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Trotz Hirnschlag: Stehenbleiben ist für Stettfurter Sportlerin keine Option

Andrea Gallo aus Stettfurt startet an der Ironman-WM auf Hawaii, gut anderthalb Jahre nachdem sie eine Hirnblutung erlitten hat.
Amy Douglas
Andrea Gallo, Triathletin aus Stettfurt, in Vollmontur. (Bild: Reto Martin)

Andrea Gallo, Triathletin aus Stettfurt, in Vollmontur. (Bild: Reto Martin)

Von aussen betrachtet scheint Andrea Gallos Tag 48 Stunden zu haben. Für ihre Leidenschaft, den Triathlon, trainiert die 47-Jährige aus Stettfurt bis zu 22 Stunden pro Woche. Und sie arbeitet zu 60 Prozent als Finanzfachfrau. Und kümmert sich um Haus und Familie. 2017 nahm die gebürtige Frauenfelderin an der Côte d’Azur erstmals an einem Langdistanz-Triathlon teil. Seither ziert Andrea Gallos linker Oberarm das Logo des berühmten hawaiianischen Wettbewerbs, ein grosses «M» mit einem i-Punkt darüber. Und seit einem Sturz vom Rennrad an einem Wettkampf auf Mallorca ergänzen Flügel eines Schutzengels das Tattoo.

Wie sich herausstellen sollte, hatte Gallo den Schutzengel schon kurze Zeit danach bitter nötig. Denn im Februar 2018 erlitt Andrea Gallo bei der Arbeit einen Hirnschlag. Über einen Riss in der Halsschlagader waren drei Blutgerinnsel ins Gehirn gelangt. Sie hatte grosses Glück und konnte gerettet werden, ohne bleibende Schäden davonzutragen.

Das Ironman-Log und zwei Flügel eines Schutzengels liess Gallo sich auf den Oberarm tätowieren. (Bild: Reto Martin.

Das Ironman-Log und zwei Flügel eines Schutzengels liess Gallo sich auf den Oberarm tätowieren. (Bild: Reto Martin.

Eine Erklärung für den Vorfall gibt es nicht. «Man wird sich bewusst, wie schnell alles vorbei sein kann», sagt sie. Nach der raschen Genesung häuften sich ihre sportlichen Erfolge erstaunlicherweise. Ihr Erlebnis hat alles relativiert. «Ich besitze jetzt eine gewisse Lockerheit. Ich setze mich weniger unter Druck.» Andrea Gallo ist dankbar, dass sie mit dem Triathlon weitermachen kann.

Zwei Highlights stehen nun kurz bevor: die Halbdistanz-Weltmeisterschaft im September in Nizza und die Ironman-Weltmeisterschaft im Oktober auf Hawaii. Für beide Meisterschaften hat sie sich in Nizza qualifiziert – ohne Coach. Andrea Gallo erarbeitet sich ihre Pläne bezüglich Trainings, Ernährung und Erholung selbst.

Von den Eltern früh zum Sport geschickt

Schon als Kind war sie ständig in Bewegung. «Heute würde mir wohl eine ADHS diagnostiziert werden», sagt sie und erinnert sich, dass ihre Eltern sie früh in Sportvereine schickten, in denen sie sich bis ins junge Erwachsenenalter engagierte. Wie sie nun am Esstisch sitzt und erzählt, wirkt Gallo ruhig und gelassen, keine Spur von Hyperaktivität. Vielleicht gerade weil sie viel Sport treibt? Sie nickt: Die intensive Bewegung lüfte den Kopf. «Beim Sporttreiben sieht die Welt auf einmal ganz anders aus», sagt sie. Sie habe so auch weniger Gelegenheit, Probleme zu wälzen.

Nizza als roter Faden im Lebenslauf

Als 20-jährige reiste Andrea Gallo für einen Sprachaufenthalt nach Nizza; jene Stadt, die ihren weiteren Lebenslauf wie ein roter Faden durchziehen sollte Mit Fabien, dem besten Freund ihres damaligen Gastbruders, verstand sie sich sehr gut. Er teilte ihre Freude am Schwimmen, Radfahren und Laufen. Die beiden verliebten sich, und da sie in der Schweiz bereits eine Wohnung und Arbeit hatte, zog der junge Franzose zu ihr in den Thurgau, und sie heirateten.

Nach der Geburt ihres ersten Sohnes zog die junge Familie in ein Haus in Stettfurt, und bald darauf kam das zweite Kind, eine Tochter. Der Sport trat in den Hintergrund, doch rasch bemerkte sie, dass ihr etwas fehlte. Da in Stettfurt damals noch regelmässig ein Triathlon veranstaltet wurde, legte sie sich ein Rennvelo zu und begann zu trainieren. Es war der Beginn ihrer Extremsportkarriere.

«Ironman»: Eine Marke als Gattungsbegriff

Der Ironman-Triathlon Hawaii fand 1978 zum ersten Mal statt. Der Langdistanz-Wettbewerb besteht aus 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und dem abschliessenden Marathon über 42,195 Kilometer. Heute finden Ironman-Wettkämpfe auf allen Kontinenten statt. Jährlich wird im Oktober die Weltmeisterschaft auf Hawaii veranstaltet, für die sich die Teilnehmer in lizenzierten Ironman-Wettbewerben qualifizieren müssen. Obschon «Ironman» eine geschützte Marke ist, hat sich der Name als Bezeichnung für Triathlon-Wettbewerbe entsprechender Distanz eingebürgert. (apd)

Beim Training und im Wettkampf spürt die Sportlerin stets den Drang, ihre Grenzen auszuloten und das Maximum herauszuholen. «Man braucht eine gewisse Leidensfähigkeit, sonst bleibt man stehen», sagt Andrea Gallo. Und stehenzubleiben ist für sie keine Option. «Alles oder nichts» ist ihr Lebensmotto. Die Sportlerin möchte noch etwas betonen: Ohne ihren Ehemann wäre sie nicht da, wo sie jetzt steht. Er organisiere, fotografiere, begleite sie überall hin. «Er ist mein grösster Fan», sagt Andrea Gallo.

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