Trockenheit im Thurgau: Nach dem Trinkwasser soll das Brauchwasser unter die Lupe genommen werden

Der Thurgauer Regierungsrat will kein Gesamtkonzept zur Bewältigung von künftiger Wasserknappheit und Trockenheit erstellen. Er hat andere Ansätze: Als nächstes soll ein Planung für die Brauchwasserversorgung erstellt werden. 

Sebastian Keller
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Noch eine November 2018 war der Pegelstand des Untersees tief, wie diese Luftaufnahme von Ermatingen zeigt. (Bild: Donato Caspari)

Noch eine November 2018 war der Pegelstand des Untersees tief, wie diese Luftaufnahme von Ermatingen zeigt. (Bild: Donato Caspari)

Trockenheit Bachbetten so trocken wie Steingärten; Bäume, die ihre Blätter ungewohnt früh abwerfen; tiefe Pegelstände. Das ist nur eine Auswahl, wie sich der Hitzesommer 2018 auswirkte. Dieser begann früh und endete erst spät. Die Folgen dürften noch nicht ausgestanden sein.

Die Thurgauer Regierung erinnert in einer Beantwortung eines Vorstosses an den Hitzesommer 2003, der sogar weniger heiss war als 2018. Damals dauerte es sechs bis acht Jahre, bis das Grundwasser örtlich wieder den vorherigen Stand erreichte.

Mit einem Vorstoss forderten die CVP-Kantonsräte Josef Gemperle (Fischingen), Franz Eugster (Bischofszell) und Kilian Imhof (Balterswil) ein Gesamtkonzept im Umgang mit Wasserknappheit und Trockenheit. Den Antrag haben 46 Kantonsräte mitunterzeichnet. Doch die Regierung winkt ab. Begründung: Der Kanton unternehme schon viel und gedenkt einiges mehr zu tun.

Die gute Nachricht

Arbeiten im Bereich Trinkwasser seien bereits «weiter fortgeschritten, als vom Konzept gefordert». So etwa mit der Trinkwasserversorgungsplanung von regionaler und überregionaler Bedeutung. Diese zeigt etwa auf, inwieweit sich die einzelnen Regionen eigenständig mit Trinkwasser versorgen können.

«Die gute Nachricht ist», schreibt die Regierung, «dass der Kanton Thurgau insgesamt auch in den kommenden Jahrzehnten über ausreichend Trinkwasser verfügen wird». Doch die Nachrichten ist nicht nur gut: In den Regionen Frauenfeld und Amriswil zeichnet sich ab 2030 ein Defizit ab. Im Jahr 2050 werde es bei maximalen Bedarf auch in den Regionen Kreuzlingen und Münchwilen zu erheblichen Fehlmengen kommen.

Die Regierung will Gegensteuer geben: Mit 18 Massnahmen soll die langfristige Versorgung der Bevölkerung und Wirtschaft mit genügend einwandfreiem Trinkwasser sichergestellt werden. Ein Schwerpunkt liegt in der Überarbeitung des kantonalen Richtplans – angedacht ist ein Kapitel «Wasserrichtplanung». Die Rede ist von Neuerschliessung von Grundwasservorkommen sowie dem «Neubau von grossen Transferverbindungen zwischen den Regionen».

Gemäss Beantwortung soll die Überarbeitung im nächsten Jahr in Angriff genommen werden. Von Speicherseen sieht der Regierungsrat mit Verweis auf die bestehenden Trinkwasserressourcen Bodensee, Grundwasser und Quellen ab.

Regierung favorisiert einen Projektauftrag

Sie räumt aber ein, dass es im Bereich Brauchwasser – also etwa bei der Bewässerung von Obstkulturen – noch offene Punkte gebe. In diesem Bereich fehlen «noch viele Grundlagendaten». Deshalb will die Regierung eine kantonale Brauchwasserversorgungsplanung aufgleisen.

Sie macht den Antragsstellern ein Angebot: Statt das Gesamtkonzept weiterzuverfolgen, will sie dem Amt für Umwelt einen Projektauftrag erteilen. Dieses soll mit dem Landwirtschaftsamt dem Regierungsrat innerhalb des nächsten Jahres einen Grundlagenbericht vorlegen.

Die Kantonsräte halten an der Forderung nach einem Gesamtkonzept fest. Das ist einer Stellungnahme von Josef Gemperle zu entnehmen. «Alles spricht für ein Konzept», schreibt er und verweist auf den Klärungsbedarf in verschiedenen Themen. Der CVP-Politiker findet, es brauche «ein intelligentes und vernetztes Handeln innerhalb der parlamentarischen Kontrolle und mit einem parlamentarischen Zeitfenster».

Doch Gemperle lässt auch lobende Worte nicht vermissen: Der Regierungsrat «sieht die Aktualität des Problems, er sieht Handlungsbedarf». Das letzte Wort hat der Grosse Rat. Dieser entscheidet darüber, ob der Regierungsrat ein Konzept erstellen muss oder nicht.