Trinkwasser- und Pestizid-Initiativen
Aufgeheizter Abstimmungskampf: Thurgauer Ja-Komitee wittert systematische Zerstörung seiner Plakate

Die Befürworter der Trinkwasser- und Pestizid-Initiative müssen laufend beschädigte Abstimmungsplakate ersetzen. Das habe er in diesem Ausmass noch nie erlebt, sagt der grüne Nationalrat Kurt Egger. Das Nein-Komitee winkt ab. Es kämpfe nur mit Argumenten.

Silvan Meile
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Bereits drei Mal zerstört: Ja-Plakate zur Trinkwasserinitiative auf dem Land eines befürwortenden Biobauers in Gachnang.

Bereits drei Mal zerstört: Ja-Plakate zur Trinkwasserinitiative auf dem Land eines befürwortenden Biobauers in Gachnang.

PD

Wenn Kurt Egger ein Plakat aufstellt, muss er davon ausgehen, dass es nicht lange stehen bleibt. Der aktuelle Abstimmungskampf um die Trinkwasser- und Pestizid-Initiative wird von Feindseligkeit begleitet. «Wir müssen ständig Plakate ersetzen oder wieder in Stand setzen», sagt der grüne Nationalrat und Präsident des Thurgauer Ja-Komitees.

Nationalrat Kurt Egger (Grüne).

Nationalrat Kurt Egger (Grüne).

Bild: Donato Caspari

Über den ganzen Kanton verteilt würden die Plakate seines Komitees laufend zerstört. Betroffen seien alle drei Sujets gleichermassen, mit denen sie für ein Ja am 13. Juni werben. Egger wird dabei das Gefühl nicht los, dass hinter diesem Vandalismus eine Systematik stecke. «So etwas habe ich noch nie erlebt», sagt der langjährige Politiker.

Befürworter müssen Plakate nachbestellen

Davon kann auch der grünliberale Kantonsrat Marco Rüegg ein Lied singen. In seiner Gemeinde Gachnang sei kürzlich ein Abstimmungsplakat zum dritten Mal zerstört worden, sagt er. Jetzt müsse er nachbestellen, bevor wieder eines aufgestellt werden könne. Auf Twitter lässt Rüegg seinem Frust freien Lauf: «Es nervt gewaltig. Keine Fairness der Gegner, ein grosses Armutszeugnis.»

GLP-Kantonsrat Marco Rüegg

GLP-Kantonsrat Marco Rüegg

Bild: Donato Caspari

Die aufgeheizte Stimmung widerspiegelt sich in Antworten auf Rüeggs Tweet: «Naja, wenn man gerade dabei ist, die Landwirtschaft an die Wand zu fahren, muss man mit Gegenwind rechnen», kontert jemand. «Jetzt weisst du, wie es sonst der SVP geht», schreibt ein anderer Benutzer. Und: Beschädigte Plakate seien auf beiden Seiten zu beklagen. Die Gegner der Initiativen würden von solchem Vandalismus nicht verschont bleiben.

Es gibt Bauern, die lieber schweigen

«Wir haben gute Argumente gegen diese Initiative und müssen sicher nicht Plakate der Gegner kaputt machen», sagt Manuel Strupler, SVP-Nationalrat und Co-Präsident des Thurgauer Nein-Komitees. Natürlich seien in diesen Vorlagen sehr viele Emotionen im Spiel, schliesslich gehe es den Bauern um ihre Existenz. Deshalb fährt der Bauernverband seine bisher grösste Kampagne - auch finanziell.

Auch Nein-Plakate würden nicht überall auf sicherem Boden stehen, obwohl die Pflöcke dafür meist auf Wiesen von Bauern eingeschlagen werden. Strupler erinnert sich aber vor allem an die Abstimmung zum Verhüllungsverbot, in deren Vorfeld er zahlreiche Plakate neu aufstellen musste.

SVP-Nationalrat Manuel Strupler.

SVP-Nationalrat Manuel Strupler.

Bild: Reto Martin

Der Druck auf Bauern ist sehr gross, die für die Initiativen sind. Dass sich solche teilweise in Zeitungsartikeln nur anonym äussern, weil sie in der Branche Nachteile befürchten, lässt aufhorchen. «Jeder soll sich für seinen Standpunkt einsetzen, auch ein Bauer, der für die Initiativen ist», sagt Strupler. In seinem Komitee sei es nie eine Überlegung gewesen, jemanden deswegen zu drohen oder nachtragend zu sein. Dennoch gibt es tatsächlich Bauern, die lieber schweigen, als ihren Standpunkt darzulegen.

Bei den Befürworten geht es ins Geld

Die Befürworter der beiden Initiativen brechen regelmässig auf, um wieder auf eine Tour zu gehen, auf der sie beschädigte Plakate ersetzen. Weil das Thema so wichtig sei, verliere er die Motivation nicht, sagt Marco Rüegg. Und Kurt Egger muss nun ebenfalls zuerst Plakate nachbestellen. Das gehe letztlich auch ins Geld, sagt er.