Thurgauer Ständeratswahlen: 
Stark ist bald so stark wie Häberli


Der SVP-Kandidat Jakob Stark schafft die Wahl als Thurgauer Ständerat im ersten Wahlgang. Brigitte Häberli freut sich auf das Präsidium des Ständerats.

Thomas Wunderlin
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Jakob Stark und Brigitte Häberli freuen sich über ihre erfolgreiche Wahl. (Bild: Reto Martin)

Jakob Stark und Brigitte Häberli freuen sich über ihre erfolgreiche Wahl. (Bild: Reto Martin)

Die Thurgauer Stimmbürger bestätigten CVP-Ständerätin Brigitte Häberli im Amt. Mit ihr nach Bern fährt neu SVP-Regierungsrat Jakob Stark, der wie Häberli Jahrgang 1958 hat. Stark folgt auf den zurücktretenden Roland Eberle (SVP).

Häberli erzielte das Spitzenresultat mit 43434 Stimmen. Stark übertraf mit 37913 Stimmen das absolute Mehr von 33427 Stimmen deutlich. Weit darunter blieb die drittplatzierte Nina Schläfli (SP) mit 16568 Stimmen.

Die drei Kleinen verfehlen ihr Ziel

Häberlis Wiederwahl galt als ungefährdet. Bei Stark war nur die Frage, ob er einen zweiten Wahlgang absolvieren muss. Dies war das erklärte Ziel von SP, GP und GLP. Alle drei Parteien, die bei den Nationalratswahlen ihre Listen verbunden haben, stellten einen Kandidaten auf mit der Überlegung, so dem SVP-Vertreter am ehesten Steine in den Weg legen zu können.

Dass dies nicht gelungen ist, schreibt GP-Präsident Kurt Egger einer Allianz der SVP und der FDP zu. Die FDP habe im Gegenzug für die Listenverbindung mit der SVP auf einen eigenen Kandidaten verzichtet; andernfalls hätte es einen zweiten Wahlgang gegeben.

Schon Roland Eberle hatte es im ersten Wahlgang geschafft
Zuletzt hatte die FDP Thurgau 2011 einen Ständeratskandidaten nominiert; damals war es tatsächlich zu einem zweiten Wahlgang gekommen. Der FDP-Vertreter Max Vögeli musste sich da Brigitte Häberli geschlagen geben, die vom Nationalrat in den Ständerat wechselte. Roland Eberle, der Vertreter der stärksten Thurgauer Partei, wurde wie jetzt Stark schon im ersten Wahlgang gewählt.

Häberli liegt in allen Städten vor Stark

Häberli erzielte am meisten Stimmen in rund 60 der 80 Thurgauer Gemeinden, unter anderem in allen Städten. In den übrigen hatte Stark die grösste Gefolgschaft. Die grösste Gemeinde, in der er sie überflügelte, war seine Wohngemeinde Kradolf-Schönenberg. Nicht spürbar geschadet hat ihm offensichtlich das Plakat, mit dem die SVP Schweiz die Konkurrenz mit Würmern verglich.

«Ich bin sehr froh», kommentierte Häberli ihre Wiederwahl, «jede Wahl muss zuerst gewonnen werden.» Sie werde weiterhin den ganzen Kanton in Bern vertreten. Sie habe einen Wahlkampf «mit Augenmass» geführt. «Als Bisherige bin ich mit den Themen in Bern vertraut.» Aus Thurgauer Sicht gehören dazu insbesondere die Bodensee-Thurtal-Strasse und der Einkaufstourismus.

Als weitere wichtige Themen der nächsten Legislatur erwähnte sie die AHV-Revision, die Forderungen der OECD-Länder für eine Änderung der Firmenbesteuerung und die Energiewende. Sie werde sich für ein wirtschaftsverträgliches CO2-Gesetz einsetzen.

Sie freue sich auch über die Wahl von Jakob Stark, den sie gut kenne. Sie werde mit ihm ein starkes Team bilden wie schon mit Roland Eberle. Ob es ihr letzter Wahlkampf war – diese Frage liess die Bichelseeerin offen.

Auf den Spuren von Ständeratspräsident Hans Munz

Im Dezember 2022 wird sie voraussichtlich Präsidentin der kleinen Kammer. «Das wäre eine riesige Freude», sagte Häberli. Der letzte Thurgauer Ständeratspräsident sei Hans Munz in den 1970er-Jahren gewesen.

Das Wahlresultat entspricht weitgehend dem Ergebnis einer TZ-Umfrage (Ausgabe vom 4. Oktober). Aus Sicht von GLP-Präsident Robert Meyer verliefen die Ständeratswahlen enttäuschend: «Stark ist mit den ersten Ergebnissen der Landgemeinden davon gezogen und ward nicht mehr gesehen.»

Mit 4396 Stimmen erzielte die Aussenseiterin Gabi Coray ein beachtliches Resultat. Dabei handle es sich um Proteststimmen, vermutet GLP-Präsident Meyer. Sie seien Ausdruck eines generellen Verdrusses gegenüber allen Parteien von links bis rechts.