Thurgauer Regierung gibt dem Kanton eine Vision

Der Regierungsrat stellt eine Strategie für den Thurgau in 20 Jahren vor. Das Papier beleuchtet die Qualitäten des Kantons, das Potenzial und mögliche Wege für die zukünftige Entwicklung. An der Umsetzung dieser Vision sollen alle mithelfen.

Larissa Flammer
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Der Gesamtregierungsrat und der Staatsschreiber auf dem Arenenberg mit Blick auf den Untersee. (Bild: Reto Martin)

Der Gesamtregierungsrat und der Staatsschreiber auf dem Arenenberg mit Blick auf den Untersee. (Bild: Reto Martin)

Andersartig und exklusiv soll der Thurgau sein. «Wir wollen nicht Mainstream werden wie Zürich oder St.Gallen», sagt Regierungspräsidentin Cornelia Komposch. Stillstand ist keine Option, seit Mittwoch gibt es für den Kanton eine Vision. Stolz präsentiert der Gesamtregierungsrat im Beratungszentrum auf dem Arenenberg die Strategie Thurgau 2040.

Das Papier – in gedruckter und gebundener Form umfasst es 54 Seiten – zeigt auf, wohin sich der Kanton in den nächsten 20 Jahren entwickeln soll. Es enthält Ziele, Ideen und Positionierungen. Bevor die Strategie in Zusammenarbeit mit einer Beratungsfirma erarbeitet sowie im Regierungsrat und später mit dem Kader der kantonalen Verwaltung besprochen wurde, haben die Verantwortlichen den Ist-Zustand erhoben. Komposch sagt:

«Wir haben auch die Haltung und Meinung Externer einfliessen lassen.»

Mit 49 ausgewählten Personen aus verschiedenen Bereichen wurden Interviews geführt, 42 Menschen innerhalb und ausserhalb des Kantons wurden auf der Strasse befragt. Die Regierungspräsidentin betont: «Das Bild, das dadurch von unserem Kanton entstanden ist, war für uns wichtig.»

Konzentration auf die Stärken des Kantons

Die Strategie Thurgau 2040 besteht aus vier strategischen Zielen, die offen formuliert sind. Ein Beispiel: «Dynamischer, eigenständiger und sympathischer Kanton als Brückenbauer zwischen Ostschweiz, Zürich und Süddeutschland-Vorarlberg.»

Neben dieser Vision enthält die Strategie 14 Erfolgsfaktoren; spezifische Elemente, die den Thurgau und seine Besonderheit ausmachen. Diese beruhen unter anderem auf den geführten Interviews. Eine Person sagte etwa:

«Man merkt den Menschen die bäuerliche Herkunft oder doch eine verbliebene Bodenständigkeit positiv an – Arbeit wird gesehen und gerne gemacht.»

Zu diesem Zitat gehört der Erfolgsfaktor «Robustes Wirtschaftsumfeld». Andere Faktoren sind: «Man kennt sich», «Dezentral gemeinschaftlich», «Sanfte Landschaft» oder «Tourismus und Seminare».

Die zentrale Stossrichtung schliesslich geben fünf Schlüsselthemen vor. Zu jedem Thema gibt es Schlüsselinitiativen, die Handlungsfelder und mögliche Umsetzungsthemen beschreiben. Sie reichen von unspezifisch formulierten Massnahmen (Förderung der Digitalisierungskompetenz in Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft) bis hin zu konkreten Ideen (neue Hochschulstandorte oder -filialen).

Kein Zeithorizont für die Ideen

Umsetzen wird die Strategie nicht der Staat alleine. Der Regierungsrat lädt alle Akteure im Thurgau ein, sich von der Vision inspirieren zu lassen und zur Umsetzung beizutragen. Staatsschreiber Rainer Gonzenbach sagt:

«Die Strategie ist der Polarstern, nach dem wir unseren Kurs ausrichten. Sie ist Impuls- und Ideengeber.»

Eine Priorisierung der Ideen oder einen Zeithorizont gibt es nicht. Zu einem bestimmten Zeitpunkt Bilanz über den Fortschritt der Umsetzung zu ziehen, ist nicht geplant. Die Regierungspräsidentin betont aber, dass die Vision nicht in der Schublade verschwinden soll: «Es ist ein Arbeitsinstrument.»

In Regierungsrichtlinien konkretisieren

Zum Einsatz kommen soll es unter anderem, wenn die Regierungsrichtlinien mit den Zielen der nächsten Legislatur verfasst werden. Diese wird es weiterhin geben. Die Strategie Thurgau 2040 spannt sich wie ein Dach darüber, sie ist ein roter Faden für die langfristige Perspektive.

Wenn der Zeitpunkt passt oder ein Thema gerade aktuell ist, sollen Ideen aus der Strategie wie Früchte herausgepflückt und in den Regierungsrichtlinien konkretisiert werden können. Komposch sagt:

«Es geht darum, dass wir alle den Thurgau der Zukunft gemeinsam denken und gestalten.»

Hinweis: Die Strategie kann hier online eingesehen werden.

Unser Kommentar zur Strategie 2040