Tierisch bis ernst: Galerie Kirchgasse in Steckborn zeigt Bilder von Berliner Künstlerpaar Birgit Megerle und Robert Müller

Tiere, Kinder, Tierkinder: Die Galerie Kirchgasse in Steckborn überrascht mit einer Doppelausstellung, die noch bis Ende November geöffnet ist.

Dieter Langhart
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Blick in die neue Ausstellung in der Galerie Kirchgasse.

Blick in die neue Ausstellung in der Galerie Kirchgasse.

Bild: PD

Erst die gute Nachricht: Die Galerie Kirchgasse zeigt weiterhin Kunst, wenn auch ohne Vernissagengedränge. Die schlechte Nachricht: Der Umsatz sei wegen der Coronapandemie in den Keller gerasselt, sagt Galerist Erich Hausammann. Vor allem Institutionen wie Museen, Versicherungen, Banken seien zurückhaltend.

Erich Hausammann, Leiter Galerie Kirchgasse, Steckborn.

Erich Hausammann, Leiter Galerie Kirchgasse, Steckborn.

Bild: Dieter Langhart
«Die Kuratoren kommen zwar vorbei, aber sie treffen noch keine Entscheidungen für Ankäufe.»

Dank tiefer Fixkosten und jährlich zunehmender Umsatzzahlen komme die Galerie, eine Familien-GmbH, aber nicht ins Schlingern.

Raffiniertes Ausloten der Themen

Die aktuelle Ausstellung an der Kirchgasse in Steckborn bestreitet ein Künstlerpaar aus Berlin: Birgit Megerle und Robert Müller, beide in den Vierzigern und mit beachtlichen Ausstellungsnachweisen. «Enfanterie» ist eine neckische Mischung aus «ménagerie» und «enfant», die beiden Künstler loten ihr Thema raffiniert, aber unterschiedlich aus. Und wie gewohnt ist die Ausstellung nicht überfrachtet wie in andern Galerien – hier können die kleinformatigen Werke atmen.

Birgit Megerle: «Care II», 2020.

Birgit Megerle: «Care II», 2020.

Bild: PD

Birgit Megerle malt Tiermütter mit ihrem Nachwuchs, eine Ente und ihre Küken – spezifisch für die Kirchgasse – und eine Bache und ihre Frischlinge. Die Werktitel «Care I» und «Care II» meinen die Fürsorge, während ihr drittes Bild «Milk», ein Porträt ihres Bruders, eine Brücke zwischen Säugen und Erwachsenwerden schlägt; die Assoziation «Milchgesicht» mag aufscheinen.

Porträts von Rousseau, Saint-Simon oder Darwin

Robert Müller: «Untitled», 2020.

Robert Müller: «Untitled», 2020.

Bild: PD

Robert Müller malt mit Pastell und Wasserfarbe auf Holz: kleine, quadratische Porträts von historischen Personen wie Rousseau, Saint-Simon oder Darwin – doch ihre Gesichter sind jung, nicht wie wir sie kennen. Fantastischer, geheimnisvoller wird Müller beim Bub, der sich als Vampir verkleidet, und bei der Frau, die Widderhörner trägt wie ein Faun. Und traurig blicken die Augen des mit wenigen Strichen angedeuteten Hundekopfes.

Birgit Megerle und Robert Müller hinterfragen auf unterschiedliche Weise Begriffe und Konzepte wie Kindheit, Erinnerung, Übergänge zwischen Lebensaltern, Lebenshaltungen. Sie tun dies ernsthaft und bisweilen ironisch: So hängt eine alte Kindertrommel wie ein Gag wehmütig an der Wand, und ein Clowngesicht lacht aus dem Fenster des Lagers nebenan die Passanten draussen an. Und ist da nicht vorhin der Marionettenschnitzer Geppetto vorbeigehuscht, der in seiner Einsamkeit den Pinocchio schnitzte, die Holzpuppe, die davon träumte, dass aus ihr ein echter Bub werde?

Galerie Kirchgasse: «Enfanterie». Do/Fr 11 bis 18, Sa 10 bis 17Uhr, noch bis 28.November. www.kirchgasse.com