Trotz budgetiertem Verlust: Aadorfer Schulbehörde will Steuerfuss um vier Prozentpunkte senken

Der Steuerfuss der Schulgemeinde Aadorf soll auf das kommende Jahr von heute 94 auf neu 90 Prozent sinken. Die steigenden Schülerzahlen in der grössten Hinterthurgauer Gemeinde sorgen dafür, dass ab kommendem Schuljahr eine neue Kindergartenabteilung eröffnet werden muss.

Roman Scherrer
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Die Gesamtsanierung des Schulhauses in Ettenhausen wird im kommenden Jahr zum Abschluss kommen. (Bild: PD)

Die Gesamtsanierung des Schulhauses in Ettenhausen wird im kommenden Jahr zum Abschluss kommen. (Bild: PD)

Sie dürfen sich freuen, die Aadorfer Schulbürger. An der Budget-Versammlung vom 5. Dezember können sie sich selber beschenken – mit einer Steuerfusssenkung um vier Prozentpunkte. Neu würde der Steuerfuss der Aadorfer Schulgemeinde damit im kommenden Jahr auf 90 Prozent sinken, was voraussichtlich der tiefste Wert im Bezirk wäre.

«Wir waren noch nie die Teuersten», sagt die Aadorfer Schulpräsidentin Astrid Keller. Man habe schon länger das Ziel gehegt, sich in Bezug auf den Steuerfuss kantonsweit im vorderen Drittel zu positionieren.

Hohes Defizit relativiert sich

Bemerkenswert ist die Steuerfusssenkung vor allem, weil die Schulbehörde für 2020 ein Defizit von knapp 830'000 Franken budgetiert. Dieser Verlust werde sich aber in Zukunft relativieren, wie Astrid Keller erklärt:

«Durch das neue Beitragsgesetz, das Anfang 2020 in Kraft tritt, werden die Beiträge an den Kanton ab 2021 entfallen.»

Weil als Bemessungsgrundlage immer die Steuerkraft des Vorjahres gilt, sind für kommendes Jahr in Aadorf noch Beiträge an den Kanton in der Höhe von 546'000 Franken vorgesehen. Ein wesentlicher Posten bei einem Budget-Volumen von rund 20 Millionen Franken. Weil er aber in den folgenden Jahren ganz wegfallen dürfte, und die Schulgemeinde über ein komfortables Eigenkapital-Polster von 7,2 Millionen Franken verfügt, sieht der Finanzplan bis 2024 vor, dass der Steuerfuss auf den vergleichsweise tiefen 90 Prozent verbleiben wird.

Astrid KellerSchulpräsidentin Aadorf

Astrid Keller
Schulpräsidentin Aadorf

Und dies, obwohl die Aadorfer Schulgemeinde aufgrund der Steuergesetzrevision ab nächstem Jahr voraussichtlich auf eine Viertelmillion an Steuereinnahmen von juristischen Personen verzichten muss. «Wir rechnen bis 2024 mit einer Zunahme der Steuerkraft um 1,5 Prozent. Aadorf wächst weiter, eine Stagnation ist derzeit noch nicht in Sicht», sagt Schulpräsidentin Keller.

Mehr Kosten durch steigende Schülerzahlen

Aadorfs Wachstum bringt aber nicht nur Steuereinnahmen, sondern auch Kosten für die Schule. So rechnet die Behörde auch künftig mit steigenden Schülerzahlen. «Auf das nächste Schuljahr werden wir eine sechste Kindergartenabteilung in Aadorf eröffnen», sagt Astrid Keller.

«Und in Wittenwil werden wir einen sogenannten Grosskindergarten schaffen, mit 32 bis 35 Kindern.»

Beide Massnahmen bedingen eine Aufstockung des Lehrpersonals. Gegenüber dem Vorjahresbudget sind für 2020 deshalb um rund 100'000 Franken höhere Lohnkosten vorgesehen. «Von den verfügbaren Räumlichkeiten her werden die steigenden Schülerzahlen noch nicht zum Problem», sagt Keller. Eine Herausforderung sei es aber jeweils, wenn an einem oder mehreren Orten vom einen Jahr aufs nächste mit viel mehr Schülern gerechnet werden müsse.

Einiges an Kosten werfen auch die Schulliegenschaften auf. Für deren Werterhalt plant die Schulgemeinde im kommenden Jahr über 800'000 Franken ein. Dazu kommen zwei grössere Bauvorhaben, die sich in der Investitionsrechnung niederschlagen: 1,3 Millionen Franken für die Sanierung des Kindergartens in Guntershausen, gar 2,1 Millionen für die dritte Etappe der Schulhaussanierung in Ettenhausen. Beide Kredite haben die Aadorfer Stimmbürger im vergangenen Frühling an der Urne bewilligt.