Trendquartier

Jetzt bleiben die Leute hier stehen: Rund ums Trompetenhüsli in Frauenfeld an der Thundorferstrasse ist eine neue Flaniermeile entstanden

Frauenfelder Engelvorstadt: Die sanierten Häuser an der unteren Thundorferstrasse ziehen Läden und Kunden an. Nebst einem Bistro, Unverpackt-Laden und Architekturbüro sind neu auch ein Coiffeursalon und ein Blumengeschäft ansässig.

Claudia Koch
Drucken
Teilen
Belebte Kreuzung Thundorferstrasse/Spannerstrasse. Das Riegelhaus (unten in der Mitte) ist das Trompetenhüsli.

Belebte Kreuzung Thundorferstrasse/Spannerstrasse. Das Riegelhaus (unten in der Mitte) ist das Trompetenhüsli.

Bild: Olaf Kühne

Hier tut sich was, hier lebt’s. Das stellt man dieser Tage an der Ecke Thundorferstrasse/Marktplatz fest. In der Engelvorstadt eröffneten seit Mitte Jahr eine Handvoll Geschäfte, die um die Gunst der Frauenfelderinnen und Frauenfelder buhlen.

Von Spelunken und Musikinstrumenten

Die Engelvorstadt erhielt ihren Namen von der Wirtschaft Engel im Haus mit der Nummer 16 an der Thundorferstrasse. Da der Besitzer am Bahnhof das Hotel Merkur eröffnen wollte, dafür aber wegen zu hoher Beizendichte kein Patent erhielt, kaufte er den «Engel», schloss diesen und übernahm das Patent für das «Merkur». Das Haus 14, das «Grütli», beschreibt der Lokalhistoriker und ehemalige Bürgerarchivar Angelus Hux in «Frauenfelder Gaststätten damals – Eine historische Beizentour» als Spelunke mit bemitleidenswerten Gästen. Im Trompetenhüsli im Haus Nummer 18 stellte die Familie Wolf ab 1885 hochwertige und international bekannte Blechblasinstrumente her. (clk)

Den Anfang machten das Bistro Hansi und der Unverpackt-Laden Füllstation, die nach dem Lockdown den verspäteten Start im Juni nachholten. «Als Lebensmittelbetrieb hätten wir früher starten können, aber wir wollten gleichzeitig mit dem Hansi eröffnen», sagt Isabelle Zarn vom Füllstation-Verein, die auch regelmässig im Laden steht. Im Nachhinein sei sie sogar dankbar um die Verspätung. Zarn meint:

«Wir sind alles Quereinsteigerinnen. So hatten wir ausreichend Zeit, einiges zu überdenken und Produzenten zu besuchen.»

Sie ist sehr zufrieden mit der Kundenfrequenz. «Es kommen viele junge Leute, die das Konzept der unverpackten Produkte sehr ernst nehmen. Uns beehren aber auch ältere Personen, die diese Art des Einkaufens von früher her kennen», sagt Zarn. Ausserdem sei Neugier ein wesentliches Element, warum die Leute einen Blick in die unteren Räumlichkeiten der Thundorferstrasse 18 werfen wollen.

Januar 2020: Der Verein Füllstation auf einem Gerüst am Trompetenhüsli.

Januar 2020: Der Verein Füllstation auf einem Gerüst am Trompetenhüsli.

Bild: Donato Caspari

Die zweitälteste Privatbaute in der Stadt Frauenfeld

Gabriel Müller, Architekt.

Gabriel Müller, Architekt.

Bild: Andrea Stalder

Grund dafür ist das sanierte Trompetenhüsli, die zweitälteste Privatbaute Frauenfelds, wie Architekt Gabriel Müller erklärt. Er bekam von der Gehring Elektro AG die spannende Aufgabe, die drei nebeneinanderliegenden Häuser zu sanieren. Beim Trompetenhüsli war man der Meinung, es lohne sich nicht, sagt Müller. Und wenn er wolle, könne er dieses seit 50 Jahren unbewohnte Haus übernehmen. Und ob Müller wollte. Eine Holzanalyse datierte das ehemalige Rebhaus, später Instrumentenmanufaktur Wolf, auf 1563. Somit begann die Sanierung der drei Häuser gleichzeitig, wobei das Trompetenhüsli laut Müller am wenigsten gut einschätzbar gewesen sei. Ihm ist es ein wichtiges Anliegen, auch beim Bauen nachhaltig und ressourcenschonend vorzugehen.

«Sicher wäre ein Neubau einfacher gewesen. Aber ich möchte nicht gedankenlos alles wegwerfen, sondern auch bei einem solchen Objekt Elemente wiederverwerten und im Kreislauf behalten.»

Das sagt der Spezialist für historische Bauten, der im Obergeschoss sein Architekturbüro eingerichtet hat.

Isabelle Zarn, Verein Füllstation.

Isabelle Zarn, Verein Füllstation.

Bild: PD

Für die Mitarbeitenden der Füllstation ist die Arbeit in einem so geschichtsträchtigen Haus eine einmalige Gelegenheit. «Es hat eine aussergewöhnliche Atmosphäre, so heimelig. Ein grosser Kontrast zu den üblichen Geschäften», sagt Zarn. Die einzige Herausforderung ist der knappe Lagerplatz. Da gelte es, jeden Quadratzentimeter clever zu nutzen.

Coiffeursalon und Atelier für Schmuck

Zufrieden ist auch Jeannette Kohli, die im Haus Nummer 14, dem ehemaligen «Grütli», ihren Coiffeursalon betreibt. Sie ist von den Arkaden nur ein paar Hausnummern Richtung Stadt gezügelt. Doch hier sei sie viel sichtbarer und entsprechend gut gestartet, sagt Kohli. Auch gefällt ihr die Aussicht, da sie geradewegs durch das neue Schmuckatelier von Bettina Spring hinüber zum frisch eröffneten Blumenladen von Chiara Stähli blicken kann.

Stähli sind die Häuser als Tochter der nahe liegenden Bäckerei bestens bekannt. Und sie geht einig mit den Feststellungen von Zarn und Gabriel Müller:

«Die Passanten eilen nicht mehr einfach an den baufälligen Häusern vorbei, sondern bleiben freudig überrascht stehen.»

Sie würden sich einen Kaffee gönnen, einkaufen und die Ruhe geniessen abseits der Hektik des nahen Stadtzentrums.