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Thurgauer Priester macht sich Gedanken zum Bettag

Erich Häring, Thurgauer Priester im Ruhestand, macht sich für unsere Zeitung Gedanken zum Bettag. Der christliche Feiertag steht seiner Meinung nach für Beten, Danken und Büssen.
Erich Häring*
Erich Häring: «Mammon, Geld, verachtete Jesus besonders.» (Bild: PD)

Erich Häring: «Mammon, Geld, verachtete Jesus besonders.» (Bild: PD)

«Ihr Metier, Herr Pfarrer, ist das Wort Gottes», ist allenthalben von Politisierenden zu hören. In der Schweiz. In Russland. In Ungarn. In Österreich.

Ich, kurz nach der Geburt 1946 eingebürgert, Rekrutenschule. Meine Pistole in einem Streitgespräch gegen Kurt Kardinal Koch so gut verteidigend, dass er später auch Feldprediger wird. Von meinem Regimentskommandandten, zivil CEO einer grossen Versicherung, bestens qualifiziert, weil er es bemerkenswert fand, dass ein Priester einen Saab Turbo fährt. Alles lange her, bis auf die gelegentliche Zeitungsnotiz, Herr Pfarrer Sowieso müsse eine andere Stelle suchen, weil er von der Kanzel herab zu politisch predige.

Meist betrifft das evangelische Kolleginnen oder Kollegen. Das katholische Kirchenrecht garantiert dem Pfarrer eine herausgehobene Stellung, die es keinem Bischof leicht macht, ihn anderswohin zu verschieben. Schon gar nicht in der Schweiz, wo die Bischöfe keine Sanktionsmacht haben, weil die Kirchgemeinden über die Kirchensteuern verfügen.

Die Politik des Wortes Gottes

Ich halte es für verkehrt, öffentlich von der Kanzel herab mit Unterstützung des Amtes (Pfarrer, Dekan), mit kirchlichen Würden (Domherr, Prälat) oder akademischen Titeln (Prof., Dr., Rektor, Prorektor) Tages- und Parteipolitik zu machen. In politischen Sachfragen verfüge ich nicht über Detailkenntnisse, um die im Gottesdienst Feiernden, die während der Einwegkommunikation «Predigt» bloss zum zuhören Verurteilten, damit zu beglücken.

Gerade die Politik des Wortes Gottes erlaubt es mir nicht, nach eigenem Gutdünken Politiker zu spielen. Weder Papst noch Kaiser, weder 1968, noch blosser Profit und schon gar nicht mein Ego, selbst wenn es sich in einen demütigen Rock klerikaler Aufopferungsbereitschaft umwirft, können, christlich gesehen, Ziel auch stillster Gebete sein wollen.

Ich erinnere mich gut an einen Bischof, der einer Theologin erwidert hat: Ich bin 24 Stunden Bischof. Auch ist mir noch das Interview eines anderen Bischofs im Ohr: «Wissen Sie», sagt er, «wenn ich abends im Bad mit dem Pyjama in den Spiegel schaue, sage ich mir immer: Ich bin nur der Jörg.»

Aus Vätern und Müttern werden Menschen

Auch in der Ethik «10 Gebote», die aus dem Überlebenswillen nomadischer Sippen entwickelt hat, ist die Sorgepflicht für die Eltern erst auf dem vierten Platz gelandet. Ich erschrecke immer wieder, wenn ich dies mit den Vater- und Mütterbildern im Christentum vergleiche, die zu viel Heidnisches in sich aufgesogen haben: Der Pastor, Hirte, weiss, wo es lang geht. Die Gottesmutter, ein Wort das für sich selbst spricht. Der Heilige Vater, ein Titel, der auch vom emeritierten Papst noch für sich reklamiert wird.

Die biblischen Texte dagegen stellen allen Vätern einen bildlosen Gott voran, der weibliche und männliche Eigenschaften auf sich zieht, und aus Vätern und Müttern Menschen macht. Nicht zu vergessen das sehr gespannte Verhältnis, das Jesus von Nazareth zu seiner Familie hatte, von der er auszog. Dass eine ehemals psychotische Frau, der sich der Auferweckte als Erster zeigte, eine auch von Ferne seinem grässlichen Todeskampf aushaltend zusah, ist historisch viel wahrscheinlicher, als dass seine leibliche Mutter mit dabei war. Von Erscheinungen des Auferstandenen vor seiner Mutter weiss die Bibel nichts.

Es gibt keine Ausnahme. Alle haben Dreck am Stecken. Eine biblische Grundaussage. Mammon, Geld, verachtete Jesus besonders. Anhaltspunkte, Arme seien deswegen besser als Reiche, sucht man vergebens. Nur Gott ist heilig. Menschen sind menschlich. Alle. Unmöglich, eine Wertung der einen über die anderen ableiten zu können. Geht es konkret um Busse, so darum, dass jede und jeder selber in den Spiegel schaut, wobei die Schwierigkeit erkannt ist, den Balken im eigenen Auge je weniger gut zu sehen, als der Splitter im Auge des anderen sofort lokalisiert werden kann. Politischer geht es nicht mehr.

Hinweis: Erich Häring, 72, ist ehemaliger Leiter des Pastoralraums Altnau. Er gewann 2017 als erster katholischer Pfarrer den Predigtpreis des Evangelischen Kirchenbundes.

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