Coop sagt «Tschüss» zu den Thurgauer Turnern - Sponsoring gibt es künftig nur noch bei Einzelanlässen

Dem Turnverband geht ein Hauptsponsor verloren. Die Verantwortlichen müssen nun ihre Finanzen überdenken und ein Loch in der Kasse stopfen. 

Manuela Olgiati
Hören
Drucken
Teilen
Impressionen vom Schlussakt am Thurgauer Kantonalen Turnfest 2018 in Romanshorn.

Impressionen vom Schlussakt am Thurgauer Kantonalen Turnfest 2018 in Romanshorn.

Reto Martin

Als «Fest der Superlative» ist dem Thurgauer Turnverband das Eidgenössische Turnfest in Aarau noch präsent. Das Mitmachen an Turnanlässen ist für die grosse Turnerfamilie das eine. Leistungen mit Präsenten zu würdigen, ist das andere. Doch Verbandspräsident Philipp Schwager musste an der Abgeordnetenversammlung in der Unterseehalle Berlingen bekannt geben:

«Unser Hauptsponsor Coop hat überraschend den Vertrag nicht verlängert. Nach 16 Jahren Partnerschaft trifft uns das hart.»

Der Verband werde die Sponsoringsituation neu überdenken, es wird eine Kommission gebildet. Der Antrag aus den Reihen der Abgeordneten für eine Vertragsanpassung des Sponsorings wurde abgelehnt. 52 Anwesende wollten ab 2021 keine Sponsorenverträge mehr abschliessen, die zu einem Warenbezug verpflichten. 131 Abgeordnete stimmten gegen diesen Antrag.

Für den Verband bedeutet das Ende des 17-jährigen Vertrages eine grosse finanzielle Unsicherheit.

«Wir stehen vor einer völlig neuen Situation», sagt Schwager gegenüber FM1today. Der Sponsoringvertrag mit Coop läuft Ende 2019 aus, wie der Detailhändler bestätigt. Konkret fehlen im Kässeli des TGTV künftig 45'000 Franken pro Jahr. Im neuen Jahr wolle der Turnverband auf neue Sponsoren zugehen. Coop will sich nicht generell vom Turnsport distanzieren. Man woll vermehrt Anlässen unterstützen. Die Thurgauer Vereinsmeisterschaft, der Jugendturntag Oberthurgau sowie der kantonale Jugendspieltag Korbball würden sicher unterstützt. Aktuell seien keine Anlässe in Gefahr.

Der Thurgauer Turnverband feiert 2022 das 150-Jahr-Jubiläum. In Feststimmung sind wir derzeit noch nicht», sagte Präsident Schwager. Viele Aufgaben stehen an für die Turnvorstände. Nebst Rücktritten von Funktionären beschäftigen unbesetzte Ämter. Schwager wurde an der Versammlung als Präsident einstimmig wiedergewählt – genau wie der Vorstand. Weiter vakant bleibt jedoch der Sitz des Leiters Spielbetrieb. «Wenn sich weiterhin niemand meldet, werden wir die Aktivitäten herunterschrauben müssen», sagte der Präsident. Dies würde die Qualität massiv beeinflussen.

Die Kommissionen Wettkämpfe und Xund&Fit werden wegen mangelnder Nachfrage und Rücktritten aufgehoben. Das Ressort 35+ wird per 1. Januar 2020 neu organisiert. Die insgesamt 235 stimmberechtigten Abgeordneten genehmigten am Wochenende sowohl Budget als auch Rechnung einstimmig. Für die Rechnung 2018 gab Kassier Richard Ehrat einen Gewinn von 22657 Franken bekannt.

Das Budget 2020 ist mit einem Defizit von 32900 Franken veranschlagt. Weiter wurde den Abgeordneten die neue Turnbekleidung in den Thurgauer Farben vorgestellt.

Turner helfen Kunstturnern auf die Beine

Die Zahl der Athleten der Turnfabrik Frauenfeld ist angestiegen. Es soll in eine Erweiterung des bestehenden Gebäudes mit einem Anbau von acht Metern investiert werden. Verantwortliche der Turnfabrik stellten der Versammlung die Neubaupläne vor. Kunstturnen, Spitzensport, Geräteturnen und Turnvereine profitieren von den Angeboten des Vereins.

Der Kostenvoranschlag ist auf insgesamt 875000 Franken beziffert. 210 Abgeordnete stimmten der Kostenbeteiligung des Thurgauer Turnverbands in der Höhe von 100000 Franken zu. Acht Stimmberechtigte sagten Nein. Hanu Fehr informierte in seiner ehrenamtlichen Funktion als Mitglied des Vereinsmanagements beim Schweizerischen Turnverband über die neue Broschüre «Workbook Sportverein 2030». Darin sollen sich Vereine über die Zukunftsplanung Gedanken machen. Es sind individuell für jeden Verein nebst sportlichen Leistungen auch kreative Lösungen gefragt.