Thurgauer Waldeigentümer sollen Waldränder wuchern lassen

Der Kanton Thurgau könnte seine verhältnismässig geringe Waldfläche ausweiten, wenn die Waldeigentümer auf Roden am Rand verzichten.

Thomas Wunderlin
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Waldrand zwischen Kreuzlingen und Schwaderloh: Seit 2013 gelten Waldgrenzen rechtlich als fest.

Waldrand zwischen Kreuzlingen und Schwaderloh: Seit 2013 gelten Waldgrenzen rechtlich als fest.

Reto Martin

Im Kanton Thurgau besteht nach Ansicht des Regierungsrats an verschiedenen Orten Potenzial, die Waldfläche zu vergrössern. So gibt es 3000 Kilometer Waldrand. Wenn die Grundeigentümer und Bewirtschafter bei einem Drittel davon einen zusätzlichen Waldstreifen von 20 Metern wachsen liessen, ergäbe das gegenüber heute 10 Prozent mehr Waldfläche.

Diese wäre «landschaftlich und vor allem ökologisch wertvoll», schreibt der Regierungsrat in der Beantwortung einer Anfrage von Lucas Orellano (GLP, Frauenfeld). Zusätzliche Waldfläche könne einen Beitrag an die CO2-Reduktion leisten, wobei Holz am Ende des natürlichen Lebens die aufgenommene Menge CO2 wieder abgebe. Wälder säuberten die Luft ausserdem von Feststoffpartikeln und Schadstoffen.

Zweikleinster Waldanteil aller Kantone

Mehr Bäume wachsen könnten laut Regierungsrat auch an steilen Wiesenborden, an Bachläufen oder auf den Vorländern der Thur. Zu diskutieren seien solche Massnahmen bei Revitalisierungsvorhaben oder im Rahmen von Ökoprojekten.

Der Thurgau hat mit 21 Prozent Waldfläche den zweitkleinsten Waldanteil aller Kantone. Im Schweizer Durchschnitt sind es 31 Prozent. Zu verdanken ist dies laut Orellano vor allem den Süd- und Alpenkantonen, die ihren Waldanteil von 1985 bis 2009 um 9 bis 10 Prozent erhöht hätten.

Regierungsrat hält an statischer Waldgrenze fest

Im Gegensatz zum Vorschlag von alt Kantonsrat Orellano will der Thurgauer Regierungsrat das Waldgesetz nicht ändern. Denn erst vor wenigen Jahren, nämlich 2013, habe die Schweiz einen Systemwechsel von der dynamischen zur statischen Waldgrenze vorgenommen. Seither dürfen Bäume ausserhalb dieser Grenze ohne Bewilligung gerodet werden. Grundeigentümer stehen nicht mehr unter Druck, eingewachsene Waldränder zurückzuschneiden, nur um zu verhindern, dass das Gebiet rechtlich für immer Wald wird.

Der Thurgau hatte die statischen Waldgrenzen laut Regierungsrat als erster Kanton flächendeckend eingeführt, um Rechtssicherheit zu schaffen. Im Alltag habe sie keine grossen Auswirkungen gehabt, weil sich der Wald im Thurgau aufgrund der intensiven landwirtschaftlichen Bewirtschaftung nie habe ausbreiten können.