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Thurgauer Regierungsrätin zeigt vor, wie man Landwirte bei Thurkorrektion einbezieht

An einer Tagung des Bundesamts für Umwelt in Weinfelden gab die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag dem Bauernvertreter Daniel Vetterli Redezeit ab. Er fühlte sich vom Gastgeber übergangen.
Thomas Wunderlin
Neunforn TG - In Neunforn (zwischen Fahrhof und Hirtestübli) wurde die Thur renaturiert. (Bild: Reto Martin)

Neunforn TG - In Neunforn (zwischen Fahrhof und Hirtestübli) wurde die Thur renaturiert. (Bild: Reto Martin)

Nächstes Jahr will Carmen Haag ein übergeordnetes Konzept vorstellen, wie der Hochwasserschutz im ganzen Thurgauer Thurtal aussehen soll. Dass sie die Bauern bei dieser Neuauflage der Thurkorrektion ins Boot holen will, zeigte die CVP-Regierungsrätin demonstrativ am Donnerstag an einer Tagung im Weinfelder Rathaussaal.

Regierungsrätin Carmen Haag. (Bild: Donato Caspari)

Regierungsrätin Carmen Haag. (Bild: Donato Caspari)

Diskutiert wurde der Zustand der Thur-Renaturierung, auf die sich die Anrainerkantone 2001 auf dem Säntis verpflichtet hatten. Der Organisator, das Bundesamt für Umwelt, hatte Daniel Vetterli, Vorstandsmitglied des Verbands Thurgauer Landwirtschaft, nur als einen von sieben Teilnehmern einer Podiumsdiskussion eingeladen. Der SVP-Kantonsrat aus Rheinklingen hätte aber gern ein Referat gehalten, wie es etwa der Regierungsrätin und den Vertretern des Naturschutzes zugestanden wurde.

Daniel Vetterli, Verband Thurgauer Landwirtschaft. (Bild: Reto Martin)

Daniel Vetterli, Verband Thurgauer Landwirtschaft. (Bild: Reto Martin)

Ausserdem habe der Organisator vergessen, ihn an eine Vorbereitungssitzung einzuladen, sagte Vetterli. Er hatte deshalb seine Teilnahme am Podium abgesagt, kam aber trotzdem, weil ihm Regierungsrätin Haag, fünf Minuten ihrer 20-minütigen Redezeit überliess.

Entlang der Flüsse liegt das beste Ackerland

Diese Vorgeschichte wertete Vetterli als typisch für den Umgang mit Bauern, wenn es um Renaturierungen von Fliessgewässern geht: «Der unbequeme Störenfried wird erst eingeladen, wenn das Projekt fertig ist.» Die Bauern seien die einzigen, die bei einer Renaturierung etwas zu verlieren hätten. Entlang der Flüsse liegen laut Vetterli die wertvollsten Fruchtfolgeflächen. Er forderte, bei einer Renaturierung den Wald nicht höher, als die Fruchtfolgeflächen zu werten.

Toni Kappeler, Präsident Pro Natura Thurgau. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Toni Kappeler, Präsident Pro Natura Thurgau. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Den Gegenpol vertrat Toni Kappeler, Präsident von Pro Natura Thurgau. Seit 2005 arbeite er beim Thurrichtprojekt Weinfelden-Bürglen mit. Jeder Schritt, mit dem das ursprüngliche Projekt Bürglerau verändert wurde, sei ein Rückschritt gewesen. Nach seiner Meinung hätte der Kanton mehr Härte gegenüber den Bauern zeigen sollen, die das Projekt mit ihren Einsprachen verzögern, sagte der Münchwiler GP-Kantonsrat am Rande der Tagung. Diese hätten ihr Land nur vom Kanton gepachtet und legten sogar Äcker darauf an, was im thurnahen Bereich nicht zulässig sei.

Renaturierung ist laut Kappeler kein Widerspruch zum Hochwasserschutz, sondern die einzige Lösung, die das Problem nicht weiter hinab verschiebe.

Haag präsentierte das Thurrichtprojekt Weinfelden-Bürglen als Resultat einer ausgewogenen Interessensabwägung. Es werde sich in das übergeordnete Hochwasserschutz-Konzept einfügen. In einem historischen Rückblick wies die Regierungsrätin daraufhin, dass bei der 1893 abgeschlossenen Thurkorrektion 500 Hektaren Fruchtfolgeflächen geschaffen worden seien. Inzwischen ist der Hochwasserschutz nicht mehr gewährleistet. Von der Sohlenerosion ist auch das Grundwasser gefährdet, das verschmutzt werden könnte.

Die Thur bei Weinfelden: Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist sie begradigt. (Bild: Mario Testa)

Die Thur bei Weinfelden: Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist sie begradigt. (Bild: Mario Testa)

Dadurch wäre das Trinkwasser gefährdet, für dessen Schutz sich der Geschäftsführer der Technischen Betriebe Weinfelden, Walter Krähenbühl, einsetzte.

Walter Meier amtierte bei der 2017 abgeschlossenen Renaturierung der untersten fünf Kilometer der Thur, den Thurauen, als Delegierter des Zürcher Regierungsrats. Wie er berichtete, war es eine seiner wichtigsten Aufgaben, das Ungleichgewicht zwischen Fachleuten und Laien, sprich Bauern, auszugleichen. Um die Landwirtschaft einzubinden, überlegt sich Haag die Schaffung eines Delegierten nach Zürcher Vorbild. Auch Vetterli würde sich einen solchen Vermittler wünschen.

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