Tierquäler
Video des Herrenhofer Schafwerfers: Das Thurgauer Obergericht reduziert Strafe für Nachbar

Der Nachbar des Herrenhofer Schafhalters ist schuldig der Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs. Das Obergericht hält ihm zugute, dass er glaube, er könne nicht anders tun, als den Schafhalter filmen.

Thomas Wunderlin
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Der Nachbar filmte von aussen in den Herrenhofer Stall hinein.

Der Nachbar filmte von aussen in den Herrenhofer Stall hinein.

Bild: Andrea Stalder

Der 67-jährige Nachbar eines Herrenhofer Schafhalters befand sich in einem Verbotsirrtum, als er vom Dachfenster seines Hauses aus mit einem starken Zoom Videoaufnahmen des Schafhalters machte. Dies geht aus einem am Dienstag veröffentlichten Urteil des Thurgauer Obergerichts hervor.

Nach Ansicht der Richter hätte der pensionierte Mechaniker die Polizei, die Staatsanwaltschaft oder das Veterinäramt über die Missstände orientieren sollen. Auf der Gemeinde hatte er aber einmal die Auskunft erhalten, ohne Beweise könne sie nichts unternehmen; er müsse Fotos oder Filme bringen. Das Obergericht attestiert ihm deshalb einen subjektiven Beweisnotstand.

Er hätte jedoch die Aufnahmen nicht dem Tierschützer Erwin Kessler schicken dürfen, sondern sich an die Behörden wenden müssen. Das Obergericht reduziert die vom Bezirksgericht Kreuzlingen verfügte bedingte Geldstrafe von 30 auf 15 Tagessätze zu 110 Franken.

Eine Denkzettel-Busse wird aufgehoben

Bestätigt wird die Bestrafung Kesslers mit 30 Tagessätzen zu 230 Franken bedingt. Beide sind der Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte schuldig.

Eine als «Denkzettel» gedachte Busse wird bei beiden aufgehoben; diese sei nicht angebracht. Kessler sei nicht einschlägig vorbestraft, der Nachbar sogar ganz ohne Vorstrafen.

Möglicherweise warnte Kessler den Schafhalter

Laut Obergericht hatte Kessler keinen Grund, nach Erstattung der Anzeige die Aufnahmen im Internet zu veröffentlichen. Spätestens nach dem Fall Hefenhofen hätten sich die Behörden «keine Untätigkeit mehr leisten» können. Staatsanwaltschaft und Veterinäramt hätten denn auch nach der Anzeige gegen den Schafhalter unverzüglich rechtliche Schritte eingeleitet. Man könne sich sogar fragen, ob «nicht gerade die Veröffentlichung der Aufnahmen einen Tag vor der Kontrolle den Privatkläger warnte».