TKB-Millionen
Die Hoffnung stirbt zuletzt: Der Direktor des Klosters Fischingen bleibt im Rennen um die TKB-Millionen optimistisch

Geht es nach dem Bericht von Projektgruppe und Regierungsrat, soll das Kloster Fischingen bei der Verteilung der 127 Millionen aus dem Teilverkauf der Thurgauer Kantonalbank leer ausgehen. Direktor Werner Ibig sagt: «Ich will für uns argumentieren, nicht gegen andere.»

Olaf Kühne
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Das Kloster Fischingen ist ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung.

Das Kloster Fischingen ist ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung.

(Bild: Reto Martin)

«Das geht ja gar nicht!», schreibt Sabina Peter Köstli auf Facebook. Zu ihrem Beitrag verlinkt die Ettenhauser CVP-Kantonsrätin den Artikel unserer Zeitung über die Verteilung der 127 Millionen aus dem Verkauf der Partizipationsscheine der Thurgauer Kantonalbank. Als einzige Hinterthurgauer Institution hatte hierfür das Kloster Fischingen ein Projekt eingereicht – und soll nun nach dem Bericht des Regierungsrates und der Projektgruppe leer ausgehen. Ein Umstand, den Sabina Peter Köstli ebenfalls quittiert:

«Wo bleibt die regionale Verteilung der Projektgelder?»
Sabina Peter Köstli, Ettenhauser CVP-Kantonsrätin

Sabina Peter Köstli, Ettenhauser CVP-Kantonsrätin

(Bild: Andrea Stalder)

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt Sabina Peter Köstli ihren Eindruck, dass der Bezirk Münchwilen vom Kanton ganz allgemein ziemlich stiefmütterlich behandelt wird. «Die TKB-Millionen wären doch eine gute Gelegenheit gewesen, dies endlich zu korrigieren», sagt sie.

Von der angedachten Verteilung dieser Millionen ist die ehemalige Aadorfer Gemeinderätin indes nicht nur als «Hinterthurgauvertreterin» betroffen, sie ist auch Geschäftsführerin von Benevol Thurgau. «Unsere Freiwilligenorganisation hat in Zusammenarbeit mit der Ostschweizer Fachhochschuleebenfalls ein Projekt eingereicht», berichtet sie. «Damit wollten wir solidarisches Handeln nach der Coronapandemie fördern. Leider kamen wir ebenfalls nicht zum Zuge.» Überhaupt sei es auffällig, wie «bau- und infrastrukturlastig» die 14 bevorzugten Projekte seien.

Werner Ibig, Direktor des Klosters Fischingen

Werner Ibig, Direktor des Klosters Fischingen

(Bild: Reto Martin)

Gewohnt diplomatisch gibt sich hingegen Klosterdirketor Werner Ibig im Gespräch mit unserer Zeitung. Er sagt:

«Natürlich bin ich erst erschrocken, als ich erfahren habe, dass wir leer ausgehen sollen.»

Dann aber habe er sich den regierungsrätlichen Bericht genau angeschaut. «Die Projektgruppe hat eine gute technische Basis für die nun folgenden Diskussionen abgeliefert», findet Werner Ibig gar lobende Worte. «Der Bericht ist zudem sehr unpolitisch und deshalb eine gute Vorlage für die Politik.»

Diese hat sich denn auch längst eingeschaltet – nicht nur mit Facebook-Posts. «Wir stehen in einem sehr guten Kontakt mit den Hinterthurgauer Kantonsräten», sagt Werner Ibig. «Bereits im vergangenen Herbst haben sie in Frauenfeld ein Gesuch zu unseren Gunsten deponiert, welches parteiübergreifend von allen unterzeichnet wurde.» Zudem weise selbst der Regierungsrat in seinem Bericht darauf hin, dass es bei der Geldverteilung noch Spielräume gebe, die man «in der politischen Diskussion ausloten» könne. «Das ist doch eine Steilvorlage für unsere Parlamentarier», sagt Ibig.

Dabei dürfte es dem Kloster Fischingen bestimmt in die Hände spielen, dass von allen eingereichten Gesuchen nur gerade ein einziges, nämlich jenes vom Kloster, aus dem Hinterthurgau stammt. Auf faire Regionalität setzen oder gar andere, bevorzugte Projekte beurteilen will der Klosterdirektor aber nicht. «Das steht mir nicht zu», sagt er. «Ich will für uns argumentieren, nicht gegen andere.»

Und das tut er denn auch. Ibig erklärt, dass die Existenz des Klosters Fischingen mit dem eingereichten Projekt für vermutlich mindestens drei Jahrzehnte gesichert werden könnte. «Wir wollen das Geld nicht einfach in den Erhalt unseres Baudenkmals stecken», sagt er. «Vielmehr haben wir in unserer Anlage den Westtrakt, der aufgrund seines Zustandes nicht nutzbar ist. Mit unserem Projekt könnten wir ihn so sanieren und ausbauen, dass sich die Eigenwirtschaftlichkeit unseres ganzen Hauses klar verbessern würde.» Weiter gibt Ibig zu bedenken, dass das Kloster Fischingen mit seinen 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und seinem jährlichen Umsatz von 12 Millionen Franken schon jetzt ein bedeutender regionaler Wirtschaftsfaktor sei.

«Ich höre fast täglich von unseren Besucherinnen und Besuchern, dass unsere Perle unter den Bundesdenkmälern unbedingt förderungswürdig ist», sagt Ibig. «Die meisten sind dann aber sehr überrascht, wenn sie hören, dass wir keine regelmässigen Gelder vom Staat beziehen.» Entsprechend optimistisch sei er, dass sich in der politischen Diskussion das Blatt doch noch zugunsten des Klosters Fischingen wenden werde. Und schliesslich: «Ausserdem steht im kommenden Jahr ja noch eine Volksabstimmung über die Gelderverteilung an.»

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