Trotz Kritik ist die Gemeinde Wagenhausen voll auf Kurs

Die Stimmbürger genehmigten den Kredit von 3,5 Millionen für den Neubau Wohn- und Gewerbehaus «Schööfferwis» in Kaltenbach trotz Widerstand klar. Damit ist der Zuzug der Ärzte am Rhein aus Eschenz zementiert. Ein klares Ja gab es auch zum Budget.

Margrith Pfister-Kübler
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Eine Luftaufnahme des Camping Wagenhausen. (Bild: PD)

Eine Luftaufnahme des Camping Wagenhausen. (Bild: PD)

Mit einem Grossaufmarsch an Stimmbürgern hatte die Gemeindebehörde am Freitagabend gerechnet. Flugblätter und Leserbriefe zum Neubau Wohn- und Gewerbehaus «Schööfferwis» bildeten die Vorboten. 247 von 1074 Stimmbürgern erschienen. «So viele wie noch nie in den letzten 20 Jahren», strahlte Gemeindepräsident Harry Müller.

Und schon ging es zur Sache: Eine Votantin meinte zum Start des Traktandums «Schööfferwis», dass Gemeindepräsident Müller wegen Befangenheit (Architekturbüro Müller) in den Ausstand müsse. Ihr Wunsch blieb ohne Chance. Im Fokus stand dann ein Flugblatt, unterzeichnet von Pierre Kohler und René Gisler, in welchem für ein Nein aufgerufen wurde. Auch ein Plan B wurde vorgelegt.

Mehrfach kritisiert wurden die finanzielle Situation und der Leerwohnungsbestand. Wörtlich:

«Die Gemeinde soll nicht mit Immobilien und Landkäufen die Liquidität belasten und unternehmerische Risiken eingehen.»

Gemeindepräsident Müller entgegnete: «Der Gemeinderat möchte mit diesem zukunftsgerichteten Projekt die Attraktivität der Gemeinde stärken und langfristig die ärztliche Grundversorgung sicherstellen.» Nach der Abwanderung von Post, Raiffeisenbank, Grundbuchamt und Landi werden mit der Ansiedlung der Praxis Ärzte am Rhein AG rund 15 Arbeitsplätze und zusätzliche Steuereinnahmen generiert.

Auch die fünf Alterswohnungen über der Praxis entsprechen dem Alterskonzept. Die Ärzte Evelyne Sulger Büel und Michael Lang zeigten die Beweggründe der Ärzte am Rhein zum Standortwechsel auf. Die Praxis brauche dringend eine Infrastruktur, welche die Erweiterung des Teams zulässt.

Angst vor Verschuldung

Trotzdem sei der Kredit von 3,5 Millionen abzulehnen, um eine Verschuldung zu vermeiden, sagten Stimmbürger. In Frage gestellt wurde der Bedarf an Alterswohnungen, dazu ohne Garagen. Gemeinderätin Karin Vetterli entgegnete:

«Unser Alterskonzept hat den Bedarf ausgewiesen.»
Harry Müller, Gemeindepräsident von Wagenhausen. (Bild: Reto Martin)

Harry Müller, Gemeindepräsident von Wagenhausen. (Bild: Reto Martin)

Kein Verständnis für die diversen Ablehnungsargumente hatten zwei jüngere Votantinnen. Sie riefen zur Zustimmung auf mit der Begründung, man müsse auch an die junge Generation in diesen vier Dörfern denken. Gemurmel liess spüren, dass es langsam Zeit sei, die lebhaften Wortmeldungen zu beenden. Der Antrag Pierre Kohler zur geheimen Abstimmung fand eine Mehrheit. Mit 151 Ja zu 91 Nein wurde dem Kredit für den Neubau Wohn- und Gewerbehaus «Schööfferwis» in Kaltenbach schliesslich zugestimmt.

Ja für Sanierung der Hauptstrasse

Detailliert wurde die Sanierung der Hauptstrasse Wagenhausen für 2,06 Millionen ausgebreitet. Das kantonale Tiefbauamt beabsichtigt, den Belag der Hauptstrasse in Wagenhausen, Abschnitt Gemeindegrenze zu Stein am Rhein bis Ortsausgang in zwei Etappen zu sanieren. Fast einstimmig wurde der Kredit bewilligt. Am Ende der über dreistündigen Versammlung sagte Gemeindepräsident Müller: «Es ist manchmal kein Schleck, aber es macht doch Spass.» Und ergänzte: «Es gibt nur ein Wagenhausen, es lohnt sich aber, sich dafür einzusetzen.»

Verlust wird Eigenkapital belastet

Ohne grössere Debatten ging das Budget 2019 über die Bühne. Die Erfolgsrechnung schliesst mit einem Verlust von rund 293'000 Franken ab, dies bei einem Aufwand von 5,882 Millionen. Der Rückschlag wird dem Eigenkapital belastet. Finanzchefreferent Roland Tuchschmid wies auf die Abschreibungen und die hohe Investitionstätigkeit hin. Der Streichungsantrag von Magdalena Rinderer über 5000 Franken Planungskredit in der Investitionsrechnung für den Bootshafen wurde abgelehnt. Sie befürchtete, eine Verteuerung der Liegeplätze. Mit grossem Mehr wurde das Budget 2019, die Investitionsrechnung und die Beibehaltung des bisherigen Steuerfusses von 56 Prozent bewilligt. (kü)

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