Thurgauer Regierung verteidigt Seminar in Deutschland – SVP-Kantonsrat spricht von einem Armutszeugnis fadenscheinigen Argumenten

Grundsätzlich sollen Kantonsangestellte Seminare möglichst im Thurgau abhalten. Das Landwirtschaftsamt und das BBZ Arenenberg reisten jedoch nach Radolfzell. Eine Ausnahme, für die es gute Gründe gebe, sagt der Regierungsrat. 

Larissa Flammer
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Das Kloster Fischingen ist ein Seminarhotel und wäre auf eine gute Auslastung angewiesen.

Das Kloster Fischingen ist ein Seminarhotel und wäre auf eine gute Auslastung angewiesen.  

(Bild: Reto Martin)

Ein Armutszeugnis sei es, findet SVP-Kantonsrat Mathias Tschanen (Müllheim). Der Kanton lasse die nötige Sensibilität und das Feingefühl vermissen. Stein des Anstosses ist für den Unternehmer ein Strategieseminar der Spitze des Thurgauer Landwirtschaftsamtes sowie Kaderangehörigen der Landwirtschaftlichen Schule Arenenberg. Dieses wurde in Radolfzell am deutschen Bodenseeufer durchgeführt.

Mathias Tschanen (SVP, Müllheim).

Mathias Tschanen (SVP, Müllheim).

(Bild: Donato Caspari)

Tschanen ist nicht einverstanden damit, dass kantonale Ämter und Betriebe die Anlagen im Thurgau nicht berücksichtigen und Seminare stattdessen in ausländischen Hotels abhalten. Schliesslich sei der Arenenberg selber ein Seminarstandort, der mit Staatsgeldern gefördert werde. Genauso wie die Organisation Thurgau Tourismus, die unter www.seminarland.ch die verschiedenen Seminarhotels im Kanton bewerbe.

Tschanen gelangte mit vier Fragen an den Regierungsrat. Dessen Antworten liegen seit Freitag vor.

Für ein Strategieseminar reiche ein Sitzungszimmer

Die Kantonsregierung erklärt den Ausflug ins Ausland wie folgt: «Fast 80 Prozent der Besucherinnen und Besucher des Napoleonmuseums kommen aus Deutschland und nutzen auch die Gastronomie und Hotellerie des Bildungs- und Beratungszentrums (BBZ) Arenenberg.» Dementsprechend würden Museum und BBZ seit Jahren gezielt Öffentlichkeitsarbeit im süddeutschen Raum betreiben, sowie Kontakte und gute Beziehungen über die Landesgrenze hinweg pflegen.

Beim angesprochenen Seminar sei es um die Weiterentwicklung des kulturtouristischen Arenenbergs gegangen. Die Regierung schreibt:

«Für dieses spezifische Thema bot sich ein Sichtwechsel auf kurze Distanz gleich über den See an.»

Damit ist Tschanen nicht einverstanden. Ein Seminar, bei dem eine Strategie erarbeitet werde, finde einfach im Sitzungszimmer statt. «Das kann man grad so gut im Thurgau machen», sagt er auf Anfrage. Wenn es beim Seminar darum gehen würde, vor Ort etwas anzuschauen, hätte er vollkommenes Verständnis für einen Veranstaltungsort im Ausland.

Vorgaben gibt es keine, aber Erwartungen

Der SVP-Kantonsrat kann die Argumentation der Regierung nicht nachvollziehen, er nennt die Gründe fadenscheinig. Tschanen mutmasst, dass vielleicht die Kosten hinter dem Entscheid stecken. Dass gerade der Kanton und der Arenenberg, die auf Regionalität setzen und den Einkaufstourismus verurteilen, sich nun so verhalten, sei ein Armutszeugnis gegenüber der Gesellschaft. Er werde wieder reagieren, wenn er ein solches No-Go erneut bemerke, sagt der Kantonsrat.

Grundsätzlich müssen die kantonalen Departemente und Ämter keine Vorgaben hinsichtlich der Durchführungsorte von Kaderseminaren erfüllen, ist in der Antwort des Regierungsrats weiter zu lesen:

«Es besteht aber die Erwartung, dass in der Regel ein Veranstaltungsort im Thurgau gewählt wird.»

Im vorliegenden Fall habe es für den Regierungsrat aber gute Gründe für eine Ausnahme gegeben.

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