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Tränklein, Pulver oder Salben im Keller der Rathausapotheke in Frauenfeld

Früher als Kontor der Walzmühle für Getreide dient der Rathausapotheke-Keller seit den 1940ern als Lager für pharmazeutische Stoffe. Heute mischt Claudia Held die heilsamen Präparate zusammen.
Samuel Koch
Apothekerin Claudia Held, Inhaberin der Rathausapotheke, ordnet im Untergeschoss Chemikalien ins Regal, die sie für ihre unterschiedlichsten Rezepturen benötigt. (Bilder: Andrea Stalder)

Apothekerin Claudia Held, Inhaberin der Rathausapotheke, ordnet im Untergeschoss Chemikalien ins Regal, die sie für ihre unterschiedlichsten Rezepturen benötigt. (Bilder: Andrea Stalder)

Säure neben Basen, Tinkturen neben Protein-Pulvern oder Kosmetik neben aseptischem Verbrauchsmaterial: Gewissenhaft angeschrieben und feinsäuberlich aufgereiht lagern heutzutage im Untergeschoss der Rathausapotheke an der Zürcherstrasse 153 pharmazeutische Materialien. Entweder vermischt Apotheken-Inhaberin Claudia Held diese als Rohstoffe zu Rezepturen, oder sonst kommen sie beim Patienten direkt als verschriebenes Heilmittel zum Einsatz.

Heute ist der Keller der Rathausapotheke zweigeteilt. Über einen Gang und eine steile Steintreppe mit unregelmässigen Stufen führt der eine Weg in ein dunkles, verlassenes und unbenutztes Kellerabteil mit einem Kreuzgratgewölbe. «Der frühere Eigentümer und Apotheken-Gründer Heinrich Affeltranger nutzte den Keller als Lagerraum für bereits konfektionierte Produkte», sagt Held, welche die Rathausapotheke 2013 übernahm, aber bereits zehn Jahre zuvor als Apothekerin dort gearbeitet hatte.

«Seit damals hat sich hier ausser einigen Aufräumarbeiten nicht viel verändert.»

Wesentlich stärker an eine Apotheke erinnert das andere Kellerabteil, das durch eine vermutlich viel später aufgezogene Wand vom anderen Keller getrennt ist. Eine neue und moderne Treppe hinunter, vorbei an einem Spind für die Mitarbeiter und einer Garderobe mit Apothekerkitteln, tut sich der wahre Keller der Rathausapotheke auf. Regal um Regal, darin Fläschchen um Fläschchen, Pulver um Pulver, Salbe um Salbe. Der Blick richtet sich auf ein weiteres Regal mit diversem Dekomaterial für das Schaufenster der Apotheke. In der Ecke steht eine alte Gewichtswaage der Marke Grob, die spätestens seit dem technologischen Wandel keine Verwendung mehr findet. «Damit sind im Vergleich zu Feinstwaagen für Wirkstoffe etwa Zusatzstoffe mit Gewichten zwischen 500 Gramm und einigen Kilogrammen abgewogen worden», meint Claudia Held.

Ein ehemaliges Arbeitsutensil, das im frühen 20. Jahrhundert noch Verwendung fand: eine alte Gewichtswaage.

Ein ehemaliges Arbeitsutensil, das im frühen 20. Jahrhundert noch Verwendung fand: eine alte Gewichtswaage.

Keine Unfälle trotz Aceton und Ethanolsorten

Gefahrengut, erklärt sie, befindet sich jedoch im separaten Feuerkeller hinter verschlossener Tür. Darin stehen Holzpaletten mit gefährlichen, pharmazeutischen Substanzen, die allesamt mit einer UN-Gefahrengut-Nummer versehen sind. «Hier lagern wir beispielsweise Aceton, Benzin oder diverse Ethanolsorten, die wir zur Herstellung von Lösungen wie etwa einem Haarspiritus gegen Schuppen und Hautekzeme benötigen», sagt Held. Sämtliche Gefahrengüter werden regelmässig kontrolliert und sind auch mit Ablaufdatum versehen.

Nebst giftigen Substanzen lagern im Keller viele Medikamente, die von Patienten retourniert werden. «Verfallen die Chemikalien oder die Medikamente, entsorgen wir sie regelkonform im Sonderabfall», sagt Held. Der Keller an sich garantiert, dass die Temperatur nicht über die laut Vorschriften geltenden 25 Grad Celsius steigt. Auch die Verkaufsräumlichkeiten der Apotheke sind klimatisiert. Ansonsten dürfte bei den aktuell herrschenden Temperaturen ein Medikament oder eine Rezeptur nicht mehr über den Ladentisch gehen. Oft Mühe bereite diese Tatsache jenen Kunden, die etwas zurückgeben wollten. «Ich kann dann nicht garantieren, dass damit alles in Ordnung ist», sagt Held.

Gut gesichert und verschlossen lagern unter anderem Isopropyl- oder Ethylalkohol im temperierten Feuerkeller.

Gut gesichert und verschlossen lagern unter anderem Isopropyl- oder Ethylalkohol im temperierten Feuerkeller.

In unregelmässigen Abständen gibt es Besuch vom kontrollierenden Kantonsapotheker. Er habe in der Rathausapotheke zwar noch nie etwas beanstandet, meint Held. Aufgrund technologischer Fortschritte in der sich rasant entwickelnden Medizinbranche könnten sich jedoch immer wieder Regeln ändern und allenfalls etwas überprüft werden.

Mit all den gefährlichen Substanzen können Held und ihre zwei Mitarbeiterinnen problemlos umgehen. Gefährlich geworden oder gar etwas Unvorhergesehenes passiert sei in all den Jahren nicht. «Dafür sorgt aber auch der richtige Schutz beim Mischen von Rezepturen», sagt Held. Gerade bei Säuren oder etwa grösseren Mengen Testosteron für eine Sexualhormon-Crème brauche es genügend Schutz. Damit Zeit für die anspruchsvolle Laborarbeit bleibt, übernimmt seit einigen Jahren ein Roboter die alltägliche Lagerbewirtschaftung. «Er ist quasi unser Goldschatz», meint Held und schmunzelt. Und auch wenn sich in und unter der Rathausapotheke so einiges verändert hat: Manch Gutes bleibt. So bedient sich Claudia Held auch heute noch einiger alter Rezepturen, die Heinrich Affeltranger einst entwickelt hatte und die noch heute heilend wirken.

Im Rathauskeller lagern auch diverse Teesorten in grossen Metallbehältern.

Im Rathauskeller lagern auch diverse Teesorten in grossen Metallbehältern.

Getreideumschlag und regionaler Kolonialladen

Als Lagerraum für pharmazeutische Produkte dient der Keller der Rathausapotheke-Liegenschaft, die im kantonalen Hinweisinventar als besonders wertvoll eingestuft ist und unter Bundesschutz steht, seit dem Umbau zur Apotheke im Jahre 1941. So schrieb die «Thurgauer Zeitung» am damaligen 25. Oktober nach der Eröffnung:

«Architekt Eduard Halter hat etwas fertig gebracht, was heute selten geworden ist: Er hat Neues geschaffen, ohne das schöne Alte zu zerstören.»

Die Zeit sei ja auch vorbei, da mit Pferdefuhrwerken die Mehlsäcke in der erhöhten Laube der breiten Mittelarkade abgeladen werden mussten. Seitlich davon befinden sich zwei kleinere Bögen, derjenige rechts dient heute noch als Eingang für die Kundschaft.

Nachdem die Liegenschaft 1789 nach dem zweiten Stadtbrand von Kaufmann Daniel Fehr erbaut wurde, diente sie ab 1834 als Kontor des damaligen Walzmühle-Direktors Heinrich Debrunner. Von 1854 bis 1872 war er dann alleiniger Besitzer der Walzmühle, weiss Angelus Hux. «Nebst dem Getreideumschlag beherbergte das Haus auch den ersten grossen Kolonialwarenladen der Region», sagt der Lokalhistoriker, für den die Liegenschaft noch heute zu einer der schönsten der ganzen Stadt gehört. Ab 1893 betrieb Julius Stürzinger darin eine Samen- und Getreidehandlung bis 1941, als das Gebäude das heutige Aussehen erhielt. Die einstige Laderampe für Korn und Getreide verwandelte sich in ein Schaufenster. Über aussergewöhnliche Geschichten rund um pharmazeutische Substanzen der Apotheke weiss Angelus Hux nichts: «Von Explosionen oder Ähnlichem ist mir nichts bekannt.»

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