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Thurgauer Parteien rekrutieren Veteranen als Kandidaten

Bei den Gemeinderatswahlen in Frauenfeld und Kreuzlingen kandidieren mehrere altgediente Politiker, die dem Parlament vor Jahren den Rücken gekehrt haben. Den Parteien fehlt der zugkräftige Nachwuchs
Thomas Wunderlin
Guido Leutenegger, ehemaliger Kreuzlinger Stadtrat, 2007 (Nana do Carmo)

Guido Leutenegger, ehemaliger Kreuzlinger Stadtrat, 2007 (Nana do Carmo)

Die Parteien bekunden Mühe, ihre Listen für die Parlamentswahlen zu füllen; Ende März wird in Frauenfeld, Kreuzlingen und Weinfelden gewählt. Der Andrang zur schlecht entlöhnten Arbeit in einem Stadtparlament ist bescheiden. So sucht man im Umfeld der bereits gefundenen Kandidaten.

Die CVP Frauenfeld beispielsweise hat von mindestens drei Familien mehrere Mitglieder aufgestellt. Die beliebtesten Listenfüller aber sind Kandidaten, die dem Stadtparlament vor Jahren freiwillig den Rücken gekehrt haben. Ihre Bekanntheit soll den Wahlerfolg sichern.

Kreuzlinger Stadtrat will zurück ins Parlament

In Frauenfeld tut das die SVP mit Kantonsrat René Gubler, Jahrgang 1971, der schon von 1999 bis 2012 im Gemeinderat sass. Die CH portiert den Juristen Roland Wetli, Jahrgang 1956, der 2007 zurücktrat. Bei den Grünliberalen kandidiert Kantonsrat Stefan Leuthold, der sich 2015 aus dem Frauenfelder Parlament verabschiedet hatte.

In Kreuzlingen kandidiert für die Freie Liste GP-Kantonsrat Jost Rüegg, Jahrgang 1947, der 2011 nach 24 Jahren aus dem Stadtparlament abgetreten war. Die Freie Liste hat sogar einen ehemaligen Stadtrat aufgestellt: Guido Leutenegger, Jahrgang 1958, von 1995 bis 1999 Gemeinderat und von 1999 bis 2003 Stadtrat.

Die FDP will mit Marlise Marazzi, Jahrgang 1954, Stimmen holen; die Unternehmerin sass von 1990 bis 1999 im Stadtparlament, von 2011 bis 2016 im Grossen Rat. Auch EVP-Kantonsrat Ruedi Bär will zurück in den Kreuzlinger Gemeinderat, den er 2002 verlassen hatte.

Zweifacher Alterspräsident des Grossen Rats kandidiert in Weinfelden

In Weinfelden gibt es keine solchen Wiedergänger, jedenfalls sind Gemeindeschreiber Reto Marty keine bekannt. Jedoch nennt er zwei andere Kandidaten eher fortgeschrittenen Alters, die über eine gewisse Bekanntheit verfügen. Auf der SVP-Liste kandidiert Max Brunner, Jahrgang 1951, der amtsälteste Kantonsrat, der bisher nie Mitglied des Weinfelder Parlaments war. Ebenfalls für die SVP kandidiert Rolf Bar­tholdi, Jahrgang 1953, der im Herbst 2018 als Verwaltungsrichter in Pension ging. Die SP hofft, der ehemalige Bürgler Kantonsrat Walter Strasser, Jahrgang 1958, werde ihr Stimmen bringen.

Dieses Jahr scheinen sich vermehrt alte Kämpfer an die lokale Front zurückzumelden. Das Phänomen ist jedoch nicht neu. Zuvorderst auf der Liste der CH Frauenfeld figuriert Peter Hausammann, Jahrgang 1956. Nach einem mehrjährigen Ausflug in die kantonale Politik wurde er zum Oberrichter gewählt, kandidierte dann 2007 wieder für den Frauenfelder Gemeinderat und rückte 2009 nach. Seither hat er sich unter anderem mit Kritik am defizitären städtischen Fernwärmeprojekt profiliert.

Nicht profilieren konnte sich Irina Meyer, die den einzigen Frauenfelder GLP-Sitz hält; dies nicht zuletzt, weil sie selten an Gemeinderatssitzungen anwesend war. Um nicht aus dem Parlament zu fliegen, setzt die GLP auf Leuthold, der sich zuletzt mit seiner Stadtratskandidatur in Erinnerung rief.

Gubler: Stall ist gebaut

SVP-Kandidat Gubler erklärt seine Rückkehr damit, dass er sich für die Bauprojekte interessiere, die in Frauenfeld auf der politischen Traktandenliste stehen. Er sei damals aus dem Gemeinderat zurückgetreten, weil er in den Grossen Rat nachgerückt sei und er zugleich einen neuen Stall bauen wollte: «Ich sah es kommen, dass es über die Bauzeit zu viel würde.» Inzwischen sei diese Phase vorüber. Gubler schätzt als Vorteil des städtischen Parlaments, dass man sich besser kenne.

René Gubler, ehemaliger Frauenfelder Gemeinderat 2010. (Bild: Donato Caspari)

René Gubler, ehemaliger Frauenfelder Gemeinderat 2010. (Bild: Donato Caspari)

René Gubler: «Im Gemeinderat kennt man sich besser als im Grossen Rat.Man kann vielleicht eher etwas über die Fraktionsgrenze hinweg bewirken.»

Das Frauenfelder und das Kreuzlinger Parlament haben 40 Mitglieder, in Weinfelden sind es 30. Im Grossen Rat sitzen 130 Kantonsräte; sie nützen abwechslungsweise dieselben Räume wie das Frauenfelder und das Weinfelder Parlament.

Gubler glaubt an eine «intakte Wahlchance», da die beiden bisherigen SVP-Gemeinderäte Robert Zahnd und Andreas Elliker nicht mehr dem neuen Parlament angehören werden. Noch nicht spruchreif sei, ob er nächstes Jahr nochmals für den Grossen Rat antreten würde.

Auch der ehemalige Kreuzlinger Gemeinde- und Stadtrat Leutenegger hatte aus beruflichen Gründen keine Zeit mehr für Lokalpolitik. Der «hektische Aufbau» seines Fleischproduktionsbetrieb sei jetzt vorbei. Die Frage, ob er auch gern in den Stadtrat zurückkehren möchte, lässt Leutenegger offen: «Sag niemals nie.» Das gilt jedoch nicht für seine Kandidatur in den Grossen Rat: Damit ist nie zu rechnen.

Jost Rüegg verzichtet, falls er einen Bisherigen verdrängt

Er wolle seine Bekanntheit nützen, um die vier Sitze der Freien Liste zu sichern, sagt Jost Rüegg. Die Freie Liste habe anfangs Mühe gehabt, bekannte Leute zu finden. Nachdem er sich zur Kandidatur entschieden habe, hätten sich auch andere profilierte Leute, darunter Guido Leutenegger, dazu entschlossen.

Jost Rüegg, Kreuzlingen, 2018. (Bild: Donato Caspari)

Jost Rüegg, Kreuzlingen, 2018. (Bild: Donato Caspari)

Rüegg und Leutenegger stehen «bewusst zuunterst auf der Liste», sagt Rüegg: «Wir wollen signalisieren, dass wir keine Bisherigen gefährden wollen.» Falls er statt eines Bisherigen gewählt würde, werde er zu dessen Gunsten auf die Wahl verzichten. Rüegg rechnet jedoch damit, dass ihm dieses Szenario dank einem Sitzgewinn der Freien Liste erspart bleibt.

Kantonsrat hat mehr Einfluss

Die Arbeit im Stadtparlament ist laut Rüegg «angenehmer und wirkungsvoller» als im Grossen Rat. Ungünstig sei, dass im Grossen Rat die Fraktionssitzungen unmittelbar vor den Sitzungen des Plenums stattfinden. Dadurch habe man keine Zeit, mit andern Fraktionen zu verhandeln. In Kreuzlingen treffe sich die Fraktion drei Tage vor der Gemeinderatssitzung. Rüegg will im Grossen Rat bleiben, auch wenn er in den Kreuzlinger Gemeinderat einziehen sollte.

Wenn er zwischen den beiden Parlamenten wählen müsste, würde er dennoch den Grossen Rat vorziehen. «Als Kantonsrat hat man mehr Möglichkeiten, beim Kanton etwas zu bewirken.» Er erhalte eher Auskunft von der Verwaltung als ein einfacher Bürger. Ein Mitarbeiter der Kantonsverwaltung wisse, dass er ihm antworten müsse, weil er sonst eine Einfache Anfrage einreiche. Als Kantonsrat fühle er sich auch von der Kreuzlinger Stadtverwaltung besser respektiert.

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