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Nach Tötung von Tochter in Wagenhausen: Vater will milderes Urteil

Der Vater als Täter akzeptiert zwar das Urteil wegen eventualvorsätzlicher Tötung, nicht aber das Strafmass von neun Jahren. Für die Staatsanwaltschaft ist das erstinstanzliche Urteil dagegen zu milde. Jetzt muss sich das Thurgauer Obergericht mit dem Fall der zu Tode getretenen jungen Frau befassen.
Stefan Hilzinger
9. März 2018: Letzter Verhandlungstag im Mordfall Wagenhausen: Der Angeklagte wird von der Polizei ins Bezirksgericht Frauenfeld begleitet. (Bild: Reto Martin)

9. März 2018: Letzter Verhandlungstag im Mordfall Wagenhausen: Der Angeklagte wird von der Polizei ins Bezirksgericht Frauenfeld begleitet. (Bild: Reto Martin)

Seit kurzem liegt das begründete Urteil des Bezirksgericht Frauenfeld im Tötungsfall Wagenhausen vor. Und jetzt ist klar, dass sich auch das Thurgauer Obergericht mit der Strafsache befassen muss. Sowohl der Verteidiger des Vaters, der seine Tochter mit Fusstritten zu Tode gebracht hat, als auch die Thurgauer Staatsanwaltschaft haben fristgerecht Berufung eingelegt. Das bestätigen beide Parteien auf Anfrage dieser Zeitung.

Die Stossrichtungen der Berufungen könnten aber gegensätzlicher nicht sein. «Mein Mandant akzeptiert zwar das Urteil und die rechtliche Würdigung der Tat. Doch das verhängte Strafmass von neun Jahren ist zu hoch», sagt Strafverteidiger Daniel Christen. Entsprechend werde er für einer kürzere Strafe plädieren.

Staatsanwalt fordert längere Haft

Anders die Staatsanwaltschaft: «Für uns ist das Strafmass zu tief ausgefallen. Wir fordern vor Obergericht eine härtere Bestrafung», sagt Generalstaatsanwalt Stefan Haffter als Sprecher der Strafverfolgungsbehörde. Zu den Argumenten ihrer Anträge sagen die beiden Parteien jetzt noch nichts, das werden sie dann vor Gericht tun, tönt es unisono.

Es sei gewalttätiger Exorzismus gewesen, was an diesem Abend des 2. Januar 2016 in der Wohnung eines Freundes in Wagenhausen stattgefunden habe, charakterisierte der Staatsanwalt die Tat vor dem Bezirksgericht und forderte eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren.

Dämoneaustreibung oder nicht?

Der Vater, Anhänger der Mittelalterszene mit Hang zum Okkultismus, stellte vor Gericht in Abrede, eine Dämonenaustreibung vorgenommen zu haben. Die Tochter habe ihn gebeten, sie zu massieren, weil sie «aggro» gewesen sei. Auf Wunsch der Tochter habe er an gewissen Stellen den Druck seiner Füsse erhöht. Der amtliche Verteidiger sprach von einer Massage mit missglücktem Ausgang und beantragte einen Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung und eine Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Der 51-jährige Vater der jungen Frau befindet sich seit dem Urteil des Bezirksgerichts vom vergangenen März im Strafvollzug. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die geistig behinderte und kleinwüchsige Tochter an den Folgen der schweren inneren Verletzungen gestorben ist, die ihr der Vater mit Fusstritten beigebracht hatte.

Vater hat den Tod der Tochter in Kauf genommen

«Es kann nicht von einer Massage die Rede sein, sondern von einer Misshandlung», sagte der Richter in der mündlichen Begründung des Urteils. Der Beschuldigte habe die Tochter zwar nicht töten wollen, habe aber schwerste Körperverletzungen, ja den Tod, in Kauf genommen, weshalb der Vater eventualvorsätzlich gehandelt habe. Das Gericht billigte dem Verurteilten eine leicht bis mittel verminderte Schuldfähigkeit zu. Opfer und Täter stammten aus dem deutschen Bodenseeraum, weshalb der aussergewöhnliche Fall auch in den Süddeutschen Medien Beachtung fand.

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