Trockener Januar im Thurgau - und weiterhin kein Regen in Sicht

Thurgauer Fliessgewässer führen derzeit ungewöhnlich wenig Wasser. Diese Woche ändert das auch nicht mehr.

Sebastian Keller
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Die Thur bei Weinfelden.

Die Thur bei Weinfelden.

(Bild: Donato Caspari)

«Dry January»: Im Nachgang zur üppigen Adventszeit verzichten mache im ersten Monat des Jahres auf Alkohol – sie bleiben trocken. Auch Abschnitte von Flüssen und Bächen im Thurgau präsentieren sich derzeit eher trocken. Wer an gewissen Stellen die Murg überqueren will, bekommt nicht mal nasse Füsse. Ein geübter Hüpfer schafft es auch trockenen Fusses über die Thur bei Weinfelden.

Ein Blick auf das Wasserportal der Kantone Thurgau-Schaffhausen bestätigt den Eindruck. Die Pegelstände sind unter dem Durchschnitt – selbst für diese Jahreszeit. Der Wasserstand der Murg bei Fischingen liegt im Bereich von 5 bis 25 Prozent des langjährigen Tagesmittelwertes. Gleiches gilt für die Messpunkte der Thur bei Eschikofen oder den Giessen bei Bürglen oder die Lauche bei Matzingen. Selbst der Rhein bei Rheinklingen fliesst in dieser Kategorie.

Der Grundwasserleiter könnte Wasser vertragen

Das Wasserdargebot – also das aktuell verfügbare Oberflächenwasser – ist derzeit auf dem ganzen Kantonsgebiet auf der Stufe «gering». Das ist ein Indiz für Trockenheit. Ulrich Göttelmann von der kantonalen Abteilung Wasserbau und Hydrometrie sagt: «Das liegt an den zu geringen Niederschlagsmengen.»

Ohne es genau ausgerechnet zu haben, geht er davon aus, dass derzeit nicht mal 50 Prozent der üblichen Menge zu verzeichnen sind. Es fehlt an Schnee und Regen. Göttelmann sagt.

«Das ist aktuell zwar kein Problem.»

Im Winter sei der Wasserbedarf von Natur und Landwirtschaft gering. Doch: Bleiben auch die weiteren Wintermonate trocken, sind es keine idealen Startbedingungen für die erwachende Vegetation im Frühling.

Die Thur führt unterdurchschnittlich viel Wasser.

Die Thur führt unterdurchschnittlich viel Wasser.

(Bild: Donato Caspari)

Und wie ist es um dem Trinkwasserspeicher von Weinfelden und Frauenfeld, dem Thurtal-Grundwasserleiter, bestellt? Ulrich Göttelmann sagt, die Situation östlich von Weinfelden sei im mittleren Bereich, westlich von Weinfelden bis Neunforn sei es eher im unteren Drittel. Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser ist dennoch sichergestellt. Göttelmann sagt:

«Aber der Speicher könnte mehr Wasser vertragen.»

Wieso dem so ist, zeigt ein Blick in den Rückspiegel: Die Sommer 2018 und 2019 waren trocken, der Regen gastierte nur selten im Thurgau. Das führte dazu, dass der Grundwasserspiegel sank. «Zudem fehlte 2019 das Weihnachtshochwasser, dass regelmässig den Grundwasserleiter zu füllen vermag», sagt Göttelmann.

Bis zum Wochenende bleibt es mehrheitlich trocken

Und der Bodensee? Dessen Pegelstand liegt aktuell im mittleren Bereich – also zwischen 25 und 75 Prozent des langjährigen Tagesmittelwertes. Göttelmann: «Es wird interessant, wie sich der Pegelstand im Sommer entwickelt.»

Denn: Normalerweise erreicht der See im Sommer den Höchststand. Weil aktuell unterdurchschnittlich viel Schnee liege, wirke sich das auf das kommende Schmelzwasser aus. «Ein Bodenseehochwasser im Sommer würde mich deshalb überraschen», sagt Göttelmann.

Mit Regen oder Schnee ist vorerst im Thurgau nicht zu rechnen. «Erst vom Freitag auf Samstag kommen erste Spuren von Niederschlag», sagt Meteorologe Andreas Stutz von MeteoSchweiz. «Viel ist aber nicht zu erwarten, auch Anfang nächster Woche nicht.» Damit bleiben nicht nur die Kehlen der Teilzeit-Abstinenzler im Januar noch einige Tage trocken.

Hinweis
hydrodaten.tg.ch