Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Nach Spekulationen um den Verkauf aller SNB-Aktien: Thurgauer Regierung pfeift Kantonalbank zurück

Die Thurgauer Kantonalbank kauft wieder Nationalbankaktien, nachdem sie vor zwei Jahren ihren Bestand verkauft hatte. Inzwischen ist der Kurs von 1900 auf 5000 Franken gestiegen. Dahinter steht eine politische Intervention.
Thomas Wunderlin
Die TKB-Partizipantenversammlung hat nichts zu sagen; der Kanton entscheidet allein. (Bild: Reto Martin)

Die TKB-Partizipantenversammlung hat nichts zu sagen; der Kanton entscheidet allein. (Bild: Reto Martin)

Der Kanton Thurgau profitiert regelmässig von den üppigen Ausschüttungen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). 2018 flossen so 42,8 Millionen Franken in die Kantonskasse. Dabei handelt es sich eigentlich um eine Dividende, denn der Thurgau ist wie die anderen Kantone Miteigentümer der 1907 gegründeten Nationalbank.

Er hält 1500 SNB-Namenaktien, die mit 315'000 Franken bilanziert sind; insgesamt gibt es 100'000 SNB-Namenaktien. An der SNB beteiligt war der Kanton auch über die Thurgauer Kantonalbank (TKB), die zu vier Fünftel Kantonseigentum ist. Diesen Zusammenhang nicht bedacht hatten die Börsenprofis der TKB, als sie im Januar 2017 zum Kurs von 1900 Franken alle 450 Nationalbankaktien der TKB verkauften.

Spekulationen über Protest gegen Negativzinsen

Die «Handelszeitung» spekulierte in einem Bericht vom 18. April 2019, die TKB habe die SNB-Aktien aufgrund «atmosphärischer Unstimmigkeiten» verkauft. 2016 habe sie erstmals Negativzinsen auf ihre Guthaben bei der Nationalbank bezahlen müssen.

Als bisher einziger Kanton verkaufte gemäss «Finanz und Wirtschaft» Obwalden seine SNB-Aktien 2018. Die Nationalbank soll laut «Handelszeitung» bei mehreren Kantonen interveniert haben, deren Kantonalbanken SNB-Aktien abstiessen. Die Basler Kantonalbank habe bestätigt, dass sie 2018 von ihrer Regierung zurückgepfiffen worden sei; die Bank habe darauf ihre SNB-Aktien auf den ursprünglichen Bestand aufgestockt.

Kantonsrat Urs Martin gab den Anstoss

Etwa dasselbe passiert jetzt im Thurgau. In einer Einfachen Anfrage vom 24. April 2019 stellte der Romanshorner SVP-Kantonsrat Urs Martin unter anderem die Frage: «Beabsichtigt der Regierungsrat, die TKB anzuweisen, den Verkauf nachträglich wieder rückgängig zu machen, wie dies in anderen Kantonen bereits geschehen ist?»

SVP-Kantonsrat Urs Martin. (Bild: Reto Martin)

SVP-Kantonsrat Urs Martin. (Bild: Reto Martin)

Der Regierungsrat erklärt in seiner letzte Woche veröffentlichen Antwort:

«Die TKB hat die Situation inzwischen neu beurteilt und beschlossen, in nächster Zeit wieder Aktien der SNB zu erwerben. Der Regierungsrat begrüsst diesen Entscheid.»

Somit bestehe auch vonseiten der Kantonalbank wieder eine Beteiligung an der SNB. Die Beteiligung des Kantons Thurgau bleibe unverändert.

TKB-Sprecherin Anita Schweizer erklärt, für den Verkauf der Nationalbankaktien seien «einzig die geänderten Liquiditätsvorschriften» der Finanzmarktaufsicht massgebend gewesen. Die TKB erfülle diese Vorschriften, sie übererfülle sie sogar.

Da Aktien nur noch unter eingeschränkten Bedingungen dafür angerechnet werden könnten, habe die TKB ihre wenigen Aktienpositionen verkauft. Es sei nicht speziell um die SNB gegangen, sondern um Titel von insgesamt sechs Schweizer Unternehmen, darunter von Kantonalbanken.

Die TKB-Sprecherin Anita Schweizer mit CEO Heinz Huber und Bankratspräsident René Bock bei der Partizipantenversammlung 2016.

Die TKB-Sprecherin Anita Schweizer mit CEO Heinz Huber und Bankratspräsident René Bock bei der Partizipantenversammlung 2016.

Andere Gründe gab es laut der TKB-Sprecherin nicht; die Spekulation der «Handelszeitung» treffe nicht zu. «Um solchen Spekulationen auch künftig keinen Raum zu bieten, hat die TKB – in eigener Regie, aber natürlich in Absprache mit dem Haupteigentümer – beschlossen, in nächster Zeit wieder Titel der SNB zu erwerben.»

Auch «ideelle Überlegungen» bewogen die TKB laut ihrer Sprecherin zum Rückkauf, nämlich die Rolle der Nationalbank für die Schweiz, die Grundidee bezüglich ihrer Inhaberstruktur aus der Gründungszeit und die Ausschüttungen an die Kantone. Die TKB wird laut Schweizer im zweiten Halbjahr 2019 wieder SNB-Aktien kaufen. Offen sei noch, wie viele Titel sie erwerben werde.

Momentan käme ein Minus von 1,4 Millionen heraus

Würde die TKB jetzt 450 SNB-Aktien zum aktuellen Kurs von 5000 Franken kaufen, müsste sie dafür 2,25 Millionen Franken zahlen. Anfang 2017 hatte der Wert 855000 Franken betragen. Das ergäbe ein Minus von rund 1,4 Millionen Franken.

Kantonsrat Martin zeigt sich zufrieden mit der Antwort des Regierungsrats. Momentan erfolge die Verteilung der SNB-Ausschüttung aufgrund der Einwohnerzahl der Kantone, nicht nach dem Kapitalanteil, wovon der Thurgau erheblich profitiere. Wenn sich die Kantone und die Kantonalbanken aus der SNB zurückziehen würden, könnte sich das ändern.

Der Aufpreis für den Rückkauf sei «der Preis dafür, dass man sich der historischen Verantwortung zu wenig bewusst ist». Dieser ist aber laut Urs Martin «lächerlich im Verhältnis zu dem, was jährlich hereinkommt».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.