Trotz Konkurs nach E-Grand-Prix in Bern: Neue Frauenfelder Firma will Formel-E-Serie in der Schweiz halten

Die Frauenfelder Auffanggesellschaft der konkursiten Formel-E-Betreiberin möchte 2022 in der Schweiz wieder Formel-E-Rennen durchführen.

Stefan Hilzinger
Drucken
Teilen
Formel-E Rennwagen mit Sebastien Buemi am Steuer auf der Zuercher Bahnhofsbrücke am Freitag, 20. April 2018.

Formel-E Rennwagen mit Sebastien Buemi am Steuer auf der Zuercher Bahnhofsbrücke am Freitag, 20. April 2018.

(Bild: Walter Bieri/KEYSTONE)

Die Wogen in den nationalen Medien gingen hoch, als im vergangenen Herbst horrende Ausstände der Firma Swiss E-Prix Operations AG bekannt wurden. Mehrere hunderttausend Franken soll die Firma mit Sitz in Zürich Lieferanten und Handwerkern im Nachgang zum Formel-E-Rennen in Bern schulden. Seit Mitte Januar ist klar: Die Operations AG ist Konkurs. Die Gläubiger müssen hoffen, aus der Liquidation etwas von ihren Guthaben zurückzuerhalten.

Seit Ende Januar im Handelsregister

Die führenden Köpfe hinter dem elektrischen Formel-1-Sport in der Schweiz haderten nicht lange und liessen Ende Januar eine neue Firma mit Sitz in Frauenfeld im Thurgauer Handelsregister eintragen. Die Swiss E-Prix GmbH firmiert an der Hungerbüelstrasse 22.

Gesellschafter sind laut Amtsblatt Pascal Derron, der Direktor der Formel-E-Anlässe in Zürich 2018 und Bern 2019, Konstanze Grammatikos, eine Architektin, die wie Derron bei der Firma Nüssli in Hüttwilen im Eventbau tätig war, und Stephan Oehen, dessen PR-Firma die Medienarbeit für den Formel-E-Sport in der Schweiz macht. Oehen sagt:

«Die neue Firma ist die Auffanggesellschaft der Swiss E-Operations AG, die leider in Liquidation geraten ist.»

Ziel sei es weiterhin, Formel-E-Rennen in der Schweiz zu halten. «Wir stehen in Kontakt mit möglichen Austragungsorten. Das Interesse ist weiterhin gross», sagt Pascal Derron, Geschäftsleiter der neuen Firma.

Pascal Derron, Geschäftsführer der Swiss E-Prix GmbH, Frauenfeld.

Pascal Derron, Geschäftsführer der Swiss E-Prix GmbH, Frauenfeld.

(Bild: PD)

Man habe die Lehren aus den ersten beiden Anlässen gezogen. «Entscheidend ist, dass der Anlass lokal gut verankert ist. In Zürich ist uns das geglückt, in Bern leider nicht», sagt Derron. Der Widerstand in Bern zeigte sich deutlich an einer Demo mit 1000 Teilnehmenden und mehreren 100'000 Franken Sachschaden am Donnerstag des Rennwochenendes.

Vertrauen schaffen mit lokalen Organisatoren

Daher gehe es nun laut Derron darum, lokale Player besser ins Boot zu holen. Er ist zuversichtlich, dass dies gelingt. Viele Städte hätten ein Interesse daran, sich in den Bereichen Technologie und Innovation zu positionieren, wofür die junge Rennsportart stehe. «Es ist wie zu Beginn der Formel 1: Aufbau- und Knochenarbeit, die nicht von Beginn weg rentiert», sagt Derron.

Bei genügend Interesse eines Austragungsortes könnte 2022 wieder ein Formel-E-Rennen in der Schweiz stattfinden. Wo das sein werde, kommentiert Derron nicht. Er sagt aber:

«Frauenfeld ist nicht unter den interessieren Städten.»

Das elektrische Kind der Formel 1

Die erste Rennserie für elektrisch betriebene Formel-Wagen fand in der Saison 2014/2015 statt. Die Formel E hat die Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) lanciert. Seit der Saison 2018/2019 ist der schwedisch-schweizerische Konzern ABB Titelsponsor der Formel-E-Meisterschaft. Mit der Saison 2020/21 bekommt die Serie erstmals offiziell das Weltmeisterschaftsprädikat der FIA. Im Gegensatz zu Formel-1-Rennen, die in der Regel auf festen Rundkursen ausgetragen werden, sollen Formel-E-Rennen auf Stadtrundkursen stattfinden, wie es in der Formel 1 in Monte Carlo der Fall ist. (hil)
Hinweis: Weitere Info: fiaformulae.com