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Thurgauer Obergericht: Eine Betrügerin beharrt auf ihrer Lüge und droht mit Selbstmord

Eine Masseurin luchst Kunden Darlehen von 300000 Franken ab, die sie nicht zurückzahlen kann. Vor Obergericht kündigt sie ihren Selbstmord an, falls sie ins Gefängnis muss.
Thomas Wunderlin
Das Thurgauer Obergericht in Frauenfeld. (Bild: Olaf Kühne)

Das Thurgauer Obergericht in Frauenfeld. (Bild: Olaf Kühne)

Noch immer spricht sie von ihrem Lottogewinn. Damit werde sie all ihre Schulden zurückzahlen, kündigt die 61-jährige Masseurin am Mittwoch in der Verhandlung vor dem Thurgauer Obergericht an. Schon ihren Opfern hatte sie von diesem Gewinn erzählt, um von ihnen Darlehen von insgesamt 300000 Franken zu erhalten.

Neun Millionen Franken lägen auf einem Konstanzer Bankkonto, wahlweise in einem Schliessfach, hatte sie behauptet. Sie könne nicht darauf zugreifen, weil sie sonst die Hälfte ihrem geschiedenen Mann abgeben müsste.

Bezirksgericht gab ihr 20 Monate bedingt

Das Bezirksgericht Weinfelden hatte die mittelgrosse stämmige Frau am 18. Oktober 2018 wegen gewerbsmässigem Betrug zu 20 Monaten bedingt verurteilt und eine ambulante Massnahme, also eine Psychotherapie, angeordnet. Im Urteil stellte das Bezirksgericht klipp und klar fest: «Den angeblichen Lottogewinn gibt es nicht.»

Dessen ungeachtet behauptet die Frau vor Obergericht, ihr Treuhänder habe den Gewinn mittlerweile in die Schweiz transferiert und kümmere sich um die Rückzahlung. Sie kümmere sich nicht um die Details: «Es belastet mich zu stark.» Zurzeit arbeitet sie als Haushaltshilfe, hat aber kein nennenswertes Einkommen.

Bauerntochter mit vielen Ausbildungen

Einen Beruf erlernte die Bauerntochter nie, machte aber Ausbildungen als Masseurin, Fusspflegerin, Tai-Chi- und Qi-Gong-Lehrerin. Ab 2013 arbeitete sie als Putzfrau für eine damals 84-jährige Einfamilienhausbesitzerin, von der sie zwei Darlehen von 40000 und 15000 Franken erhielt. In einem Atemtherapiekurs lernte sie eine Frau kennen, die ihr Darlehen von 25000, 10000 und 27000 Franken gewährte. Der Frau, die eine enge Freundin wurde, zahlte sie später 20000 Franken zurück. Zwei weitere enge Freundinnen, die ihr Geld gaben, zahlte sie es nicht zurück.

Das grösste Darlehen hatte sie schon 2008 von einem damals 72-jährigen Kunden erhalten. Der mittlerweile Verstorbene kam zur Fusspflege und Massage zu ihr. Er gab ihr einmal 150000, weil sie ihm erzählte, sie brauche Geld, um ein Haus für ihre Tochter und deren behindertes Kind zu bauen. Davon gab sie tatsächlich ihrer Tochter 80000 Franken für den Hausbau.

Den Bruder und Paten um 100000 Franken erleichtert

Einen weiteren Fall erledigte das Untersuchungsamt Uznach 2014 mit einem Strafbefehl über sechs Monate bedingt: Von einem ihrer zwölf Geschwister, das zugleich ihr Pate ist, erschwindelte die Masseurin 100000 Franken.

Das Bezirksgericht Weinfelden holte ein psychiatrisches Gutachten ein, da es an der Schuldfähigkeit der Angeklagten zweifelte. Der Experte attestierte ihr eine «leichtgradig verminderte Steuerungsfähigkeit». Ihr hartnäckiges Beharren auf der Überzeugung, im Lotto gewonnen zu haben, bezeichnete er als Pseudologie Phantastica. Solche Patienten wüssten im Grunde, dass ihre Berichte nicht stimmen.

Staatsanwalt sieht Widersprüche im Urteil des Bezirksgerichts

Das Obergericht hat noch kein Urteil bekannt gegeben. Der Staatsanwalt fordert, die Freiheitsstrafe von 20 Monaten sollten unbedingt erlassen werden. Das Bezirksgericht habe widersprüchlich geurteilt. Eine bedingte Strafe setzte eine günstige Prognose. Bei der Anordnung einer ambulanten Massnahme gehe man hingegen von einer ungünstigen Prognose aus.

Der Verteidiger verlangte einen Freispruch. Seine Mandantin anerkenne die Schulden. Sie habe immer die Absicht gehabt, die Darlehen zurückzuzahlen. Sie habe kein Vertrauensverhältnis ausgenützt. «Es stimmte ja, dass sie 2013 in Scheidung kam. Sie kam in finanzielle Nöte und kam in einen Strudel.»

Die Berufungsbeklagte wehre sich gegen eine stationäre Massnahme. Diese bringe nichts. Bei guter Führung komme sie nach 14 Monaten wieder heraus «und ist immer noch nicht resozialisiert». Seine Mandantin unterstützte ihn in ihrem Schlusswort mit einer Drohung: «Wenn ich ins Gefängnis muss, nehme ich mir das Leben.»

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