Tödliche Kreuzung
«Raserstrecke endlich aufheben»: Gefährliche Kreuzung zwischen Frauenfeld und Warth-Weiningen hat bald ein Ende

Täglich bis zu 10'000 Fahrzeuge rollen über die Weststrasse nach Frauenfeld. Ein neuer Kreisel beim Abzweiger West-/Thurstrasse soll in Zukunft Unfälle verhindern, die schon Menschenleben gekostet haben.

Samuel Koch
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Über eine Linksabbiegespur finden die Autofahrer aus Fahrtrichtung Warth-Weiningen den Weg von der West- in die Thurstrasse.

Über eine Linksabbiegespur finden die Autofahrer aus Fahrtrichtung Warth-Weiningen den Weg von der West- in die Thurstrasse.

Bild: Donato Caspari

Wenig ruhmreich sind die Schlagzeilen, welche die Kreuzung West-/Thurstrasse bereits hervorgebracht hat. So verstarb am 25. Oktober 2013 an dieser Stelle ein 26-jähriger Töfffahrer an den Folgen eines tragischen Unfalls, nachdem ihn ein links abbiegendes Auto von Warth-Weiningen herkommend übersah. Ein Unglück mit demselben Hergang ereignete sich am 6. Dezember 2004, als ein 20-jähriger Motorradfahrer auf der verhängnisvollen Kreuzung sein Leben liess.

Unfälle mit Blech- und glücklicherweise weniger folgenschweren Verletzungen sind an dieser gefährlichen Kreuzung keine Seltenheit. Laut Statistik des Kantonalen Tiefbauamtes sind im Kreuzungsbereich in den vergangenen zehn Jahren 15 Unfälle registriert worden. Zuletzt krachte es am 6. Juli dieses Jahres, als eine 31-jährige Autofahrerin verunfallte. Auch sie war auf der Weststrasse in Richtung Frauenfeld unterwegs und kollidierte beim Linksabbiegen mit dem Auto eines entgegenkommenden Lenkers. Beide Personen verletzten sich leicht, wie die Kantonspolizei Thurgau tags darauf mitteilte.

Beim letzten grösseren Unfall kollidierten bei der Kreuzung West-/Thurstrasse zwei Autos ineinander. Beide Lenker verletzten sich leicht.

Beim letzten grösseren Unfall kollidierten bei der Kreuzung West-/Thurstrasse zwei Autos ineinander. Beide Lenker verletzten sich leicht.

Bild: PD/Kantonspolizei Thurgau (Frauenfeld,
6. Juli 2020)

Mit hoher Geschwindigkeit am Einspurstreifen vorbei

Jetzt geht die Zeit der tödlichen Kreuzung zu Ende, wie eine öffentliche Planauflage beim Frauenfelder Amt für Tiefbau und Verkehr zeigt. Der zuständige Stadtrat Andreas Elliker sagt:

Andreas Elliker, Departementsvorsteher Bau und Verkehr.

Andreas Elliker, Departementsvorsteher Bau und Verkehr.

Bild: Mathias Frei
«Es ist richtig, diese Unfallstelle auf dieser Raserstrecke endlich aufzuheben.»

Der Unterschied zwischen links abbiegenden Fahrzeugen auf dem Einspurstreifen sowie passierenden Lenkern beträgt auf der Kantonsstrasse oftmals 80 km/h oder mehr, wenn diese die Kreuzung mit hoher Geschwindigkeit passieren. Deshalb sei es jetzt an der Zeit, etwas zu unternehmen, meint Elliker, der auf dem Bachhof unweit von der Kreuzung wohnt und gröbere Unfälle schon von weitem mitbekommen hat.

Für Kosten von insgesamt 1,6 Millionen Franken wollen Kanton und Stadt einen neuen Betonkreisel erstellen, ähnlich wie jener am Übergang der Thur- in die Haubitzenstrasse. Der Kreisel liegt ausserhalb des Baugebiets, weshalb der finanzielle Anteil des Kantons steigt, wie Stadtingenieur Thomas Müller erklärt. «Die Stadt zahlt zirka 200'000 Franken.»

Einigung mit allen Grundstückeigentümern

Ein Kreisel braucht mehr Platz als eine Kreuzung, weshalb zunächst die Fahrbahnen aufgeweitet werden sollen. Zudem muss der Bewirtschaftungsweg auf der Westseite umgelegt werden. Dafür brauchte es auf allen Seiten die Beteiligung der Grundstückeigentümer. Müller sagt:

Thomas Müller, Leiter Amt für Tiefbau und Verkehr.

Thomas Müller, Leiter Amt für Tiefbau und Verkehr.

Bild: Thi My Lien Nguyen
«Der Landabtausch mit Privaten, der Stadt, der Armasuisse und einer Kooperation hat das kantonale Tiefbauamt geklärt.»

Geht alles nach Plan, beginnt der Kreiselbau nächsten Frühling zunächst mit einem Provisorium. Nebst dem Strassenbau, der den überwiegenden Teil ausmacht, erfahren Beleuchtung und Entwässerung einen Ausbau. Gesperrt wird die viel befahrene Weststrasse nicht. Müller sagt:

«Wir bauen unter Verkehr, realisieren den Kreisel also Stück für Stück.»

Die Kantonsstrasse, die Warth-Weiningen, das Seebachtal mit Hüttwilen, aber auch Herdern oder Eschenz und Stein am Rhein mit Frauenfeld verbindet, nutzen gemäss Verkehrsstatistik des kantonalen Tiefbauamtes täglich bis zu 10'000 Fahrzeuge, Tendenz steigend. Zudem rollt viel Schwerverkehr durch, auch von der Armee, die in der benachbarten Kaserne Auenfeld derzeit dank Bundesmillionen die Kapazität von heute 700 auf 1700 Betten aufstockt.

Volk redet bei Agglomerationsprogrammen bald mit

Die Regio mit der Stadt Frauenfeld und den Gemeinden Gachnang und Felben-Wellhausen beabsichtigt, ab 2025 für grössere Entwicklungsprojekte im Rahmen von bewilligten Agglomerationsprogrammen wieder Bundesgelder zu erhalten. Um an die Honigtöpfe in Bern zu gelangen, brauche es jedoch zunächst die Umsetzungen von Massnahmen aus bisher unbewilligten Aggloprogrammen der ersten Generationen, «um ein guter Schüler zu werden», wie es Stadtrat Andreas Elliker betont. Die Neubau Kreisel West-/Thurstrasse jedoch ist nicht Teil der Agglomerationsentwicklung, wie Elliker sagt. Das Frauenfelder Stimmvolk darf im November 2021 mitreden bei der geplanten Abstimmung «Infrastrukturmassnahmen und Temporegime auf Strassen der Innenstadt mit Unterstützung von Bund und Kanton». (sko)