Thurgauerin ist die neue Chefin der Hallwilersee-Ranger: Wegen Corona und der vielen Menschen gibt es dort für sie viel zu tun

Der Rangerdienst gefällt Murièle Jonglez so gut, dass sie eine eigene Firma in diesem Bereich gegründet hat. Seit diesem Jahr ist die Thurgauerin aber auch die Chefin der Hallwilersee-Ranger im Kanton Aargau. Wegen der Auswirkungen von Corona ist sie stark gefordert. Manche Besucher hätten nicht genügend Respekt vor der Natur.

Anja Suter
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Am Hallwilersee: Chef-Rangerin Murièle Jonglez aus dem Thurgau und ihr Hund Slash sind ein eingespieltes Team.

Am Hallwilersee: Chef-Rangerin Murièle Jonglez aus dem Thurgau und ihr Hund Slash sind ein eingespieltes Team.

Bild: Chris Iseli

Wenn Murièle Jonglez als Rangerin am Hallwilersee im Grenzgebiet zwischen Luzern und dem Aargau unterwegs ist, ist sie nie allein. Immer an ihrer Seite: Australien Shepherd Slash. Anfang dieses Jahres hat Jonglez die Leitung der Hallwilersee-Ranger übernommen.

Für die 40-Jährige ist es nicht die erste derartige Stelle: «Ich war von 2017 bis 2019 Leiterin vom Rangerdienst in der Rheinschlucht», sagt die Thurgauerin. Damals habe es ihr «den Ärmel reingenommen». Es gefiel ihr gar so gut, dass sie sich im vergangenen Jahr selbstständig machte und ein Privatunternehmen für Rangerdienste gründete. Im letzten Herbst sah Jonglez dann die Stellenausschreibung für die Leitung der Hallwilersee-Ranger. «Alles hat gepasst. Ich war auf der Suche nach einer weiteren Herausforderung neben meiner Firma und kannte Ranger Peter Wyss schon als Mitglied vom Verband Swiss Rangers.»

Für die Arbeit als oberste Rangerin am Hallwilersee pendelt Jonglez nun regelmässig gemeinsam mit Slash zwischen ihrem Bündner Wohnort Riein (bei Ilanz) und dem Aargau. «Da mein Partner in Maschwanden wohnt, lässt sich das gut verbinden», sagt sie.

Abfall landet vermehrt in der Natur

Am Hallwilersee teilen sich zur Zeit sechs Ranger eine 100-Prozent-Stelle. Vor allem wegen Corona sind die Ranger gefordert. «Bei gutem Wetter hatte es sehr viele Besucher rund um den See», sagt die Chef-Rangerin. Deshalb gab es auch häufiger Verstösse. «Es hat momentan vermehrt Abfall, der nicht im Kübel, sondern in der Natur landet», berichtet Jonglez.

«Viele begreifen nicht, dass Tiere den Abfall fressen oder sich darin verwickeln können und dann qualvoll verenden.»

Das Thema Littering macht die Rangerin wütend. «Ich frage mich immer, ob diese Leute ihren Abfall bei sich zu Hause auch einfach im Wohnzimmer liegen lassen.»

Das Verlassen der Wege ist ein grosses Problem für die Tiere

Neben den Abfallsündern haben die Ranger auch viele Velofahrer rund um den See getroffen, «obwohl ein Fahrverbot herrscht». Mehr Verstösse gab es auch bei den Hundebesitzern, die ihre Vierbeiner nicht an der Leine führten, und von Personen, die gegen das Wegegebot (die Auflage, auf den offiziellen Wegen zu bleiben) verstiessen.

Murièle Jonglez.

Murièle Jonglez.

Bild: Chris Iseli

«Ich habe das Gefühl, dass die Menschen teilweise den Bezug zur Natur verloren haben», sagt Jonglez. Wegen des Verlassens von offiziellen Wegen komme es oft vor, dass die Besucher in Naturschutzgebiete eindringen und dort die Tiere stören. «Vor allem in der Brutsaison ist das für die Tiere ein grosses Problem», sagt sie.

«Ich verstehe, dass vor allem jetzt ein grosses Bedürfnis besteht, raus in die Natur zu gehen. Manche Besucher haben aber ein falsches Verständnis von Natur und nicht genügend Respekt davor.»

Dem oft gehörten Argument, dass man als Einzelperson nicht viel ausrichten könne, widerspricht die Rangerin vehement. «Jede Person, die sich an die Regeln hält, ist ein gutes Vorbild für die restlichen Besucher am See.» Ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Natur sei möglich. «Aber wenn wir keine Rücksicht nehmen, gibt es in Zukunft keinen Naherholungsort mehr, der besucht und genossen werden kann.»

Auskunft geben zu können gehört zu den schönsten Momenten

Auch wenn die Arbeit als Ranger nicht immer einfach ist, bleibt sie für Jonglez ein Traumjob. Vor allem dann, wenn sie den Besuchern des Sees die Natur und ihre Bewohner näherbringen kann. «Wenn ich Jemandem etwas zeigen kann, das er bisher noch nicht wusste, gehört es zu den schönsten Momenten des Tages. Von denen zehre ich lange», sagt sie.

Es kommt vor, dass Personen gezielt auf die Ranger zugingen, um ihnen Fragen rund um den See zu stellen. «Ich würde mir wünschen, dass dieses Angebot noch viel mehr genutzt wird.» Für Personen, die ihre Freizeit am Hallwilersee verbringen, hat die Rangerin einen Tipp: «Einfach mal innehalten, beobachten und zuhören. Der Hallwilersee hat viel zu bieten.»