Todesstoss für das alte Müllheimer Schützenhaus

Der Müllheimer Gemeinderat hat entschieden, das alte Schützenhaus abzubrechen. Abklärungen beim Kanton haben ergeben, dass sich das Gebäude weder als Wohnhaus noch als Gewerbeliegenschaft nutzen lässt.

Stefan Hilzinger
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Die idyllische Lage am Waldrand ist ein Hindernis für die Umnutzung des Müllheimer Schützenhaus auf dem Guggenbühl. (Bild: Reto Martin)

Die idyllische Lage am Waldrand ist ein Hindernis für die Umnutzung des Müllheimer Schützenhaus auf dem Guggenbühl. (Bild: Reto Martin)

Zu nahe am Wald und zonenfremd. Das gab dem alten Müllheimer Schützenhaus den Todesstoss. Seit vergangenem Jahr gehört der gut hundertjährige Schützenstand im Guggenbühl wieder der Gemeinde. Der Schützenverein hat es schon Ende 2017 verlassen, er schiesst gemeinsam mit Wigoltingen und Illhart in der Schiessanlage Heckemos.

Die drei Vereine haben sich auf Anfang Jahr zusammengeschlossen (unsere Zeitung berichtete). «Auf Ende Jahr haben die Müllheimer Schützen das Schützenhaus im Guggenbühl fertig geräumt», sagt Gemeindepräsident Urs Forster. In der Zwischenzeit hat der Gemeinderat geprüft, was mit der Liegenschaft geschehen soll.

Denkmalpflegerisch bemerkenswert

1897 erstellte die damalige Müllheimer Schützengesellschaft den Bau. Im Hinweisinventar des Thurgauer Amts für Denkmalpflege wird der «gestreckte, bretterverschalte Giebeldachbau» als bemerkenswert eingestuft. Doch eine Zukunft hat das Schützenhaus an diesem Standort dennoch keine. Also bleibt nur noch die Variante Abbruch. Das ist das Fazit des Müllheimer Gemeinderates aus den Rückmeldungen des kantonalen Amts für Raumentwicklung und des Thurgauer Forstamts.

Urs Forster, Gemeindepräsident von Müllheim (Bild: PD)

Urs Forster, Gemeindepräsident von Müllheim (Bild: PD)

«Die Baute steht in der Landwirtschaftszone. Da hat der Kanton das Sagen», sagt Gemeindepräsident Forster. Er hat die Müllheimer Bevölkerung unlängst in der Dorfzeitung «Impuls» über den Entscheid des Gemeinderates informiert. Weder eine Umnutzung des Schützenhauses zu einem Wohnhaus noch eine gewerbliche Nutzung sehen die beiden Ämter als sinnvoll und legal an.

Obacht, umstürzende Bäume

Das Grundproblem stellt dabei die Nähe zum Wald dar. Weil die südwestliche, am besten besonnte Seite innerhalb des Waldabstandes von 25 Metern liege, sei die Wohnhygiene nicht gewährleistet. Ausserdem entstehe ein zu grosses Haftungsrisiko, weil das Gebäude (und damit seine Bewohner) der Gefahr umstürzender Bäume ausgeliefert sei.

Eine Nutzung als Veranstaltungslokal oder Treffpunkt sei einerseits im Hinblick auf Lärmdämmung und Erschliessung problematisch. Andererseits sei dabei «mit einer intensiven Aussennutzung wie Grill, Musikboxen oder Abfall zu rechnen, was im Waldabstand nicht tolerierbar ist». Daher habe der Gemeinderat entschieden, das Schützenhaus abzubrechen.

Fahrplan für Abbruch steht noch nicht

Mit dem Abbruch eilt es dem Gemeinderat aber nicht, wie von Gemeindepräsident Urs Forster zu erfahren ist. «Es gibt noch keinen Fahrplan dafür», sagt Forster. Schon hätten erste Einwohner auf die Mitteilung im «Impuls» reagiert. «Es heisst, wir hätten dem Kanton die Zähne zeigen sollen», sagt er. Doch so einfach sei das ausserhalb der Bauzone nicht, auch wenn das Schützenhaus eine sogenannte altrechtliche Baute sei, die in gewissem Umfang erneuert oder ausgebaut werden könnte. «Als Jugendtreff steht das Schützenhaus auch nicht mehr zur Diskussion.»

Auch Sanierung des Scheibenstandes bringt Kosten

Ob das Gebäude abgebrochen und andernorts wiederaufgebaut werden könne, wisse er nicht. «Das hat der Gemeinderat nicht geprüft», sagt er. Klar ist, dass der Abbruch noch bewilligt und das Gesuch dazu öffentlich aufgelegt werden muss. Kosten entstehen der Gemeinde nicht nur wegen des Rückbaus des Schützenhauses. Anstehend ist auch die Sanierung des Kugelfanges der stillgelegten 300-Meter-Schiessanlage.