In der Warteschlange zum Mars: Der Thurgauer Steve Schild lässt sich von einem Konkurs nicht beirren

Die Marsmission verzögert sich immer weiter. Nun ist die Firma, welche die Vermarktungsrechte besitzt, Konkurs gegangen. Steve Schild lässt sich davon nicht beirren. Er bereitet sich seit sechs Jahren auf die Mission vor.

Dinah Hauser
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Steve Schild hält sich fit für die angestrebte Marsmission. (Bild: Mario Schneider/Sarto Photography)

Steve Schild hält sich fit für die angestrebte Marsmission. (Bild: Mario Schneider/Sarto Photography)

Den roten Planeten zu besiedeln ist Steve Schilds Traum. Er könnte nun aber nicht mehr so rosa aussehen. Denn seit Mitte Januar läuft ein Konkursverfahren gegen die Firma Mars One Ventures AG mit Sitz in Basel, wie der «Landbote» berichtet.

Steve Schild – aufgewachsen in Romanshorn, nun wohnhaft in Elgg – weiss vom Konkurs, ist aber nicht beunruhigt. Denn nicht das Merchandising Unternehmen, sondern die Stiftung sei für die Mission zuständig. «Ich habe regelmässig Kontakt mit der Stiftung Mars One», sagt er auf Anfrage. Sie habe ihm mitgeteilt, dass die Kandidaten der Marsmission nicht vom Konkurs betroffen seien. «Denn die Stiftung ist zuständig für die Auswahl und Ausbildung der Kandidaten.»

«Sich fit zu halten, ist eine grosse Herausforderung»

Seit der Ernennung der 100 Mars-One-Kandidaten, zu denen Schild als einziger Schweizer gehört, sind vier Jahre vergangen. Auf der Website der Stiftung heisst es, dass nun Runde drei des Selektionsprozesses (siehe Zweittext unten) vorbereitet und Lokalitäten dafür gesucht würden.

Der Start der ersten Rakete ist derzeit auf 2031 angesetzt. Dann wäre Steve Schild Mitte vierzig. «Das ist eine grosse Herausforderung, sich so lange fit zu halten», sagt Schild. Die Ernährung spiele mit zunehmendem Alter eine wichtigere Rolle.

«Ich achte darauf, dass ich viel Sport treibe und auch genug schlafe.»

Wird man bei einer so langen Wartezeit nicht ungeduldig? «Im Gegenteil», sagt Schild, «ich nutze die Zeit, um mich weiterzubilden und meine anderen Projekte zu verfolgen.» Von diesen hat er jedenfalls genug: Ein autobiografischer Roman, ein Computerspiel sowie eine vierteilige Romanserie sind in Planung; ein Escape Room in Frauenfeld und der erste Teil der Serie mit Artbook sind bereits Realität.

Von der Stiftung erhalte Schild keine Unterstützung; die Promotion übernehme er selbst.

«Ich habe seit 2016 mehr als 20'000 Franken investiert – alles vom Ersparten finanziert.»

Er könne dabei auch auf sein Netzwerk und seinen Freundeskreis zählen. Schild ist zuversichtlich, was den Bücherverkauf betrifft: «Dieses Jahr knacke ich die 1000er-Grenze», sagt Schild, der mit all seinen Projekten und Vollzeit-Beruf eine disziplinierte Planung einhalten muss.

Ausbildung auf der ganzen Welt

Sollte Schild tatsächlich zu den 24 Auserwählten zählen, so müsste er die Ausbildung an Orten auf der ganzen Welt absolvieren. «Geplant ist, dass wir viel reisen. Die Familie darf dann aber noch dabei sein», sagt Schild. Seine Frau sei auch angetan von der Idee, andere Länder und Kulturen kennenzulernen.

Spätestens aber beim Start der Rakete müsste sich Schild von seiner Familie trennen. Er ist Vater einer 2-jährigen Tochter und das zweite Kind soll bald zur Welt kommen. Schild sagt:

«Klar wird die emotionale Bindung stärker. Aber ich bin immer noch davon überzeugt, dass ich den Schritt wagen werde.»

Die Menschheit brauche neuen Lebensraum. Und falls die Erde unbewohnbar wird, wolle er seinen Kindern einen Zufluchtsort ermöglichen.

Falls die Mission nicht zustande kommt, oder Schild aus gesundheitlichen Gründen nicht mitgehen kann, «dann stelle ich mich als Supporter mit meinem Wissen zur Verfügung oder ich suche mir ein anderes Projekt».

Marsmission – Die Reise ohne Wiederkehr

Das Ziel von «Mars One» ist es, den roten Planeten zu besiedeln. Die erste Runde des Auswahlverfahrens für Astronauten begann im Jahr 2013. Mittlerweile läuft Runde drei. Die 100 verbleibenden Kandidaten erwartet gemäss Website Gruppenherausforderung im Innen- und Aussenbereich. Damit sollen ihre Fähigkeiten getestet werden.

Steve Schild habe bereits elf Dokumente mit je bis zu 50 Seiten von der Stiftung Mars One erhalten. Diese befassen sich beispielsweise mit Politik und Herstellung von Nahrung auf dem Mars und dienen zur Vorbereitung zur dritten Runde.

Nach der vierten Runde sollen dann noch bis zu sechs Gruppen bestehend aus je vier Personen verbleiben. Diese nehmen dann das Astronautentraining auf, um zum Mars zu fliegen. Im Abstand von zirka zwei Jahren sollen die Gruppen auf die Reise ohne Wiederkehr geschickt werden. (dh)