Minus zehn Prozent: Im Thurgau drohen die Übernachtungszahlen einzubrechen

In der Tourismusstatistik drohen die Zahlen der Logiernächte um mehr als zehn Prozent zurückzugehen. Grund ist der ehemalige Kneipphof Dussnang. Dort sind die einstigen Feriengäste heute medizinische Patienten.

Silvan Meile
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Die Rehaklinik Dussnang hat sich im Haus des ehemaligen Kurhauses auf Rehabilitationen spezialisiert. (Bild: Olaf Kühne)

Die Rehaklinik Dussnang hat sich im Haus des ehemaligen Kurhauses auf Rehabilitationen spezialisiert. (Bild: Olaf Kühne)

Die Thurgauer Tourismusstatistik brachte jahrelang den selben Spitzenreiter hervor. Erstaunlich daran ist, dass nicht etwa eine Gemeinde am See jeweils die meisten Übernachtungen in der Hotellerie aufwies, sondern bis vor zwei Jahren war das jene Gemeinde, die am weitesten vom Tourismusmagnet Bodensee entfernt liegt. Fast 53 000 aller 426 000 Übernachtungen im Thurgau schlagen 2018 in der Gemeinde Fischingen zu Buche.

Doch in der nächsten Statistik könnten dort die meisten Logiernächte aus der Erhebung verschwinden. Damit droht dem Thurgau ein abrupter Rückgang um mehr als zehn Prozent an Übernachtungszahlen. «Schön sieht das nicht aus», sagt Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus. Doch dieser Einbruch der Übernachtungszahlen in der Hotellerie ist erklärbar. Und immerhin kann sich der Thurgau im interkantonalen Vergleich auf Platz 16 halten, vor Nidwalden mit 328 500 Logiernächten.

Lange Tradition mit Kurgästen

Mit Abstand am meisten dieser Fischinger «Hotelgäste» verbringen die Nacht im ehemaligen Kneipphof Dussnang. Im vergangenen Jahr dürften es rund 46 000 Logiernächte gewesen sein, wenn man rund 7000 Übernachtungen abzieht, die das Seminarhotel Kloster Fischingen und der Gasthof Sternen zusammen beisteuern.

Dussnang hat eine lange Tradition mit Kurgästen. Im einst frommen Kurhaus der Benediktinerschwestern erholten sich früher Feriengäste. Erst 2014 verkauften die Benediktinerinnen des Klosters Heiligkreuz in Cham das geschichtsträchtige Haus im Tannzapfenland und zogen sich endgültig zurück. Ein Österreicher Gesundheitskonzern übernahm schliesslich.

Immer brav die Kurtaxe bezahlt

Im Januar 2018 kam der Namenswechsel. Aus dem Kneipphof wurde die «Rehaklinik Dussnang». Längst hat sich das Haus spezialisiert. Aus den Gästen, die einst Erholung suchten, sind hauptsächlich Patienten geworden, die nach Operationen am Bewegungsapparat durch eine Nachbehandlung medizinisch betreut werden. Die Rehaklinik schreibt auf ihrer Webseite:

«Die Einweisung erfolgt in der Regel durch den vorbehandelnden Spital oder den Hausarzt.»

Die Aufenthalte werden über die Krankenkasse abgerechnet. Doch eines ist geblieben: Die neue Führung entrichtete auch dann noch schön brav eine Kurtaxe pro Patient und Nacht, als schon längst ein professioneller Klinikbetrieb eingerichtet war. Deshalb flossen die Übernachtungszahlen noch immer als Logiernächte in die Tourismusstatistik des Bundes.

Doch damit könnte in diesem Jahr Schluss sein. Per 2019 brach die Rehaklinik die Tradition, Kurtaxen an den Verkehrsverein Fischingen zu bezahlen. Am Montag war niemand von der Klinik zu einer Stellungnahme bereit. Verkehrsvereins-Präsident Werner Ibig kann aber für diesen Entscheid Verständnis aufbringen.

«An der Nachfrage ändert sich ja nichts»

«Lange hat die heutige Rehaklinik Dussnang auf freiwilliger Basis die Kurtaxen entrichtet und dadurch die touristische Übernachtungsstatistik des Kantons geprägt», sagt Rolf Müller. Kein anderes Haus im Thurgau weist jährlich mehr Logiernächte auf. Es sei zu befürchten gewesen, dass die Rehaklinik aus der Tourismusstatistik verschwinde. Mit dem aktuellen Entscheid aus Dussnang zeichne sich dies nun ab. Finanziell habe das aber keine Auswirkungen für den Tourismusverband.

Auch für Christoph Tobler, Präsident von Thurgau Tourismus kommt das nicht überraschend. «Es zeigt eben, wie Statistiken relativiert werden müssen.» Auch wenn die Übernachtungen in Dussnang aus der jährlichen Erhebung verschwinden, ändere sich ja nichts an der touristischen Nachfrage oder der wirtschaftlichen Wertschöpfung im Kanton.

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