Thurgauerinnen organisieren Frauenstreik – und wer nicht streiken kann, trägt Violett und Buttons

Die Frauenzentrale Thurgau und der Berufsverband Pflege Ostschweiz organisieren gemeinsam den Frauenstreik im Kanton. Regierungspräsident Jakob Stark wird eine Sammlung an Forderungen entgegennehmen.

Larissa Flammer
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Organisieren gemeinsam den Frauenstreik: Edith Wohlfender, Eliane Wenger, Annina Villiger, Antonella Bizzini und Heidi Heine. (Bild: Andrea Stalder)

Organisieren gemeinsam den Frauenstreik: Edith Wohlfender, Eliane Wenger, Annina Villiger, Antonella Bizzini und Heidi Heine. (Bild: Andrea Stalder)

Der Frauenstreik im Thurgau beginnt am Mittag. So haben auch diejenigen die Möglichkeit teilzunehmen, die bei der Arbeit nicht fehlen können. Lehrerinnen zum Beispiel dürfen den Unterricht nicht einfach ausfallen lassen.

Annina Villiger, Präsidentin der Frauenzentrale Thurgau, weiss auch von der Chefin einer Kinderkrippe, die mit ihren Angestellten gerne gestreikt hätte:

«Doch sie kann die Krippe nicht einfach schliessen, weil darunter die Mütter leiden würden – und eben nicht die Väter.»

Das ist genau der Punkt, an dem sich die Frauenzentrale stört: Die tatsächlich Gleichstellung der Geschlechter sei in vielen Teilen der Gesellschaft noch nicht realisiert, obwohl die Verfassung diese garantiere.

Maximal 50 Prozent Männer in Kaderstellen

Gemeinsam mit dem Berufsverband Pflege Ostschweiz organisiert die Frauenzentrale am 14.Juni den Frauenstreik im Thurgau. Vom Berufsverband Pflege ist Geschäftsführerin Edith Wohlfender dabei: «Ich habe die Dynamik miterlebt, die der Frauenstreik in St.Gallen auslöst und dachte mir, im Thurgau muss auch etwas passieren.» Als SP-Kantonsrätin ist es ihr zudem ein Uranliegen, dass Frauen Familie und Job unter einen Hut bringen.

Um Punkt 12 Uhr mittags werden sich die Frauen vor dem Regierungsgebäude in Frauenfeld treffen und Jakob Stark einen Forderungskatalog übergeben. Annina Villiger sagt:

«Er freut sich und hat uns schon viel Erfolg für den Anlass gewünscht.»

Willkommen sind alle – auch Männer. Das Rahmenprogramm wird Kurzansprachen enthalten, eventuell auch etwas Musik. Nach dem Mittag reisen die Streikteilnehmer mit dem Zug nach Weinfelden und anschliessend weiter nach St.Gallen, um dort am Marsch und der Kundgebung teilzunehmen.

Schon 1991 beim Frauenstreik mit dabei

Eliane Wenger von der Frauenzentrale hat das Engagement zum Frauenstreik angestossen: «Ich war 1991 schon dabei.» Sie sieht bei ihren Töchtern, welche Schwierigkeiten berufstätige Mütter haben und auch bei ihrer Arbeit an der Kanti Frauenfeld fällt ihr auf, dass Frauen bei der Berufswahl auf die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit achten.

Auch Antonella Bizzini, Geschäftsleiterin der zur Frauenzentrale gehörenden Infostelle Frau und Arbeit, hat schon 1991 gestreikt:

«Damals war es für mich noch eine eher theoretische Angelegenheit. Jetzt, nach so vielen Jahren in der Frauenstelle, sehe ich das anders.»

Sie stellt einige der Forderungen vor: Anspruch auf Teilzeitarbeit in der kantonalen Verwaltung bei Mutter- oder Vaterschaft, besserer rechtlicher Schutz bei sexueller Belästigung oder eine Männerquote von maximal 50 Prozent für Kaderstellen.

Weitere Forderungen präsentiert Heidi Heini im Namen der Grünen Frauen Thurgau: Arbeitgeber sollen neue Familienmodelle aktiv fördern und der Kanton Thurgau soll Geburtshäuser per sofort auf die Spitalliste aufnehmen.

Mehr Frauen in National- und Kantonsrat

Ein Zeichen setzen könne am Frauenstreiktag jede und jeder, und wenn es nur durch die Farbe Violett sei, sagt Heine. Wohlfender kündigt an: «Wir werden auch in einigen Städten für violette Akzente sorgen.» Die Mitglieder des Berufsverbands Pflege erhalten zudem Buttons mit der Aufschrift «Stellen Sie sich vor, ich würde heute streiken», die sie während der Arbeit tragen können. Auch die Frauenzentrale wird Buttons verteilen.

Wie viele Personen nach Frauenfeld kommen werden, kann Villiger nicht sagen. Noch sei die Resonanz nicht so gross. «Ich habe aber das Gefühl, alle sind ein bisschen in den Startlöchern. Es wird sich noch was tun.» Etwas verändern soll sich auch nachhaltig, indem mehr Frauen in den National- und Kantonsrat gewählt werden – angestossen durch den Frauenstreik.

Hinweis: www.frauenzentrale-tg.ch

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