Tobel-Tägerschen
«Eine einmalige Chance»: Gemeinderat will mit der Bevölkerung eine generationendurchmischte Überbauung entwickeln

Der Gemeinderat von Tobel-Tägerschen lädt am kommenden Samstag zur Zukunftswerkstatt ein. Der Anlass soll die künftige Überbauung des Postackers gestalten, welchen die Gemeinde für 5,7 Millionen Franken vom Kanton erwerben konnte.

Olaf Kühne
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Der Postacker liegt in Tobel an zentraler Lage zwischen Bahngleis und Hauptstrasse.

Der Postacker liegt in Tobel an zentraler Lage zwischen Bahngleis und Hauptstrasse.

(Bild: Olaf Kühne)

«Die Jungen sind angesprochen: Welche Wohnformen wünscht Ihr Euch in zehn bis zwanzig Jahren?», schreibt Rolf Bosshard auf Facebook. Der Gemeindepräsident von Tobel-Tägerschen lädt damit zur «Zukunftswerkstatt Postacker» ein.

Mit dem Anlass vom kommenden Samstagvormittag (9–12 Uhr, Primarschulturnhalle) erfährt die Gemeindeversammlung vom Mai 2019 ihre Fortsetzung. Damals genehmigten die Stimmbürger nach intensiver Diskussion mit 71 zu 20 Stimmen den Kauf der Parzelle Postacker. Somit konnte die Gemeinde die 28'400 Quadratmeter für 5,67 Millionen Franken vom Kanton erwerben.

Erklärtes Ziel des Gemeinderates war es, und ist es immer noch, die Deutungshoheit über das Bauland an zentraler Lage mitten in Tobel zwischen Bahngleis und Hauptstrasse, in unmittelbarer Nähe des Dorfmarktes, zu erhalten. Oder besser gesagt: die Gestaltungshoheit.

Keine reine Alterssiedlung

Rolf Bosshard Gemeindepräsident Tobel-Tägerschen

Rolf Bosshard
Gemeindepräsident Tobel-Tägerschen

(Bild: Olaf Kühne)

«Wir haben die einmalige Chance, auf dieser ideal gelegenen Parzelle die Entwicklung unseres vielfältigen Dorfbildes mitzugestalten», sagte denn auch Rolf Bosshard bereits vor zwei Jahren. Nun ergänzt er im Gespräch mit unserer Zeitung: «Der Gemeinderat will an dieser zentralen Lage altersgerechtes Wohnen ermöglichen, aber keine Alterssiedlung.» Vielmehr schwebten der Behörde generationendurchmischte Wohnformen vor in einer Überbauung, in welcher auch eine Kindertagesstätte, aber auch das Gewerbe, Unterkunft finden soll.

Schliesslich seien just diese Überlegungen für den Gemeinderat auch ausschlaggebend gewesen, eine gemeindeeigene Parzelle an der weniger zentralen Höhenstrasse der katholischen Kirchgemeinde zu verkaufen, welche ihrerseits auf dem Land dereinst ihr Alterszentrum Sunnewies erweitern will.

«An unserer Zukunftswerkstatt sind selbstverständlich alle willkommen», sagt Bosshard weiter. «Weil sich aber der Zeithorizont des Projektes über mindestens ein Jahrzehnt erstreckt, würden wir uns am Samstag besonders über einerseits Junge freuen, aber auch über Bald- und Frischpensionierte, welche sich vorstellen könnten, ihr Einfamilienhaus dereinst einer jungen Familie zu verkaufen und selbst in eine altersgerechte Wohnung im Zentrum mit guter ÖV-Anbindung und Einkaufsmöglichkeiten zu ziehen.»

Nächster Schritt: Gestaltungsplan

Konkret geht es nun darum, einen Konsens zu schaffen für die Erarbeitung eines Gestaltungsplanes für den Postacker. Bis dieser rechtskräftig vorliegt, dürften noch einige Jahre vergehen, meint Rolf Bosshard. Danach soll das Areal aber nicht in einem Aufwisch überbaut werden. Vielmehr will der Gemeinderat, dass dies in mehreren Tranchen geschieht, was nicht zuletzt der Gemeindeinfrastruktur, namentlich den Werken und der Schule, ermöglichen soll, mit dem Wachstum Schritt zu halten.

«Für eine erste Tranche könnten wir gleich nach Vorliegen des Gestaltungsplanes Investoren suchen», sagt Rolf Bosshard. Die gesamte, gestaffelte Überbauung des Postackers dürfte laut dem Gemeindepräsidenten acht bis zehn Jahre dauern, also erst in den 2030er-Jahren abgeschlossen sein. Womit die Bezeichnung Generationenprojekt auf das Vorhaben gleich im doppelten Sinne zutrifft.