Der Thurgauer Polizeikommandant ruft Verstärkung

Die Kantonspolizei soll um mehr als 100 Personen aufgestockt werden. Kostenpunkt: 16 Millionen Franken pro Jahr.

Silvan Meile
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Regierungsrätin Cornelia Komposch und Polizeikommandant Jürg Zingg stellen die Pläne zur Personalaufstockung vor. (Bild: Reto Martin)

Regierungsrätin Cornelia Komposch und Polizeikommandant Jürg Zingg stellen die Pläne zur Personalaufstockung vor. (Bild: Reto Martin)

Im Thurgau gibt die Kantonspolizei weiterhin zu reden. Nach der Kritik an der Schliessung von 11 der 27 Thurgauer Polizeiposten bringt sich die Kantonspolizei mit neuen Plänen ins Gespräch. Der Personalbestand soll markant erhöht werden

Der Personalbestand soll markant erhöht werden. In einer Botschaft verlangt der Regierungsrat vom Grossen Rat einen Viertel mehr Polizisten. Das sei nötig, um auch in Zukunft die Sicherheit im Kanton zu gewährleisten, sagten die zuständige Regierungsrätin Cornelia Komposch und Polizeikommandant Jürg Zingg am Freitag vor den Medien.

Insgesamt sollen bei der Kantonspolizei 116 zusätzliche Personen arbeiten. Gemäss Botschaft will man die Aufstockung in den nächsten zehn bis zwölf Jahren umsetzen. Gesamtkosten: jährlich 16,3 Millionen Franken. Das sei eine grosse Zahl, sagt Komposch. Doch an erster Stelle stehe die Sicherheit.

Eine Polizei, der es überall an Personal mangelt

Zingg argumentierte mit einem ganzen Strauss an Themenfeldern, welche die Ordnungshüter an ihre personellen Grenzen brächten: Er nannte unter anderem die herausfordernde Digitalisierung, Überwachung von möglichen Gefährdern und Extremisten, zunehmende Präventionsarbeiten oder die steigende Zahl an Grossveranstaltungen auf dem Kantonsgebiet.

Die Polizeiarbeit sei generell komplexer und anspruchsvoller geworden. Zingg sagt:

«Die Belastung und die Anforderungen an die Polizistinnen und Polizisten steigen.»

Gleichzeitig ist auch die Bevölkerung im Thurgau in den letzten Jahrzehnten laufend gewachsen. In einem Reorganisationsprojekt hat der Kommandant «die aktuellen und künftigen Herausforderungen» erhoben. Die Botschaft der Regierung an den Grossen Rat ist nun das Resultat.

Zingg zeichnete bei seinen Ausführungen das Bild einer Kantonspolizei, der es künftig an allen Ecken und Enden an Personal mangele. Um Gegensteuer zu geben, müsse das Korps von heute 384 auf 475 Polizistinnen und Polizisten aufgestockt werden. Zudem sollen weitere 25 Zivilangestellte die Thurgauer Polizei verstärken.

Schweizweit die tiefste Polizeidichte

Doch wo sollen diese zusätzlichen Leute alle arbeiten? Mit der Forderung nach einem grösseren Polizeibestand werden auch zusätzliche Arbeitsplätze benötigt, räumte Zingg ein. Konkret nimmt er dazu am Freitag keine Stellung und verweist auf ein laufendes «Projekt Raumstrategie».

Das Thurgauer Polizeikorps habe mit der «Grenzkriminalität und dem Bundesasylzentrum» zusätzliche Aufgaben zu bewältigen, sagte Komposch. Dennoch weise es mit nur einem Polizisten pro 717 Einwohner die schweizweit tiefste Polizeidichte auf. Daran änderte auch die letzte Personalaufstockung nichts, die erst im Dezember 2017 abgeschlossen werden konnte.

SICHERHEIT: Nirgends gibt es so wenige Polizisten wie im Thurgau

Der Kanton Thurgau hat im Verhältnis zur Bevölkerung schweizweit am wenigsten Polizisten. Die Sicherheitsdirektorin Cornelia Komposch sagt zwar, dass dies kein Qualitätskriterium sei. Trotzdem fände sie eine Erhöhung des Korpsbestandes für angebracht.
Sebastian Keller