Thurgauer Regierungsratswahlen:
Der Favorit siegt mit kleinem Vorsprung

Die SVP Thurgau verteidigt mit Urs Martin ihre zwei Sitze im Regierungsrat. GLP-Kandidat Ueli Fisch scheidet wieder als Überzähliger aus.

Thomas Wunderlin
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Die neugewählte Thurgauer Regierung: Cornelia Komposch (SP), Carmen Haag (CVP), Walter Schönholzer (FDP), Monika Knill (SVP) und Urs Martin (SVP).

Die neugewählte Thurgauer Regierung: Cornelia Komposch (SP), Carmen Haag (CVP), Walter Schönholzer (FDP), Monika Knill (SVP) und Urs Martin (SVP).

Reto Martin

Bei den Hochrechnungen führt SVP-Kandidat Urs Martin vor Ueli Fisch, dem Konkurrenten von der GLP – allerdings nicht viel. Mit den Wahlresultaten aus den Städten schrumpft der Vorsprung noch. Am Ende liegt Martin mit 26421 Stimmen nur 864 Stimmen vor Fisch, der 25557 Stimmen erhält.

Gewählt wird Martin mit dem fünftbesten Resultat aller sieben Kandidaten. Die SVP verteidigt mit ihm den Sitz des zurücktretenden Jakob Stark.

Fisch übertrifft wie vor vier Jahren das absolute Mehr und scheidet wiederum als Überzähliger aus. Sein Rückstand auf den fünften Platz ist aber deutlich kleiner als 2016.

CVP-Regierungsrätin erzielt das beste Resultat

Wie bei den letzten Gesamterneuerungswahlen erhält Carmen Haag (CVP) am meisten Stimmen, Monika Knill (SVP) am zweitmeisten. Haag ist in 60 der 80 Gemeinden Spitzenreiterin – die CVP hätte mit ihr als Kandidatin gute Chancen, ihren Ständeratssitz zu verteidigen, falls Amtsinhaberin Brigitte Häberli 2023 zurücktreten sollte.

Auf dem dritten und vierten Platz folgen die andern beiden wiederkandidierenden Regierungsräte: Cornelia Komposch (SP) vor Walter Schönholzer (FDP).

Die Kandidatin der Grünen, Karin Bétrisey, erreicht mit deutlichem Rückstand den siebten Platz. Sehr viele Stimmen, nämlich 10818, werden als Vereinzelte gewertet. Leere Zeilen werden 35807 gezählt. Die Stimmbeteiligung beträgt 32,35 Prozent; vor vier Jahren lag sie bei 44,6 Prozent.

In der knappen Wahl Urs Martins dürften sich die Vorbehalte bürgerlicher Kreise gegenüber seinem Politstil spiegeln. In seinen zwölf Jahren im Grossen Rat scheute sich der ehemalige Sekretär der SVP-Bundeshausfraktion nicht, etablierte Seilschaften aufs Korn zu nehmen.

Fisch, der einen eher zurückhaltenden Stil pflegt, hat wohl das Maximum erreicht, was ein GLP-Vertreter im Thurgau erreichen kann. Bei den Ständeratswahlen im Herbst war er nur auf dem dritten Platz der nichtgewählten Kandidaten gelandet.

Der grünliberale Uniformproduzent erhält vor allem städtische Stimmen. Er führt vor Martin mit deutlichem Abstand in Frauenfeld, Kreuzlingen und Weinfelden. Total geben 18 Gemeinden Fisch den Vorzug vor Martin, darunter auch Martins Wohnort Romanshorn. Hingegen liegt Martin in Arbon und vor allem in Amriswil im Direktvergleich mit Fisch vorne.

SVP und Frauen bleiben in der Mehrheit

Grüne und Grünliberale haben keinen zweiten Wahlgang erzwingen können. Die Frauenmehrheit bleibt bestehen. Die Zusammensetzung des Regierungsrats widerspiegelt aber die Stärkeverhältnisse der Parteien im Grossen Rat nicht mehr vollständig. Die mit Abstand stärkste Partei, die SVP, hat zwar zwei Sitze, was der üblichen Interpretation der Konkordanz entspricht. Dies gilt auch für die Sitze der CVP und der FDP.

Hingegen haben die Grünen die SP überholt; rechnerisch haben die Grünen jetzt einen Anspruch auf einen Regierungssitz. Im Gegensatz zu Fisch ist ihre Kandidatin Karin Bétrisey noch wenig bekannt in der Thurgauer Wählerschaft.

An ihrem Wohnort Kesswil erhält die selbstständige Raumplanerin mit 83 Stimmen nur halb so viele Stimmen wie Fisch oder Martin. Ein Konflikt um die Ortsplanung hat sie offensichtlich viele Stimmen gekostet. Bei ihrer Kandidatur als Kesswiler Gemeindeammann 2011 hatte Bétrisey 177 Stimmen erzielt.

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