Thurgauer Sport- und Kulturhilfe ist gefragt: «Häufig hängt der finanzielle Schaden mit dem Ausfall eines grösseren Anlasses zusammen»

Bisher gingen rund 80 Gesuche für die Thurgauer Coronahilfe aus dem Sport- und Kulturbereich beim Kanton ein. Erste Zahlungen sollen in den nächsten Tagen ausgelöst werden.

Sebastian Keller
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Auf Thurgauer Fussballplätzen ist derzeit nicht viel los. Das bringt auch Clubs in finanzielle Schieflage.

Auf Thurgauer Fussballplätzen ist derzeit nicht viel los. Das bringt auch Clubs in finanzielle Schieflage.

(Bild: Urs Bucher)
  • Der Thurgauer Regierungsrat hat fünf Millionen Franken aus dem Lotteriefonds zur Milderung wirtschaftlicher Folgen in Sport und Kultur bereitgestellt.
  • Bislang gingen rund 80 Gesuche ein. 
  • Keine Nachfrage gibt es derzeit nach Krediten des Thurgauer Hilfsprogramms für die Wirtschaft.

Keine Flanke, kein Matchball, kein Plattwurf: Das Coronavirus hat den Sport im Thurgau vorübergehend auf den Rücken gelegt. Mit finanziellen Folgen für Sportvereine und Sportler. Wettkämpfe fallen ins Wasser, der Meisterschaftsbetrieb ruht. Zwar hat der Bund ein Hilfspaket für den Sport geschnürt. In den Thurgau fliessen diese 50Millionen Franken aber kaum. Es richtet sich etwa an die Clubs der höchsten Fussballligen. Der Thurgau ist zwar in mehreren Sportarten top, aber das sind eher Randsportarten – so etwa Wasser- oder Volleyball.

Martin Leemann, Chef des Thurgauer Sportamtes.

Martin Leemann, Chef des Thurgauer Sportamtes.

(Bild: PD)

Deshalb hat der Thurgauer Regierungsrat fünf Millionen Franken aus dem Lotteriefonds zur Milderung wirtschaftlicher Folgen in Sport und Kultur bereitgestellt. Seit einigen Wochen können Vereine oder Verbände Anträge einreichen. Auf dem Tisch von Martin Leemann, Chef des Thurgauer Sportamtes, laden diese. «Es ist auf jeden Fall ein Bedarf nach Unterstützung da», sagt er auf Anfrage. Rund 30 Gesuche gingen bislang ein.

Anträge aus dem Spitzen- und Breitensport

Leemann hofft, in den nächsten Tagen erste Zahlungen auslösen zu können. Gesuchsteller seien Vereine im Spitzen- wie im Breitensport. «Häufig hängt der finanzielle Schaden mit dem Ausfall eines grösseren Anlasses zusammen», sagt der Amtschef. Dabei handelt es sich um ein Kriterium, um eine Gutsprache zu erhalten. Ein anderes lautet: Die Weiterführung des Sportangebots ist wegen der Coronamassnahmen gefährdet. Martin Leemann betont:

«Mit den Unterstützungsmassnahmen wollen wir auch der gesellschaftlichen Funktion des Sports Rechnung tragen.»

An Fussball oder andere Mannschaftssportarten ist derzeit noch nicht zu denken. Doch ab Freitag sollen erste Lockerungen im Sport möglich sein. So dürften Tennis- und Golfbälle demnächst wieder durch die Luft fliegen. Wie es in einer Mitteilung des Bundesamtes für Sport heisst, gelten die Lockerung für Sportarten, bei denen Körperkontakt vermieden und die Hygienevorschriften sowie das Social Distancing eingehalten werden können. Schwinger, Ringer und Rugbyspieler müssen sich also noch etwas gedulden. Bekannt ist: Die Verbände arbeiten mit Hochdruck an Konzepten, damit sie für ihren Sport bald grünes Licht zur Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs erhalten.

Martha Monstein ist Chefin des Kulturamtes des Kantons Thurgau.

Martha Monstein ist Chefin des Kulturamtes des Kantons Thurgau.

(Bild: Reto Martin)

Auch im Kulturbereich besteht ein Bedürfnis nach finanzieller Hilfe. Martha Monstein, Leiterin des Thurgauer Kulturamtes, sagt:

«Wir haben bisher knapp 50 Gesuche erhalten.»

Für Kultur-Soforthilfe stehen im Thurgau 2,4 Millionen Franken bereit. Dabei handelt es sich um rückzahlbare und zinslose Darlehen. Mit diesem Geld soll die Liquidität sichergestellt werden. Das Geld kommt zu 100 Prozent vom Bund. Anders die Ausfallentschädigung: Diese Kosten teilen sich Bund und Kanton. Die Entschädigung ist dafür da, wenn finanzieller Schaden wegen der Coronabekämpfung entstanden ist. Etwa wegen der Absage von Veranstaltungen.

Der Thurgauer Finanzminister Jakob Stark.

Der Thurgauer Finanzminister Jakob Stark.

(Bild: Donato Caspari)

Für die Wirtschaft hat der Kanton zusammen mit den Banken ein 100-Millionen-Hilfsprogramm aufgegleist. Mit Krediten sollen Liquiditätsengpässe überbrückt werden. Der Zinssatz beträgt ein Prozent. Seit Mitte April sind Anträge möglich.

Doch die Nachfrage ist bislang noch nicht vorhanden. Am Rande eine Pressekonferenz sagte Finanzdirektor Jakob Stark diese Woche: Bis jetzt sei das Thurgauer Programm noch nicht nachgefragt worden. Er sagt:

«Davon sind wir jedoch ausgegangen, weil zuerst alle Bundesinstrumente ausgeschöpft werden müssen.»

Die Nachfrage werde zudem davon abhängen, wie lange die Krise noch dauere. «Anträge können bis Ende September eingereicht werden.»