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Thurgauer Teddybären für die ganze Welt

Die Stofftiere von Monika Schleich kuscheln sogar in Australien.
In den vergangenen Jahren hat Monika Schleich mehr als 1000 Teddybären genäht.
Inge Staub
Monika Schleich näht seit 17 Jahren eigene Teddybären. (Bild: Donato Caspari)

Monika Schleich näht seit 17 Jahren eigene Teddybären. (Bild: Donato Caspari)

Er bringt Kinderaugen zum Leuchten: der Teddybär. Seit mehr als 100 Jahren ist er für Buben und Mädchen eine treue Seele, ein stiller Zuhörer und Wegbegleiter. Und so manches Weihnachtsfest wird durch ihn zu einem besonderen Erlebnis. Doch nicht nur die Kleinen finden Gefallen an dem Schmusegefährten. Auch Erwachsene lieben das Stofftier. Zum Beispiel Monika Schleich.

Kein Bär sieht aus wie der andere

Die 58-Jährige sitzt an der Nähmaschine in ihrem Arbeitszimmer in Kradolf und steuert gekonnt den Nähfuss über den weichen Stoff. Spulen mit Fäden in allen Farben türmen sich am Tischrand. Am Fenster sitzen Aglaja, Seppl und Santa Clausi und blicken mit schwarzen Kulleraugen in die Thurgauer Landschaft. Die drei Bären sind besondere Stofftiere. Monika Schleich hat sie selbst genäht. Bären nähen ist seit 17 Jahren ihr Hobby. Sie nimmt auch Aufträge entgegen. «Ich habe eine Kundin in Australien, diese hat schon zwölf Bären bei mir bestellt», erzählt Monika Schleich. Die Schnittmuster entwirft sie selbst. «So sieht kein Bär wie der andere aus.»

Die Bären fertigt die Näherin aus hochwertigen Materialien wie Steiff-Schulte-Mohairwolle für das Fell, die sie aus Deutschland bezieht. Gefüllt wird das Tier mit reiner Watte, Holzwolle oder Mohair-Watte. Die Augen sind aus Glas. «Die schwarzen Augen mit dem weissen Rand sind mein Markenzeichen», sagt Monika Schleich. Denn diese Augen schauen den Betrachter an. «Ihre Bären haben eine Seele», begründete ein Kunde aus Korea, weshalb er seinen Auftrag für 20 Pandabären nicht an einen kommerziellen Hersteller vergeben wollte.

Ruhestand jenseits der Grenze

Drei Tage, manchmal eine Woche arbeitet Monika Schleich an einem Stofftier. Für dieses verlangt sie zwischen 80 und 200 Franken. Zurzeit hat sie die Bärenproduktion etwas gedrosselt, denn die Bärenliebhaberin hat noch einen Broterwerb. Sie ist Bürovorsteherin im Ingenieurbüro ihres Mannes. Dieses liegt nicht gerade um die Ecke, sondern 300 Kilometer entfernt im deutschen Ludwigshafen am Rhein. «Mittlerweile erledige ich vieles im Home-Office und spare mir die Fahrerei», sagt die gebürtige Pfälzerin.

Sammlung in Basel

Mit über 2500 alten Teddybären ist die Sammlung im Museum Spielzeug Welten in Basel die umfangreichste der Welt. Ein beachtlicher Teil der Sammlung ist Margarete Steiff, der berühmten Teddybärenfabrikantin, und ihren Bären mit dem legendären Knopf im Ohr gewidmet. Absolute Raritäten sind die über 100 Jahre alten PB-Modelle, die als Stammvater der Teddybären angesehen werden. Steiffs Neffe Richard hatte 1902 den «Bär 55 PB» entworfen, den weltweit ersten Plüschbären mit beweglichen Armen und Beinen. Der Durchbruch gelang, als ein amerikanischer Händler den Bären entdeckte und davon 3000 Exemplare bestellte. Es begann ein beispielloser Verkaufserfolg in den USA, ab 1906 unter dem Namen Teddybär – benannt nach dem amerikanischen Präsidenten Theodore «Teddy» Roosevelt. (ist)
www.spielzeug-welten-museum-basel.ch

Sie und ihr Mann haben vor zweieinhalb Jahren ihre Heimat Rheinland-Pfalz verlassen und sind in den Thurgau ausgewandert. «Wir lieben die Schweiz», begründet die Deutsche ihre Entscheidung. Das Ehepaar ist fasziniert von den Bergen, der Thurgauer Landschaft und dem Bodensee-Ufer. Und so beschloss es, den Ruhestand jenseits der Grenze zu verbringen. Sie hätten sich bereits gut eingelebt in Kradolf und auch schon Freunde gefunden.

Die ganze Welt hat Freude an Stofftieren

Monika Schleich gibt auch Kurse zum Bären nähen. Wer Bären nähen lernen will, muss an einem ihrer Kurse teilnehmen, denn ihr Buch «Teddybären selber nähen» ist bereits vergriffen. Es ist sogar ins Russische übersetzt worden. Als sie noch in Deutschland lebte, entwarf sie für Fachzeitschriften Teddybären-Schnittmuster. Etliche ihrer Entwürfe erhielten erste Preise. In den vergangenen Jahren hat Monika Schleich mehr als 1000 Teddybären genäht. Ihr Lieblingsbär ist ihr allererster. Das weisse kleine Stofftier ist etwas unförmig, aber sympathisch. Das Schwierigste an ihrem Hobby sei, das Gesicht zu gestalten. Die Nase müsse schön, die Augen und Ohren müssten gleichmässig angenäht sein.

Aufs Bären nähen kam Monika Schleich durch Zufall. Sie arbeitete als kaufmännische Angestellte in einem Architekturbüro. Im Zuge einer Entlassungswelle verlor sie 2000 ihren Job. Sie drückte daraufhin wieder die Schulbank und bildete sich weiter. «Eines Tages brachte eine Kollegin einen Korb voller selbst genähter Bären mit in die Schule», erzählt Monika Schleich. «Ich war hin und weg.» Sie bat die Kollegin, ihr zu zeigen, wie man Stofftiere näht und nahm in den Pausen Stoff, Garn und Nadel in die Hand.

«Seither hat mich das Nähen von Teddybären nicht mehr losgelassen.»

Seppl blieb in Kradolf

Freude an ihren Stofftieren haben auch ihre Kunden aus aller Welt. Es bestellen sowohl Frauen auch als Männer. Die Kunden seien entweder Sammler oder hätten die Absicht, ihrer Freundin oder ihrem Freund ein besonderes Geschenk zu machen. Dies kann auch mal schief gehen. So bestellte eine Frau einen Stoffbären bei Monika Schleich. Dieser sollte ein T-Shirt tragen mit der Aufschrift «Seppl». Diesen Bären wollte die Frau ihrem Freund zum 50. Geburtstag schenken. Doch als das Stofftier fertig war, rief sie weinend an. Der Mann habe sie verlassen. Seitdem leistet Seppl den Schleichs Gesellschaft. Eher selten werden Bären für Kinder bestellt. Obwohl ihre Kreationen kindgerecht sind. Man kann nichts abreissen. Die Augen sind fest vernäht. Arme, Beine und Kopf lassen sich drehen. Ihr Sohn war schon erwachsen, als sie ihr Hobby aufnahm. Sie hat ihm jedoch vor einigen Jahren seinen Kindheitsteddy restauriert.

Monika Schleich hat keine Kindheitserinnerungen an Teddybären. Unter ihrem Weihnachtsbaum lag nie ein Bär aus Stoff. Vielleicht hat sie deshalb die Tiere mit den schwarzen Knopfaugen, den dicken Tatzen und der Stupsnase ins Herz geschlossen. Seit 17 Jahren gibt es auch für Monika Schleich kein Weihnachten mehr ohne Teddy.

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