Toter nach Restaurant-Einsturz: Staatsanwaltschaft schliesst Strafuntersuchungen im Fall «Obstgarten» Frauenfeld mangels Beweisen ab

Die Strafuntersuchungen im Zusammenhang mit dem teilweisen Einsturz des ehemaligen Restaurants «Obstgarten» in Frauenfeld, bei dem eine Person zu Tode kam, wird mit einem Strafbefehl wegen fahrlässiger Tötung und Einstellungsverfügungen gegen vier weitere Beschuldigte abgeschlossen. Dies teilt die Staatsanwaltschaft Thurgau mit.

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Die Ruine des ehemaligen Restaurants «Obstgarten» beim Spital Frauenfeld.

Die Ruine des ehemaligen Restaurants «Obstgarten» beim Spital Frauenfeld.

(Bild: Andrea Stalder)

(red) Die Staatsanwaltschaft hat nach dem teilweisen Einsturz des Restaurants «Obstgarten» in Frauenfeld die Strafuntersuchungen abgeschlossen. Bei diesem Vorfall vor zwei Jahren ist ein 29-jähriger Bauarbeiter ums Leben gekommen.

Der zum Unfallzeitpunkt verantwortliche Bauleiter ist mit Strafbefehl Mitte Oktober dieses Jahres wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung verurteilt worden.

Das Unglück ereignete sich am Nachmittag des 9. Oktobers 2017. Das Fundament am südlichen Teil der Ostfassade sowie die ganze Südfassade rutschte in den Aushubgraben für die Sickerleitung ab. Die Fassadenmauer vom Erdgeschoss bis zum Dach sowie die Holzdecke darüber wurde mitgerissen. Der 29-jährige Mann wurde von den herabstürzenden Gebäudeteilen tödlich verletzt. Der portugiesische Staatsangehörige hinterlässt eine Familie.

Der Bauführer wurde nach Untersuchungen mit Gutachten von Sachverständigen sowie zahlreichen Befragungen am 21. Oktober dieses Jahres wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Er hat eine bedingte Geldstrafe zu leisten: 27600 Franken, aufgeteilt in 120 Tagessätze à je 230 Franken. Dazu kommt auch noch eine Busse von 1000 Franken. In der Medienmitteilung der Staatsanwaltschaft heisst es, bei der Strafzumessung sei beachtet worden, dass der Beschuldigte bei der hinterlassenen Familie Wiedergutmachung geleistet hatte.

Untersuchungen gegen vier weitere Beschuldigte sind im November dieses Jahres mangels anklagebegründender Beweis- und Rechtslage eingestellt worden.

Ein Quartierrestaurant ist geplant

Die Zukunft des Restaurants «Obstgarten» ist aber gesichert: Vertreter der Stadt Frauenfeld und der Grundeigentümer haben sich geeinigt und beschlossen, dass das denkmalgeschützte Gebäude erhalten bleibt und zu einem Quartierrestaurant umgebaut wird.

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Ida Sandl