» meldete.

Erste Verurteilung im Alter von 32 Jahren

Gemäss dem Zeitungsbericht wurde der Schweizer mit Bürgerrecht im St. Galler Oberland schon 1975 in Berlin wegen Missbrauchs von Kindern in vier Fällen verurteilt; damals war er 32 Jahre alt. Im Jahr darauf verurteilte ihn das Bezirksgericht Rorschach wegen wiederholter Unzucht mit Kindern. Weitere Strafprozesse wegen Sexualdelikten folgten 1977, 1982, 1986 und 1990. Das Zürcher Obergericht verurteilte den Mann 1994 zu sechs Jahren Zuchthaus und drohte ihm die Verwahrung an. Bereits im Juni 1995 kam er wieder provisorisch auf freien Fuss. «Keine zwei Monate später verführte er wieder Buben», heisst es in einem «Blick»-Artikel vom 4. September 1997. Seine Opfer habe er in Schwimmbädern, auf Sportplätzen und an der Chilbi gefunden. Auch habe er den Buben Pornofilme gezeigt, um sie anschliessend zu missbrauchen. Dafür habe er ihnen Videospiele und Geld geschenkt.

Das psychiatrische Gutachten sprach von einer sehr hohen Rückfallgefahr. Als das Bezirksgericht Brugg den mehrfach rückfälligen Straftäter 1997 zu sechs Jahren Gefängnis verurteilte, ordnete es die Verwahrung auf unbestimmte Zeit an.

Über zwanzig Jahre lang verwahrt

2008 entliess ihn das Bezirksgericht Brugg wieder aus der Verwahrung und verfügte eine stationäre Massnahme. Das Aargauer Obergericht bestätigte den Entscheid im folgenden Jahr. 2014 verlängerte das Bezirksgericht die stationäre Massnahme um weitere vier Jahre. Nachdem er offenbar zunächst fünf Jahre in dem Massnahmenzentrum Bitzi im st. gallischen Mosnang verbracht hatte, kam er im September 2015 in das Wohnheim im Bezirk Frauenfeld. Hier sollte er dank der persönlichen Betreuung und Überwachung in der Lage sein, seine Neigung im Zaum zu halten. Dazu sollte die straff strukturierte Wohnsituation mit konsequenter Tagesstrukturierung beitragen. Auch ein Alarmsystem, das sein Ausbleiben meldete, sollte das Restrisiko ausschalten. Doch im Wohnheim bekam er zum ersten Mal in seinem Leben einen Computer in die Hände und nutzte ihn für seine Zwecke.

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