Todesstoss für Frauenfelder Motocross-WM-Rennen 2020 – Standortsuche für Rennen ab 2021 geht mit Nebengeräuschen weiter

Nächsten Sommer gibt es im Raum Frauenfeld endgültig keine Motocross-WM-Rennen. Das OK des MXGP of Switzerland sucht für die Zukunft jedoch weiter nach einem geeigneten Areal und geizt nicht mit Kritik.

Samuel Koch
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Motocrossfahrer wetteifern kurz nach einem Start über die Strecke «Schweizer Zucker» in Niederwil.

Motocrossfahrer wetteifern kurz nach einem Start über die Strecke «Schweizer Zucker» in Niederwil.

Bild: Donato Caspari (19.08.2018)
  • Frauenfeld/Gachnang steht definitiv nicht im Kalender für Motocross-WM-Rennen 2020
  • Schweiz bleibt jedoch Wunschkandidat für Austragung eines MXGP
  • Standortsuche für MXGP Suisse AG geht weiter, mit einer Absichtserklärung für WM-Rennen von 2021 bis 2023
  • Drei Absagen in Tägerwilen, Sitterdorf und Bürglen stehen drei Interessenten gegenüber
  • Zwei interessierte Unternehmer kommen aus dem Kanton Thurgau, einer aus der übrigen Deutschschweiz
  • Waffenplatz Frauenfeld ist endgültig aus dem Rennen, Kritik verhallt jedoch nicht
  • Frauenfelder Stadtpräsident weist Vorwürfe zurück
Willy Läderach, CEO MXGP Suisse AG.

Willy Läderach, CEO MXGP Suisse AG.

(Bild: Donato Caspari)

Trotz aller Ernüchterung ist der Traum nicht ausgeträumt. Das Organisationskomitee der MXGP Suisse AG und Inhaber Willy Läderach geben nicht auf, wenn es um die Zukunft von Motocross-WM-Rennen in der Schweiz geht. «Das kommt nicht in Frage», sagt Läderach. Deshalb suchen sie weiter nach einer Lösung, nachdem die vorläufige Dernière des Motocross-Grand-Prix (MXGP) of Switzerland bereits 16 Monate zurückliegt. «Wir sind weiter Wunschkandidat», meint er.

Sowohl der Rennvermarkter Youthstream als auch der Motorradweltverband FIM haben der MXGP Suisse AG immer wieder den roten Teppich ausgerollt und für ein provisorisch geplantes Rennen im August 2019 gar eine Gnadenfrist erteilt. Auch für WM-Rennen 2020 wartete der Verband bis zum FIM-Kongress Anfang Dezember, bis er den Rennkalender definitiv festlegte. Trotz aller Hoffnungen aus Frauenfeld findet nun nächstes Jahr endgültig kein Schweizer MXGP statt.

Der MXGP-Parcours 2016 in Niederwil mit dem Fahrerlager auf dem Gelände der Zuckerfabrik aus der Vogelperspektive.

Der MXGP-Parcours 2016 in Niederwil mit dem Fahrerlager auf dem Gelände der Zuckerfabrik aus der Vogelperspektive.

(Bild: PD)

Absichtserklärung für Rennen von 2021 bis 2023

Doch: «Der MXGP in der Schweiz ist noch lange nicht zu Grabe getragen», sagt Willy Läderach. Neu im Visier der MXGP Suisse AG liegt jetzt 2021. Eine gemeinsame Absichtserklärung – ein sogenannter «letter of intent» – mit Youthstream und FIM untermauert diese Bestrebungen. Läderach sagt:

«Wir wollen einen neuen Vertrag für die Jahre 2021 bis 2023.»

Und weil in Zukunft einerseits ausserhalb der Bauzonen und andererseits auf dem Frauenfelder Waffenplatz kein MXGP möglich sein wird, liegt der Fokus seit längerem auf privaten Arealen in der Bauzone. Die Mowag in Tägerwilen, der Flughafen Sitterdorf oder die Strabag in Bürglen haben zwar längst abgesagt. «Wir haben aber zwei Interessenten im Thurgau und einen dritten in der übrigen Deutschschweiz», sagt Läderach.

Kritik an Stellungnahme des Frauenfelder Stadtrats

Genauer geht er nicht darauf ein, weder beim Nachhaken für mögliche Standorte noch bei Fragen nach Namen. Läderach sagt:

«Wir sind gebrannte Kinder und sagen nichts, solange wir keine Lösung auf dem Tisch haben.»

Nebst Durchhalteparolen teilt Läderach nach der definitiven Absage für 2020 aus. «Es gibt keine mutigen Politiker mehr», moniert er. Die Absage des Frauenfelder Waffenplatzkommandos mit dem Hinweis etwa auf die militärische Nutzung sei zu akzeptieren. Enttäuscht sei er aber vom Frauenfelder Stadtrat. «Die negative Stellungnahme des Stadtrates haben das Projekt Allmend beerdigt», meint Läderach.

Anders Stokholm, Stadtpräsident von Frauenfeld.

Anders Stokholm, Stadtpräsident von Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Das will Frauenfelds Stadtpräsident Anders Stokholm so nicht stehen lassen: «Der Stadtrat hat darauf hingewiesen, dass er eine zusätzliche Lärmimmissionen generierende Veranstaltung auf der Allmend nicht begrüssen würde, weil umliegende Quartiere durch bestehende Anlässe bereits stark belastet sind.» Und bei stadteigenem Land gelte, dass eine neue Veranstaltung nur anstelle einer bisherigen bewilligt werden würde. Der Stadtrat sagt:

«Der Stadtrat hat die Auswirkungen für die Stadt und seine Bevölkerung zu beurteilen.»

Wo der Stadtrat angefragt worden sei, habe er geantwortet. Stokholm meint: «Eine aktivere Unterstützung ist nicht Aufgabe der Stadt.»

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