Kommentar

Thurgauer Pragmatismus im Asylbereich

Dem Kanton Thurgau täte im Umgang mit der Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen etwas mehr Konzept gut.

Silvan Meile
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Das Kantonsparlament sieht keinen Handlungsbedarf. Es folgt dem Regierungsrat und lehnt einen Antrag der grünen Kantonsrätinnen Brigitta Hartmann und Gina Rüetschi ab. Ihre Forderung nach bedürfnisgerechterer Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und einer Analyse der Situation zeigt aber auf, wie der Thurgauer Pragmatismus an Grenzen stossen kann.

Der Kanton löst diese Aufgabe reichlich hemdsärmelig. Es hat sich für ihn bewährt, die Asylsuchenden der Stiftung Peregrina zu überlassen, auch die unbegleiteten Minderjährigen. Diese können aber nicht einfach nebenbei in Strukturen untergebracht werden, die für Erwachsene ausgelegt sind.

Parlamentarierinnen legen immer wieder den Finger auf die Wunden

Das ist erkannt. Dennoch setzt der Thurgau weiter auf einen Weg, der knapp an den gesetzlichen Vorgaben entlang führt. Bei so viel Pragmatismus täte etwas mehr Konzept gut. Anpassungen werden ansonsten nur dann vorgenommen, wenn sie dringend nötig werden. Das ist jeweils meist der Verdienst von Parlamentarierinnen und Parlamentariern, die immer wieder den Finger auf die Wunden legen. In kleinen Schritten kommen sie vorwärts.

Das Anliegen nach mehr Menschlichkeit, dass auch die auf sich gestellten minderjährigen Flüchtlinge die selbe Betreuung wie ein Schweizer Waisenkind zugute haben, hatte auch zur Adventszeit im Grossen Rat einen schweren Stand. Seine Ablehnung ist wohl auch von der Angst getrieben, dass es bald wieder mehr jugendliche Flüchtlinge sein könnten. Und es dann mehr kostet. Doch müsste das den Preis wert sein.