«Trotz intensiver und finanziell aufwendiger Bemühungen konnten wir bis heute keine Bewilligung erreichen»: Deshalb lässt Vögele den Frauenfelder Thurgipark fallen

Die millionenschweren Ausbaupläne für das Einkaufszentrum im Osten der Stadt Frauenfeld sind nach zwei Anläufen vom Tisch. Zudem gehört der Thurgipark neuerdings anderen Eigentümern.

Samuel Koch
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Die Visualisierung zeigt einen der beiden geplanten Annexbauten des Thurgipark nördlich der McDonald’s-Filiale.

Die Visualisierung zeigt einen der beiden geplanten Annexbauten des Thurgipark nördlich der McDonald’s-Filiale.

(Bild: PD/ Theo Hotz Partner Architekten)

Die Luft ist draussen, das geplante Wachstum erfolgt nicht. Das Einkaufszentrum Thurgipark an der Zürcherstrasse 297 im Frauenfelder Langdorf direkt neben dem McDonald’s wird nicht wie geplant ausgebaut. Die Erweiterungspläne für den Bau mit Kosten zwischen 15 und 20 Millionen Franken der Vögele Immobilien AG sind zum grossen Bedauern von Geschäftsführer Paul Vögele gescheitert, und das schon zum zweiten Mal.

So sahen die Erweiterungspläne von Vögele aus.

So sahen die Erweiterungspläne von Vögele aus.

(Bild: Infografik SGT)

Mehr noch: Seit kurzem haben sich auch die Besitzverhältnisse des Thurgiparks verändert, wie die Vögele-Immobilien- Gruppe mit Sitz in Pfäffikon SZ mitteilt. Die Eigentümerin des 1997 erbauten und mit rund 2800 Quadratmetern Ladenfläche ausgestatteten Einkaufszentrums heisst neu SFP Retail AG aus Zürich. Paul Vögele lässt sich in der Mitteilung zitieren: 

«Der Thurgipark und die angrenzenden Grundstücke befinden sich in einer interessanten Lage mit Entwicklungspotenzial.»

Trotzdem sei er mit seinen Co-Investoren zum Schluss gekommen, nun das Einkaufszentrum zu verkaufen.

Anwohner und VCS opponierten erfolgreich

Was hat Vögele jetzt zu diesen Schritten veranlasst? Denn er hat nicht nur den Erweiterungsbau verworfen, wofür schon rund eine Million Franken in Planungskosten geflossen sind. Offenbar glaubt Vögele mittlerweile nicht mehr daran, den Thurgipark eines Tages tatsächlich noch ausbauen zu können. Nur so ist der jetzige Verkauf nach dem Rückzug des zweiten Baugesuchs zu erklären.

Die Visualisierung zeigt den geplanten Erweiterungsbau mit Blick von Südosten. Links davon befindet sich der heutige Thurgipark, im Norden der Bereich der Anlieferungen. Im Vordergrund eingezeichnet sind die Parkplätze des McDonald’s.

Die Visualisierung zeigt den geplanten Erweiterungsbau mit Blick von Südosten. Links davon befindet sich der heutige Thurgipark, im Norden der Bereich der Anlieferungen. Im Vordergrund eingezeichnet sind die Parkplätze des McDonald’s. 

(Bild: PD/Theo Hotz Partner Architekten)

Bereits beim ersten Ausbauversuch vor fünf Jahren für zwei doppelstöckige Annexbauten auf der Wiese Richtung Bahngleise nördlich des jetzigen Einkaufszentrums mit 12'000 Quadratmetern zusätzlicher Verkaufsfläche sowie einer Tiefgarage mit knapp 170 neuen Parkplätzen gab es Widerstand. Anwohner und der VCS Sektion Thurgau wehrten sich wegen der Dimension, der Umweltverträglichkeit und des befürchteten Mehrverkehrs.

Grundstücke stehen jetzt zum Verkauf

Beim eingereichten Baugesuch vor zwei Jahren für noch eingeschossige Annexbauten gab es erneut Widerstand, wie Vögele-Mediensprecher Dominik Joos erläutert. «Es lagen die zu erwartenden Einsprachen vor», sagt er. Mit den Betroffenen seien Lösungen wie der Einbezug angrenzender Flächen diskutiert und angestrebt worden. Vergebens. Joos sagt:

Dominik Joos, Mediensprecher Vögele.

Dominik Joos, Mediensprecher Vögele.

(Bild: Donato Caspari)
«Leider kam der Prozess unverständlicherweise ins Stocken, sodass die Bauherrschaft das Projekt nicht mehr weiterverfolgen wollte.»

Nebst dem zurückgezogenen Baugesuch und dem Besitzerwechsel stehen nun auch die noch in Vögele-Besitz stehende Wiese an der Sägereistrasse und das Areal mit den Lagerhäusern an der Riedstrasse zum Verkauf. «Es gibt bereits Interessenten», sagt Joos. Die konkreten Verkaufsaktivitäten würden aber erst jetzt so richtig starten.

Städtisches Amt für Hochbau und Stadtplanung weiss von nichts

In all den Jahren in engem Austausch stand die Bauherrin mit dem städtischen Amt für Hochbau und Stadtplanung. Vom zurückgezogenen Baugesuch und vom Verkauf erfährt Stadtbaumeister Christof Helbling jedoch von der Redaktion dieser Zeitung.

Beim VCS Sektion Thurgau fühlt man sich bestätigt ob des zurückgezogenen Baugesuchs. Peter Wildberger sagt:

Peter Wildberger, VCS Sektion Thurgau.

Peter Wildberger, VCS Sektion Thurgau.

(Bild: PD)
«Wir haben nichts anderes erwartet.»

Der VCS hat sich primär wegen Mehrverkehrs, ungenügender Anbindung an den öffentlichen Verkehr sowie Mangels an haushälterischem Umgang mit Boden gegen das zweite Gesuch gewehrt. Erfolgreich, was nun der VCS auch gerne als Sieg verbucht. Wildberger aber sagt: «Langsam ist es fies, weil wir unsere Anwaltskosten wegen des Rückzugs von Vögele selber tragen müssen.»

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