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Thurgauer Treuhänder unterlag gegen die ungarische Mafia

Das Thurgauer Obergericht bestätigt die Verurteilung eines Treuhänders, der sein Geld in der Budapester Unterwelt verloren hat. Es reduziert jedoch die bedingte Strafe leicht. Ausserdem kürzt es das Anwaltshonorar und streicht die Kopierkosten zusammen.
Thomas Wunderlin
Der Treuhänder verkaufte einen geleasten Porsche Cayenne. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Der Treuhänder verkaufte einen geleasten Porsche Cayenne. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Dass er den Renault weiterverkauft hat, ist nicht erwiesen. Sonst bestätigt das Thurgauer Obergericht den Schuldspruch gegen einen 44-jährigen Treuhänder wegen Misswirtschaft, Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsbesorgung, alles mehrfach begangen. Das Bezirksgericht Kreuzlingen verurteilte den Thurgauer deswegen am 22. November 2017 zu 12 Monaten bedingt. Der Sohn eines ehemaligen Kaderangehörigen der Kantonspolizei Thurgau arbeitete nach einer kaufmännischen Lehre unter anderem als Zivilangestellter der Kantonspolizei.

Ab 2002 nahm er im eigenen Namen und für zwei von ihm gegründete Firmen Darlehen von Privaten in zum Teil beträchtlicher Höhe auf. Dabei versprach er Renditen bis zu Monatszinsen von 10 Prozent. Einen grossen Teil zahlte er nie zurück. Nach seiner Darstellung geriet er in finanzielle Not, weil ihm falsche Polizisten 2004 in Budapest Forint im Wert von 800000 Franken abnahmen. Er hatte mit Devisengeschäften den ganz grossen Gewinn gesucht.

Mit gewagten Spekulationen den Bankrott riskiert

Das Obergericht geht davon aus, dass auch echte Polizeibeamte sein Geld eingezogen hätten. Mit dem leichtsinnigen Benützen von Kredit und gewagten Spekulationen habe er seinen Bankrott riskiert. Die verlorenen Forint wollte er mit Hilfe bestochener Polizisten zurückholen. Um das nötige Geld zu beschaffen, verkaufte er geleaste Autos weit unter Wert, nämlich einen Porsche Cayenne, einen Mercedes ML 270 und zwei Nissan. Im Unterschied zum Obergericht sah das Bezirksgericht auch den Verkauf eines Renault Laguna für erwiesen an.

Der Freispruch in diesem Punkt ist aber nicht der Grund, weshalb das Obergericht die Strafe auf 10 Monate reduziert. Vielmehr gelte es «zu berücksichtigen, dass das Strafverfahren wegen der Berufung weiter andauerte». Damit werde auch dem Umstand Rechnung getragen, dass das Strafverfahren inzwischen 14 Jahre laufe und der Treuhänder in dieser Zeit straffrei blieb. Allerdings hatte bereits das Bezirksgericht die lange Verfahrensdauer strafmindernd berücksichtigt.

Verrechnete Stunden reduziert

Das Obergericht unter Leitung des inzwischen in den Ruhestand getretenen Präsidenten Thomas Zweidler akzeptiert ebenso wenig wie das Bezirksgericht den Stundenaufwand, den der 2014 eingesetzte amtliche Verteidiger Otmar Kurath verrechnete. Statt 183,5 Stunden hielt das Bezirksgericht 120 Stunden für angemessen; dabei gilt ein Stundenansatz von 200 Franken plus Mehrwertsteuer. Das Obergericht kommt auf 150 Stunden bis zum erstinstanzlichen Urteil, eingerechnet die Zeit für das Studium des 200-seitigen Urteils. Für das Berufungsverfahren akzeptiert das Obergericht weitere 40 Stunden, während der Anwalt 50 Stunden aufschrieb.

Externes Kopieren wird nicht extra bezahlt

Ebenso akzeptieren beide Instanzen für das Kopieren von 9500 Aktenseiten nur 950 Franken statt 4140 Franken. Kurath hatte ein externes Kopierbüro beauftragt, da es über leistungsfähigere Maschinen verfüge als er. Es könne nicht angehen, fand das Obergericht, «dass ein Verteidiger einen Kopierauftrag extern vergibt, um selber Ressourcen zu sparen und dabei zu Lasten des Staates massiv höhere Auslagen zu generieren».

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